Jörg Friedrich


Archive for the ‘Kultur’

Wieder lesen

Dezember 18, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 2 Comments →

„Jedes Mal, wenn wir ein Buch lesen,“ schrieb Jorge Luis Borges in seinem Essay, „hat sich das Buch verändert, das Beziehungsgefüge der Wörter ist ein anderes… Wenn wir ein altes Buch lesen, so ist es, als läsen wir die gesamte Zeit, die seit dem Tag seiner Niederschrift verstrichen ist.“

Es ist ein paar Wochen her, dass ein Satz, eine kurze Frage, eine Erinnerung in mir weckte, fast verschüttet schon, eine Erinnerung, nach deren Herkunft man erst suchen muss, deren Quelle sich erst allmählich zu erkennen gibt. Jemand sagte „Verstehst du das, Robert?“ und da weder ich noch irgendein Anwesender auf diesen Namen hörte, wurde der Satz zur Formel, die auf etwas entfernt Vertrautes verwies. (weiterlesen …)

Der Untergang der englischen Sprache

Dezember 04, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 5 Comments →

Wieder einmal ist die Frage gestellt worden, ob die deutsche Sprache nicht besser geschützt werden müsste (siehe z.B. die Beiträge von Roman Möller und bei Coffee & TV). Sie wird, so meint man, von Anglizismen überschwemmt, auch die Rechtschreibung und die Grammatik werden immer mehr der angeblich einfachen englischen Sprache angeglichen und von unserer schönen deutschen Sprache der Dichter und Denker bleibt bald nichts mehr übrig.

Tatsächlich erleben wir derzeit, dass viele englische Wörter ins Deutsche übernommen werden. Dafür gibt es viele Gründe, einer mag sein, dass die Kultur, die im Moment von vielen Menschen in unserem Land gelebt wird, durch englischsprachige Länder geprägt ist und dass mit der Annahme kultureller Aspekte auch die Übernahme von Sprachelementen einher geht. (weiterlesen …)

Tanztheater als Spiegel der Gesellschaft?

November 28, 2008 By: Jörg Category: Kultur | No Comments →

Vielleicht will das Tanztheater Münster ein Spiegel der Gesellschaft sein, vielleicht gestalten die Tänzerinnen und Tänzer um Daniel Goldin ihre Rollen so, wie sie ihr Leben sehen.
Sie sind jung, sie sind sportlich, sie sehen gut aus – und sie sind allein.
Auch wenn es Momente gibt während der anderthalbstündigen Aufführung, in denen alle acht Mitwirkenden auf der Bühne sind und ein buntes Durcheinander vortäuschen, ist jeder von ihnen offenbar allein, mit sich beschäftigt, und kaum auf das bezogen, was die anderen tun. Nur kurz kommt es zu gemeinsamen Bewegungen von zwei oder drei Personen, ein Gleichklang, der kurz sichtbar wird, um nach Sekunden wieder zu zerfallen.
Und wenn tatsächlich einmal ein Paar sich findet, dann fragt sich der Zuschauer, ob die Bewegungen zuneigend oder anstoßend sind, ob da Annäherung oder Distanzierung passiert. Berührungen gibt es kaum, Liebkosungen bleiben auf Abstand. Sehnsucht nach Nähe wird von der Angst vor dem unbekannten Anderen in Schach gehalten.
Ballett, das war früher Paartanz und synchrone Gruppenbewegung. Im heutigen Tanztheater ist das unmöglich geworden.

Drei Mal Gemetzel

November 26, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 4 Comments →

Manche sehen sich drei Mal den gleichen Film an, einige gehen immer wieder in das aktuelle Konzert ihres Lieblingskünstlers. Trotzdem war es ein ungewöhnliches Projekt, drei Mal innerhalb von wenigen Monaten an verschieden Orten Inszenierung des gleichen Theaterstückes anzusehen.

Drei Mal, das ist aus verschiedenen Gründen in diesem Fall aber eine naheliegende Idee: Vor wenigen Jahren zeigten die Städtischen Bühnen Münster das Stück „Drei Mal Leben“ der französischen Autorin Yasmina Reza, in dem das gleiche Treffen zweier Ehepaare in drei verschiedenen Versionen durchgespielt wurde. In Rezas aktuellem Stück „Der Gott des Gemetzels“ treffen sich auch zwei Ehepaare, allerdings gibt es nur eine Version des Gemetzels, das angerichtet werden kann, wenn „zivilisierte Menschen“ die Beherrschung verlieren und die Masken fallen lassen.

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Elke Heidenreich will nicht mehr „Lesen!“

Oktober 24, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft, Kultur | 1 Comment →

„Schmeißt mich doch raus!“ hatte sie in der FAZ geschrieben, und das ZDF ist dieser Bitte nun nachgekommen. Eigentlich überraschend und genau genommen ein Zeichen dafür, dass Elke Heidenreich mit ihrem Angriff aufs Fernsehen wohl doch unrecht hatte. Denn die Art, wie Frau Heidenreich ihren Zuschauern alle paar Wochen ein paar Bücher auf den Tisch warf, verbunden mit dem Befehl „Lesen!“, der sich schon im Titel der Sendung unmissverständlich bemerkbar machte, passte recht gut zu dem Stil von Fernsehprogramm, den Marcel Reich-Ranicki in seiner Kritik diagnostiziert hatte. (weiterlesen …)

Uros, Quechua und die weite Welt

August 07, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 1 Comment →

In Peru ergeht an Touristen die dringende Bitte, bettelnden Kindern nichts zu geben. Kinder, die mit Betteln erfolgreich sind, gehen nicht zur Schule. Und dass jedes Kind die Schule besucht, ist eines der obersten Ziele peruanischer Politik.

Deshalb gibt es in Peru inzwischen in jedem Dorf, so abgelegen es sein mag, eine moderne Grundschule, in der ein anspruchsvoller Lehrplan vermittelt wird: Spanische Sprache (die Eltern sprechen oft nur die lokalen Sprachen wie Quechua) vom ersten Tag an, Mathematik, Biologie, Geographie,… Nach Abschluss dieser Grundschule besuchen die Kinder eine weiterführende Schule, die oft ein paar Dörfer entfernt oder in der nächsten größeren Stadt ist.
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Hochkultur oder Sackgasse?

August 06, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 2 Comments →

Wir reisen an entfernte Orte dieser Erde, um die Reste vergangener Kulturen zu besichtigen. Staunend stehen wir vor gigantischen Bauten aus Stein, ob in Ägypten oder in Peru, wir begeistern uns für die Hinterlassenschaften untergegangener Völker, wir fragen uns, wie ihnen dieser oder jener Bau überhaupt gelingen konnte.

Schnell finden wir den Begriff der Hochkultur für die Bezeichnung von Gesellschaften, von denen nur noch die Bauwerke, nicht aber die Werkzeuge und Verfahren erhalten sind. Dabei wäre das, was jene schufen, für uns heutige ein Kinderspiel. (weiterlesen …)

Tschingis Aitmatov ist tot

Juni 11, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 1 Comment →

Nun sprechen wieder alle über Djamila, die Erzählung, die ein anderer Schriftsteller einmal „eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt“ genannt hat. Dabei ist diese Erzählung, auch wenn sie der jungen Aitmatov weltberühmt gemacht haben mag, ein ganz untypisches Werk für den Kirgisen, eher eine Ausnahme in seinem Schaffen.
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Albert Hofmann starb mit 102 Jahren

April 30, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft, Kultur, Philosophie | 1 Comment →

Albert Hofmann, der „Erfinder“ von LSD, ist tot. Er starb mit 102 Jahren in Basel. Seine große wissenschaftliche Leistung, die gleichzeitig Voraussetzung für eine enorme Drogenkonsum-Welle vor allem in den 1960ern und 1970er war, hat er um 70 Jahre überlebt.
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Münsters Musikhalle: Für alle

April 25, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 2 Comments →

In Münster musste – wie in anderen Städten auch – gespart werden. Überall wurde der Rotstift angesetzt, wo bisher städtische Gelder hinflossen. Diese Tatsache nutzen die Musikhallengegner, um einen Gegensatz zu konstruieren: Bei den kleinen wird gekürzt, damit die Großen ihre Halle bekommen.

Allerdings kann man die Sache ja auch ganz anders sehen. Natürlich wird überall gespart, auch, damit sich die Stadt eine Zukunfts-Investition wie die Musikhalle leisten kann. So leistet jeder seinen Beitrag zu diesem großen gemeinsamen Projekt.
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