Jörg Friedrich


Archive for the ‘Kultur’

Buddenbrooks im Kino

Januar 20, 2009 By: Jörg Category: Kultur | 1 Comment →

Es ist schon erstaunlich: Während man schon im Kinosessel sitzt und auf den Beginn der Literaturverfilmung „Buddenbrooks“ läuft die Vorankündigung von „Effi Briest“. Haben die Filmemacher die großen deutschen Stoffe entdeckt? Wann kommt „Das Glasperlenspiel“ ins Kino, wann ist mit „Homo Faber“ zu rechnen? (weiterlesen …)

Habermas und Ratzinger im Kampf der Kulturen

Januar 16, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Philosophie | 11 Comments →

Es ist fast auf den Tag genau fünf Jahre her, da trafen sich die beiden alten Herren der deutschen intellektuellen Szene zu einem Gespräch zum Thema Dialektik der Säkularisierung: Über Vernunft und Religion. Die beiden Hauptvorträge sind inzwischen in einem kleinen schmalen Buch veröffentlicht, Ratzinger ist natürlich sehr klar zu verstehen, aber auch Habermas‘ Gedanken lässt sich recht gut folgen.

Das Thema ist noch immer äußerst spannend, die Frage, die an jenem Abend aufgeworfen wurde, noch immer nicht geklärt: Braucht die Demokratie mehr als sich selbst, um sich zu erhalten? Und wenn ja, wie werden diese Grundlagen gesichert? (weiterlesen …)

Was ist’s?

Januar 05, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Privates | No Comments →

Die Prosa kurz ist manchesmal
Und Lyrik wird mir lang.
Du Autor nur triffst deine Wahl
ganz selten ist dir bang,

Beschreibst die Landschaft blütenreich,
in kurzen knappen Sätzen.
Lässt röhren auch den Hirsch am Teich!
Gelehrte das nicht schätzen.

Sie schreien „ist das ein Gedicht?
Ist Kitsch das, ist es ernst?“
Sie sitzen lang noch zu Gericht
Wann du dich leis entfernst.

So, und damit ist die Weihnachtspause beendet. Ab morgen wird es hier wieder ernst, unprosaisch und unlyrisch.

Blatt im Herbst

Januar 04, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Privates | 1 Comment →

Am langen Zweig hat es noch Halt,
Doch schon verliert es seinen Glanz,
Und bald vergeht das Leuchten ganz,
Es krümmt sich so, als wär ihm kalt.

Nun löst es sich und fällt ein Stück.
Doch plötzlich dreht es sich zur Seite
Und wendet sich einmal zurück,
Dann treibt es endlich in die Weite.

Ein wenig schwankt’s bei diesem Spiel
Es taumelt, torkelt immer wieder,
Schießt Purzelbäume, zittert viel,
Sinkt schließlich doch zum Boden nieder.

Nun liegt es still auf andrem Laub,
Und spröde wird es, trocknet aus,
Die Adern treten hart heraus,
Und dann zerfällt es, wird zu Staub.

Februartag

Januar 02, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Privates | No Comments →

Die Farben meiner Bilder sind verblichen
Von Staub bedeckt, vom Rauch des Ofens matt.
Das Leuchten ist dem stumpfen Grau gewichen,
Das sich auf alles legt, was nur Geschichte hat.

Ich löse das Papier aus seinem Rahmen
Und trenne Leinwand vom gespannten Holz.
Noch schneller, als die Eitelkeiten kamen
Frisst jetzt das Feuer den vergangnen Stolz.

Öl tropft zu Boden, mürbe Asche fällt.
Rauch schwärzt die weißen Flecken an der Wand
Und treibt mir Tränen über das Gesicht.

Ich reiß den Stoff weg, der den Blick verstellt
Auf kalten Nebel über blassem Land
Durchs Fenster scheint ein schwaches, fernes Licht.

White Out

Dezember 31, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Privates | No Comments →

Das Nebelgrau zerfließt in blassem Blau
Des Eises unter harschem Schnee. Und nur
Gedämpft hör ich den Schritt, die Spur
Bleibt wohl zurück – ein Schatten – ungenau.

Auf diesem harten Boden gehe ich
Dahin, wo ich bis heute noch nicht war.
Die Gegend ändert sich nicht übers Jahr.
Die matten Töne wiederholen sich.

Soweit der Stock reicht, ritze ich ins Weiß
Hellgraue Linien, weise mir den Weg.
Die eignen Zeichen werden mir zum Steg
Durch nasse Kälte und durch raues Eis.

Nicht umsehen

Dezember 28, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Privates | No Comments →

Du musst nur immer weiter geradeaus laufen ohne dich umzusehen, dann wirst du irgendwann einen Punkt erreichen, von dem aus es kein Zurück gibt. Ulrike hatte den Satz im Traum gehört, in einem Traum in dem sie aus dem Haus getreten war, sich auf der Straße nach links gewendet hatte, sie war ganz gemächlich gegangen, geschlendert fast, die Häuser blieben hinter ihr zurück, die Straße wurde zu einer Allee, alte freundliche Bäume zu beiden Seiten, dann zur Landstraße, später zu einem Feldweg, der sich auf einer unendlichen Wiese verlor. Überall war nichts als das Grün in allen Variationen zwischen gelb und blau, darüber der Himmel wie ein Dom, in dessen Mitte sie stand.

Sie hatte sich ausgestreckt auf dieser grenzenlosen Ebene, hatte die Wärme des Bodens aufgenommen.

Dann war sie aufgewacht. (weiterlesen …)

Vater stirbt

Dezember 26, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 2 Comments →

Die Stille stand da wie eine Wand, als Ulrike das Elternhaus betrat. Welch eine Kraft kostete es, durch die Diele zu gehen, die Tür zu dem Zimmer zu öffnen, in dem das Bett stand, hinzusehen, ein Wort zu sagen, zu lächeln, mit den Fingern über die harte Stirn zu streichen, die weiße Hand zu nehmen.
Mutter saß links, daneben stand der Stuhl für Ulrike bereit. Wie oft hatten sie so gesessen in den letzten Monaten? Im Frühjahr hatten sie noch gesprochen, über die Arbeit, über das Wetter, über den Garten. Vater hatte zugehört, manchmal gelächelt. Seit dem Sommer hatte er nur noch an die Decke gestarrt, Ulrike hatte fast immer schweigend neben der Mutter gesessen. (weiterlesen …)

Der Blaue Fluss

Dezember 25, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 2 Comments →

Der Blaue Fluss entsprang irgendwo ganz oben in den kalten Bergen und kam als kristallklarer Strom in das Tal. Vor langer Zeit hatten die Indianer sich entlang des Flusses in fünf Dörfern angesiedelt. Jedes Dorf hatte seinen eigenen Häuptling, aber sie lebten friedlich und glücklich in diesem Tal, welches das Grüne Tal genannt wurde, wegen der vielen Pflanzen und Bäume, die das ganze Jahr dort wuchsen. Sie fingen Lachse und bauten Mais an, und was in dem einen Dorf knapp war, gab es in dem anderen zur Genüge und durch gerechten Tausch gab es überall von allem genug.

Die Indianer am blauen Fluss wussten, dass weiter oben in den Bergen ein anderer Stamm seine Dörfer hatte. Aber nur selten ging einer von ihnen dort hinauf, und nur selten ließ sich jemand von dort bei ihnen sehen. (weiterlesen …)

Am Berg

Dezember 22, 2008 By: Jörg Category: Kultur, Philosophie | No Comments →

Auf kargem Kies verteilt sich Überfluss,
Gesplissen wächst aus scharfen Rissen Tand
Und fädelt sich wie Adern dann am Schluss
In abgenutzten Fels am Gletscherrand.

Schwaches Sprießen siehst du kaum,
Blick streift nur den Samenflaum,
Schnell vorbei,
Einerlei,
Sicher greift der Fuß den Raum.

Ein langes Wehen gräbt in spröden Firn
Die kalten Falten, hart wie Diamant.
Das Eis erhebt sich: eine blanke Stirn
Wird überragt vom steilen Felsenband.

Eisen schlägt in den Kristall
Gläsern splittert Eis im Fall.
Trifft das Beil,
Hält das Seil!
Abgrund siehst du überall.

Die Haut des Berges ist vom Wetter wund
An ihren Poren schimmert grüner Glanz.
Die Säulen aus gefurchtem Stein im Rund:
Wie Heilige, erstarrt im letzten Tanz.

Finger greifen in den Spalt,
Fuß sucht an den Platten halt.
Auf dem Turm
Trifft der Sturm
Dich mit plötzlicher Gewalt.