Jörg Friedrich


Archive for the ‘Philosophie’

Habermas und Ratzinger im Kampf der Kulturen

Januar 16, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Philosophie | 11 Comments →

Es ist fast auf den Tag genau fünf Jahre her, da trafen sich die beiden alten Herren der deutschen intellektuellen Szene zu einem Gespräch zum Thema Dialektik der Säkularisierung: Über Vernunft und Religion. Die beiden Hauptvorträge sind inzwischen in einem kleinen schmalen Buch veröffentlicht, Ratzinger ist natürlich sehr klar zu verstehen, aber auch Habermas‘ Gedanken lässt sich recht gut folgen.

Das Thema ist noch immer äußerst spannend, die Frage, die an jenem Abend aufgeworfen wurde, noch immer nicht geklärt: Braucht die Demokratie mehr als sich selbst, um sich zu erhalten? Und wenn ja, wie werden diese Grundlagen gesichert? (weiterlesen …)

Ein Gleichnis

Januar 03, 2009 By: Jörg Category: Philosophie | 3 Comments →

Einer Gruppe von Mathematik-Studenten wird ein Stapel Texte aus einem Internet-Literatur-Forum vorgelegt. Ihnen wird die Aufgabe gestellt, diese nach einem selbst ermittelten Kriterium in zwei Kategorien einzuteilen.

Der erste Student untersucht die Textlänge. Er stellt fest, dass es eine Häufung bei ca. 300 Zeichen und eine bei ca. 5000 Zeichen gibt und unterteilt deshalb die Texte in
1. Texte mit weniger als 1000 Zeichen
2. Texte mit mehr als 1000 Zeichen
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Urteil und Vorurteil

Dezember 23, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | 14 Comments →

So wie mein Eingenommensein zu meinem Urteil gehört, so gehört mein Voreingenommensein zu meinem Vorurteil, und so wenig mich Voreingenommenheit zu einem Urteil führen kann, kann das Vorurteil vor meinem Eingenommensein bestehen.

Am Berg

Dezember 22, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Philosophie | No Comments →

Auf kargem Kies verteilt sich Überfluss,
Gesplissen wächst aus scharfen Rissen Tand
Und fädelt sich wie Adern dann am Schluss
In abgenutzten Fels am Gletscherrand.

Schwaches Sprießen siehst du kaum,
Blick streift nur den Samenflaum,
Schnell vorbei,
Einerlei,
Sicher greift der Fuß den Raum.

Ein langes Wehen gräbt in spröden Firn
Die kalten Falten, hart wie Diamant.
Das Eis erhebt sich: eine blanke Stirn
Wird überragt vom steilen Felsenband.

Eisen schlägt in den Kristall
Gläsern splittert Eis im Fall.
Trifft das Beil,
Hält das Seil!
Abgrund siehst du überall.

Die Haut des Berges ist vom Wetter wund
An ihren Poren schimmert grüner Glanz.
Die Säulen aus gefurchtem Stein im Rund:
Wie Heilige, erstarrt im letzten Tanz.

Finger greifen in den Spalt,
Fuß sucht an den Platten halt.
Auf dem Turm
Trifft der Sturm
Dich mit plötzlicher Gewalt.

Gibt es Wetterfronten?

Dezember 19, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | No Comments →

Die Frage, ob es Wetterfronten gibt, mag seltsam anmuten. Morgens spricht der Meteorologe im Radio über die Kaltfront, die über uns am Nachmittag hinwegziehen soll, und nachmittags gibt es dann Schauer, Wind, und es wird kalt. Im Internet können wir beobachten, dass dieses schlechte Wetter sich wie ein Band über das Land legt und von Westen nach Osten über uns hinwegzieht.

 

Die Wetterfronten sollen hier als Beispiel genommen werden, weil wir sie täglich erleben und damit selbstverständlich umgehen. Wissenschaftler versuchen oft, die Realität von Dingen, die uns selbstverständlich erscheinen, hinwegzutheoretisieren. Andererseits behaupten sie die Existenz von Dingen, die wir nicht sehen, um uns das erklären zu können, was wir wahrnehmen. Auf die Wetterfronten trifft eigentlich beides zu, das macht sie interessant. (weiterlesen …)

Sprechen wir über Begriffe

Dezember 01, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | 10 Comments →

Wie bringen wir Kindern den Sinn von Begriffen bei? Zunächst, indem wir ihnen Gegenstände zeigen und den Begriff dazu nennen. Dabei gibt es Begriffe, die nur für einen Gegenstand verwendet werden (Mama, Tante Marta,…) und solche, die auf ganz unterschiedliche Gegenstände passen (Spielzeug). Die erste Sorte interessiert uns hier nicht weiter, interessant ist die zweite Art von Begriffen. Die allermeisten Begriffe haben wir durch zeigen von Gegenständen und durch das Ausprobieren der richtigen Verwendung gelernt. Dabei lernen wir den Begriff im Allgemeinen nicht nur in seinem sprachlichen Gebrauch, sondern in der Verbindung zwischen praktischem und sprachlichem Gebrauch. Wenn das Kind mit einem Gegenstand spielt, dann wird die Mutter diesen Gegenstand vielleicht auch als „Spielzeug“ bezeichnen, oder sie wird dem Kind das Spielen mit diesem Gegenstand untersagen und dazu die Worte verwenden „Das ist kein Spielzeug!“

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Die Lücke

November 24, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | 5 Comments →

Mit zunehmendem Erfolg bemühen sich die Wissenschaftler, die sich die Erforschung der Geschehnisse in der Atmosphäre auf die Fahnen geschrieben haben, das Wetter der nächsten Tage vorherzusagen. Tatsächlich gelingt ihnen das, wie uns der tägliche Wetterbericht zeigt, immer genauer. Die Meteorologen haben in der vergangenen Woche z.B. schon am Wochenanfang den Wintereinbruch für Freitag recht genau vorhergesagt.

 

Sollten wir daraus nicht schlussfolgern können, dass auch die Vorhersage der langfristigen klimatischen Trends immer besser und genauer werden muss? Schließlich ist Klima nichts anderes als mittleres Wetter, um es einmal etwas locker zu formulieren. Und wenn die Vorhersage genauer Wetterentwicklungen immer besser wird, dann sollte doch die Prognose von Mittelwerten erst recht immer einfacher werden?

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Was ist Zukunft?

November 18, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | 16 Comments →

Wenn ich gar keine Vorstellungen darüber hätte, was demnächst passiert, könnte ich kaum handeln. Beipielsweise werde ich heute abend einen Vortrag besuchen, ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Veranstaltung stattfinden wird, ich werde also aufs Rad steigen und zur Universität fahren um einem aus Bonn angereisten Philosophen zu lauschen.

Zu sagen, dass ich in Zukunft einem Philosophen aus Bonn bei einem Vortrag zuhören werde, klingt irgendwie unpassend, auch wenn diese Veranstaltung von jetzt aus gesehen „in der Zukunft liegt“.

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Wann ist Wissenschaft?

Oktober 30, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | 9 Comments →

Die meisten Menschen halten große Stücke auf die Wissenschaft und das wissenschaftliche Vorgehen. Die großen Fortschritte in der Lebensqualität der Menschen über die letzten 100-200 Jahre wenigstens in dem Teil der Welt, aus denen auch die meisten wissenschaftlichen Erfolgsmeldungen stammen erwecken den Eindruck, dass die Wissenschaft eine großartige Kulturtechnik ist, die uns laufend Gesundheit, Reichtum und Freiheit in immer größerem Ausmaß bringt.

Beim genaueren Hinsehen fragt man sich nicht nur, ob die Auswirkungen der Wissenschaft angesichts von Atombomben, Giftmüll-Katastrophen, Finanzmarktkrisen, Allergien und globaler Erwärmung per Saldo nicht zumindest ein Null-Summen-Spiel sind, man bekommt auch Zweifel daran, dass wirklich die Wissenschaft der große Segensbringer für die Menschheit sind oder ob es nicht vielleicht andere, ältere Kulturtechniken sind, die uns ein immer besseres Leben bringen, vielleicht sogar, ohne jene Gefahren heraufzubeschwören, die die Anmaßung von Wissen (Hayek) mit sich bringt.

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Trau keiner Wissenschaft

Oktober 22, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | 7 Comments →

„Wie die Gesetze der Physik lügen“ beschrieb Nancy Cartwright vor genau 25 Jahren. Ihre Kritik an Wissenschaften und wissenschaftlichen Theorien ist sicherlich nicht nur auf die Parade-Wissensachft Physik zu beziehen, vielmehr ist klar, dass eine grundlegende und umfassende Kritik an der wissenschaftlichsten aller Wissenschaften jeden Glauben an die Autorität der Wissenschaften mit in den Abgrund reißen würde.

Der Ruf der Wissenschaften und der Glaube an den Erfolg ihrer rationalen Methode scheint aber unerschütterlich. Noch vor wenigen Tagen hörte ich in einer Gesprächsrunde von Wissenschaftstheoretikern den Satz, dass der Erfolg der Wissenschaften unabweislich sei und nicht infrage stünde. Und diesem Satz wurde nich widersprochen. (weiterlesen …)