Jörg Friedrich


Archive for the ‘Münster’

Reiseruf

Dezember 29, 2008 By: Jörg Category: Münster, Privates | No Comments →

Die braunen Tulpenblätter fallen wieder
In hohes Gras, und dichter wird das Laub.
Auf trocknes Holz legt sich der Blütenstaub,
Vor dunklen Sträuchern steht schon weißer Flieder.

Bald werden sie zu einer grünen Mauer,
Dann wird die Hitze überm Garten stehn.
Die Farben werden kommen, werden gehn,
Die schönen Stunden sind von kurzer Dauer.

Soll ich nun all das noch einmal bestaunen,
Auch dieses Jahr so wie im Jahr zuvor.
Und soll ich noch einmal der Dinge harren,

Schon lange lockt mich dieses leisen Raunen,
Ruft mich hinaus, zur Straße, vor das Tor,
Zum Aufbruch in das fremde Land der Narren.

Leise nieselt’s – oh weh

Dezember 24, 2008 By: Jörg Category: Münster | No Comments →

Leise nieselt’s – oh weh
Still liegt Nebel am See
Und feuchter Matsch liegt im Wald -
Freue Dich – Weihnacht kommt bald

Im Dezember wird’s warm
Schneeschuh könnt ihr euch spar‘n
Hört nur wie lieblich es schalt
Wenn Regen auf’s Fensterbrett knallt.

In der heiligen Nacht
Finst‘re stürmische Pracht
bringt Schauer und Wind uns geballt
Freue Dich – Weihnacht kommt bald

Münsters Musikhalle: Ist Großes möglich?

April 23, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Münster | No Comments →

Welche großen kulturellen Meisterwerke sind unter Bedingungen einer funktionierenden Demokratie entstanden? Soweit ihre Erstellung teuer ist, wie bei Architektur, die zudem noch nicht zu ignorieren im öffentlichen Raum stehen, ist die Zahl wohl gering.

Das Schloss, vor dem am Sonntag das Carmina-Burana-Konzert der Musikhallen-Befürworter stattfand, wäre in einer modernen demokratischen gesellschaft vielleicht nie gebaut worden. Der Massengeschmack hätte rebelliert, ein Bürgerentscheid hätte es verhindert.
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Münsters Musikhalle: Du bist die Elite.

April 22, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Münster | 4 Comments →

Elite ist ein merkwürdiger Begriff. Er ist Lob und Verurteilung zugleich. Elite steht für große Leistung, für Besonderes, aber auch für Abgrenzung, für fehlende Kommunikation mit den anderen.
Die Gegner der Musikhalle in Münster behaupteten unter anderem, diese Haus sei nur etwas für die Eliten, und wenn sie so eine Halle haben wollten, sollten sie sich diesen Wunsch auch selbst finanzieren.
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Diese Woche im Blog: Münsters Musikhalle

April 21, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Münster | No Comments →

Am Sonntag dieser Woche wird in Münster abgestimmt: Die Bürger der Stadt sind aufgerufen zu entscheiden, ob sich die Stadt mit 12 Mio. € an den Baukosten für eine Kultur- und Kongresshalle beteiligen soll. Aus diesem Grund gibt es in diesem Blog jeden Tag einen Beitrag zum Thema.
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Schwänin Petra und Verwandte

März 20, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Münster | 1 Comment →

Man darf eigentlich als aktiver Blogger aus Münster in diesen Tagen zum Thema Schwanenliebe (Petra und das weiße Tretboot) nicht schweigen, auch wenn man sich sonst zu lokalen Themen eher nicht äußert. Die Liebe der schwarzen Schwänin zu dem schwanenförmigen Tretboot auf dem münsterschen Aasee ist auch keine lokale Angelegenheit, ebensowenig wie Eisbär Knut nur die Berliner oder Eisbärin Flocke nur die Stuttgarter etwas anging.

Wenn gestern die Meldung, dass es zwischen Petra und dem Tretboot aus ist, unter den Top Ten der Google News stand, wenn ich bei einem Geschäftsessen nahe Bremen auf diese Tatsache Angesprochen werde, wenn heute morgen im Radio zu Ehren der verflossenen Schwanen-Liebe „Es ist vorbei -ei -ei …“ gesungen wird, dann muss ein Blogger zugeben, dass er in der Stadt seine Artikel schreibt, in der sich anderthalb Jahre lang die offenbar rührendste Liebesgeschchichte der Tierwelt abgespielt hat.
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Bürgerentscheid über Kultur und Kunst?

Januar 24, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Münster, Politik | 1 Comment →

Der Fall ist exemplarisch für den Umgang mit Kunst und Kultur in einer demokratischen Gesellschaft. Braucht die Gesellschaft Orte für „große“, für „aufwändige“ und teure Kunst? Oder sollten nur kleinere, autome, plurale Projekte gefördert werden?

In Münster soll eine Musikhalle gebaut werden. Vor dem Krieg hat es in Münster eine solche Halle gegeben, die aber nach der Zerstörung der Stadt nicht wieder aufgebaut wurde. Seit 1989 stezt sich ein Förderverein für die Errichtung einer Musikhalle auf der wohl größten deutschen innerstättischen Brachfläche ein. Ein privater Förderverein hat 18 Mio. Euro zusammengebracht, weitere 12 Mio € soll die Stadt Münster aufbringen. Am 24.10.2007 hat der Rat der Stadt Münster beschlossen, dieses Geld bereitzustellen.
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Skulp-Tour-isten

August 04, 2007 By: Jörg Category: Münster | No Comments →

Zuerst waren da 34 Baustellen im ganzen Stadtgebiet, dann waren es 34 Skulptur-Projekte. Nun sind die Touristen über Münster gekommen…

Das Interessanteste an der Ausstellung sind nicht die Projekte selbst, sondern die, welche sie besichtigen: die Skulp-T(o)ur-Isten. Meistens sitzen sie, wie es sich für Münster gehört, auf dem Fahrrad und halten einen Faltplan in der Hand. Der suchende Blick, der zwischen Plan und umgebender Architektur hin und her flackert, gehört ebenfalls zu den untrüglichen Erkennungsmerkmalen des Skulp-T(o)ur-Isten.

Dabei erkennt der Suchende vor allem am massenhaften Auftreten von Seinesgleichen, dass er sein Ziel erreicht hat. Er stellt das Rad beseite und beginnt mit der Betrachtung des jeweiligen Kunstewerks. Er umschleicht es zunächst, dabei prüfende Blicke auf die Umstehenden werfend („Bin ich der einzige hier, der das nicht kapiert?“). Sodann kniet er nieder, um die Sache aus der Kinderperspektive zu betrachten, streckt sich, um einen Über-Blick zu bekommen. Der Gesichtsausdruck schwankt immer schneller zwischen ernst-verstört und belustigt-spöttisch.

Sodann sucht der Skulp-T(o)ur-Ist Rat in den mitgeführten Unterlagen. Nur selten wird sein Blick nun vom Lichte der Erkenntnis erhellt. Schließlich greift der Skulp-T(o)ur-Ist zum Fotoapparat und schießt ein Erinnerungs-Bild, darauf bedacht, weitere Skulp-T(o)ur-Isten nahe beim Kunstwerk mit auf sein Foto zu bannen, dokumentiert doch deren Gesichtsausdruck das gleiche Unverständnis wie das, was er selbst empfindet.

Sodann schwingt der Skulp-T(o)ur-Ist sich wieder aufs Rad – nicht, ohne einen Blick auf sein Faltblatt geworfen zu haben, auf dem er den Or der nächsten Skulptur schon ausgemacht hat.

Send und Klimawandel

März 16, 2007 By: Jörg Category: Münster | 2 Comments →

Kaum war ein Sendtag regenfrei, meint 50hz, dass ein Beweis für den Klimawandel erbracht ist: Schließlich regnet’s immer in Münster, wenn Send ist, und das seit Jahrtausenden!

Als ich das heute morgen las, konnte ich noch lachen: der Send ist noch nicht vorbei und für morgen und Sonntag (wenn zum Regnen in Münster bekanntlich das Glockenläuten kommt) war Regen angekündigt. Doch nun werde ich stutzig: Die aktuelle Prognose zeigt keinen Regen mehr!

Die Klimakatastrophe ist da: Eintritt exakt zum Fühjahrssend 2007!

Münster, Dom

Januar 05, 2007 By: Jörg Category: Gesellschaft, Münster | No Comments →

Man betritt den Dom in Münster durch das Paradies. Das Hauptportal wurde nicht wieder hergestellt während des Wiederaufbaus der Bauwerks, welches bei den schweren Bombenangriffen des zweiten Weltkrieges völlig zerstört worden war. Ich hatte nicht gewusst, bevor ich nach Münster kam, dass ein solcher Vorbau, eine seitliche Eingangshalle Paradies genannt wird, und ich weiß bis heute nicht, warum das so ist.

Viele Geschichten könnten in dieser Vorhalle ihren Anfang nehmen, je nachdem, in welche Richtung sich der Betrachter wendet, wo er verweilt. Betritt er jedoch zügigen Schrittes den Dom, um sich dann direkt nach rechts zu wenden, durchmisst er, ohne zu verweilen, das gewaltige Haupthaus, lässt er den Altar und die Astronomische Uhr links liegen, dann gelangt er zu den Galenschen Kapellen und dort endlich zu einer schlichten, metallenen Platte in der er die Worte verewigt findet:

„Du sollst Gott mehr gehorchen als den Menschen“

Diese Worte werden hier im Münsteraner Dom mit einem Manne in Verbindung gebrach, dessen Gestalt überlebensgroß mit mahnender Geste den Dompatz dominiert: Kardinal von Galen, Bischof von Münster zu Zeiten der Nazi-Herrschaft. Aber er hat sie nicht erdacht, ha dies sicherlich auch nie für sich reklamiert. Sie finden sich in der Apostelgeschichte (5,29), Petrus spricht sie zu den Jüngern als sie von den Herrschenden aufgefordert werden, Jesus zu verleugnen.

Der Satz findet sich in den Jahrhunderten der christlichen Tradition immer wieder. So verwendet sie z.B. der Maler Caspar David Friedrich als Einleitung in einem Text, in welchem er über seine Kunst, über die Wurzeln und Ziele seines Werkes sinniert.

Was ist Gott, was ist der Glaube für den gläubigen Menschen?

Es ist wohl das Wissen um etwas Wahres und Gutes, welches unabhängig ist von den menschlichen Mächten, die den Einzelnen bedrohen und beherrschen. Es ist das tief im Innern mahnende Wissen, welches ihm sagt, dass da etwas nicht richtig sein kann, was mir der Mächtige als richtig einreden will, und sei es im Namen Gottes, sei es im Namen irgendeiner Idee oder einer Ideologie.

Als von Galen den Satz aus der Apostelgeschichte beschwor, beschwor er die Menschen auf ihre innere menschlich Stimme mehr zu hören als auf die lauten Tiraden aus den Megafonen. Als ich selbst diesen Satz, hier im Münsteraner Dom, das erste Mal las, waren gerade 5 Jahre seit dem Untergang der letzten ideologisch begründeten Diktatur, in der ich aufgewachsen war, vergangen. Er berührte mich tief.

Wir leben nun in Deutschland in einer Zeit, in der es keine Mächtigen mehr gibt. Jeder, der heute Macht ausübt, hat diese nur auf Zeit. Das ist ein Glück, aber reicht das aus? Können wir achtlos über die Messingplatte im Dom hinweggehen? Natürlich ist es gut, dass die Macht der Mächtigen dahin ist. Aber noch immer gibt natürlich es Menschen die ihre Macht, sei es ihre ökonomische, ihre geliehene politische oder ihre rhetorische Macht, nutzen, um unsere tiefe innere Stimme zu übertönen. Sie sitzen nicht nur in Konzernzentralen und Regierungsgebäuden, es sind auch die Gewerkschaftsfunktionäre, die Medienmultis und die Pseudoexperten an den Mikrofonen.

Die innere Stimme ist leise in diesem Geschrei. Sie nur zu hören, kostet schon Kraft. Ihr zu trauen, ihr zu folgen, braucht immer noch Mut.