Jörg Friedrich


Warum Wissenschaft mehr zählt als Erfahrung

April 02, 2009 Kategorie: Philosophie |

Schon Aristoteles stellte sich die Frage, warum der Wissenschaftler höher angesehen ist als Erfahrung, obwohl doch, wie auch schon der alte Grieche wusste, die Erfahrenen in der Praxis oft erfolgreicher sind als die Wissenschaftler.

Link: Aristoteles: Weisheit und Erfahrung


Hartmut Mehdorn und der Erfolg

April 01, 2009 Kategorie: Wirtschaft |

Hartmut Mehdorn fühlt sich schlecht behandelt: Obwohl er für 2008 das beste Ergebnis in der Geschichte der Bahn verkünden konnte, musste er in dieser Woche seinen Rückzug als Chef des Unternehmens erklären. Nie zuvor hat die Bahn so viel Umsatz erwirtschaftet, nie einen größeren Gewinn erzielt als 2008. War Mehdorn damit nicht ein erfolgreicher Manager?

Dass man erfolgreich sein kann und trotzdem für Dinge verantwortlich ist, die es erforderlich machen, einen Posten herzugeben, soll hier nicht interessieren. Denn es steht schon in Frage, ob der Mann, der die Bahn 10 Jahre lang führte, überhaupt berechtigt ist, von Erfolg zu reden. Weiterlesen →


Wissenschaftsjournalismus: It’s a blogging world

März 29, 2009 Kategorie: Gesellschaft |

Schon die Zeichnung, mit der nature den Artikel „Supplanting the old media?“ (nature 458, 19.03.2009, pp 274-277) von Geoff Brumfiel illustriert, spricht Bände: Um eine halbverfallene Steinsäule mit der Aufschrift „Science Journalism“ rankt sich frisches Grün, an dessen Spitzen kleine Notebooks blühen.

Der Wissenschaftsjournalismus ist in der Krise. In den klassischen Medien werden weltweit die Wissenschaftsredaktionen abgebaut und der Umfang der Berichterstattung sowie die Recherche-Budgets gekürzt. Das ist die schlechte Nachricht.

Die gute Nachricht ist, dass immer mehr Wissenschaftler zu Bloggern werden. Sie nutzen das Netz, um schnell über ihre Forschungen berichten zu können und unmittelbare Reaktionen von Kollegen zu erhalten, aber auch, um der Öffentlichkeit über ihre Forschungen unmittelbar und ohne den Filter des Journalisten zu berichten. Weiterlesen →


Im Kino: Inside Hollywood

März 29, 2009 Kategorie: Kultur |

Ich kann es kurz machen: Man bekommt sein Geld nicht zurück, man bekommt schon gar keine Entschädigung für Zeit, die man sinnlos im Kinosessel verbracht hat. Ich hab an der Kasse gefragt, als ich aus dem Kinosaal kam, und ich war vermutlich nicht der erste.

Wer unbedingt wissen will, was ein paar Hollywood-Promis gern für ein Bild von ihrem Alltag in der Welt verbreiten wollen, der muss sich „Inside Hollywood“ natürlich ansehen. Man kann sich den Verlust von Illusionen aber auch ersparen. Weiterlesen →


Donald Davidson: Drei Spielarten des Wissens

März 26, 2009 Kategorie: Philosophie |

Donald Davidson versucht die Frage „Was kann ich wissen“ neu zu beantworten und er bezieht dabei das Wissen über meine eigenen Überzeugungen, das Wissen über die Außenwelt und das Wissen über die Überzeugungen der anderen wechselseitig aufeinander beziehen. Weiterlesen →


Die Twitter-Nutzer-Zahlen

März 24, 2009 Kategorie: Gesellschaft |

Zunächst einmal muss ich feststellen, dass ich mich geirrt habe. Ich habe vor ein paar Wochen errechnet, dass es ca. 12.000 deutsche Twitterer gibt, aber es sind weit mehr.

Mithilfe einer optimierten deutschen Stopwortliste, ergibt sich momentan eine Anzahl deutscher Twitterer von ca. 80.000, die in der letzten Woche ca 600.000 deutsche Tweets gepostet haben. Weiterlesen →


Wer soll nun die Kinder lehren?

März 23, 2009 Kategorie: Gesellschaft |

Max und Moritz haben bekanntlich ihren Lehrer Lämpel durch Streiche, mit denen sie in heutiger Zeit zum Thema von Talkshows und Politiker-Reden werden würden, ins Krankenbett gebracht. „Wer soll nun die Kinder lehren…“ fragte Wilhelm Busch und legte damit über seine Zeit dreifaches Zeugnis ab.

  1. Schon damals gab es ungezogene Kinder, die ihren Lehrern das Leben schwer machten.
  2. Die Lehrer dieser Zeit verfügten offenbar auch nicht alle über die nötige Autorität, um mit solchen Schülern souverän umgehen zu können
  3. Es gab offenbar auch im Schulsystem der Busch-Zeit einen Lehrermangel, denn eine geeignete Vertretung für einen erkrankten Lehrer scheint nicht der Normalfall gewesen zu sein. Weiterlesen →

Gier

März 21, 2009 Kategorie: Gesellschaft |

Wenn die Ökonomie das ist, was sich in den Kategorien „nützlich“ und „schädlich“ ausdrücken lässt und Ethik all das umfasst, was sich in den Kategorien „gut“ und „böse“ ausdrücken lässt, dann markiert der Begriff „Gier“ offenbar einen Berührungspunkt zwischen dem Ökonomischen und dem Ethischen. Aber kann es solche Berührungspunkte überhaupt geben? Ist nicht jedes ökonomisch nützliche Verhalten – je nach Perspektive, je nach Zeithorizont – mal ethisch gut und mal verwerflich? Sollte man deshalb nicht ökonomische s und ethisches säuberlich trennen um nicht in heillose Argumentationsschwierigkeiten angesichts der Komplexität der wirklichen Zusammenhänge zu geraten?

 

Der Sinn solcher Überlegungen, das Ziel der richtigen Einordnung eines Begriffes wie „Gier“ ist, herauszufinden, unter welchen Bedingungen wir uns wirklich gegen Gier zur Wehr setzen müssen, was wir tun müssen, damit Gier nicht unser Leben gefährdet. Wenn Gier ein ökonomisches Phänomen ist, dann muss sie ökonomisch bekämpft werden, dann kann man ökonomische Instrumente, die Gier befördern, verbieten oder bekämpfen, ist es ein moralisches Problem, dann kann es mit moralischem Druck und ethischer Bildung angegangen werden. Weiterlesen →


Das Kinder-Rätsel

März 19, 2009 Kategorie: Gesellschaft |

Zu den größten Rätseln der modernen westlichen Gesellschaft gehört es, dass überhaupt noch Kinder geboren werden. Früher, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, sprachen biologische, kulturelle und rationale Gründe für das Kinderkriegen. Heute, 100 Jahre später, ist davon quasi nichts mehr übrig geblieben.

Vor 100 Jahren hätten die Menschen ganz auf Sex verzichten müssen, um sicher vermeiden zu können, dass Kinder gezeugt werden. Das wusste die Natur jedoch zu verhindern. Heute gibt es eine ganze Vielzahl von Möglichkeiten, zu entscheiden, ob eine Frau sich dem Risiko, schwanger zu werden, überhaupt aussetzen möchte.

Aber vor 100 Jahren stellte sich auch niemand diese Frage. Es war ganz selbstverständlich, dass sich junge Männer und Frauen spätestens mit 20 Jahren zusammen taten, um eine Familie zu gründen. Es war keine Entscheidung nötig, kulturelle Prägung, Tradition, machte es zu einer nicht hinterfragten Selbstverständlichkeit. Weiterlesen →


Carl Schmitt und der Begriff des Politischen

März 19, 2009 Kategorie: Philosophie |

Politiker unterlassen, was wir von ihnen erwarten, oder sie mischen sich in Dinge ein, von denen sie lieber die Finger lassen sollten. Aber was ist eigentlich das Politische? Was unterschedet es vom Ökonomischen, vom Kulturellen, vom Ethischen und vom Religiösen? Carl Schmitt hat schon 1932 dazu einen interessanten Text geschrieben. Um diesen Text geht es im aktuellen philosophischen Podcast. Weiterlesen →