Die Sprache, in der Gruppen von Menschen sich verständigen, gehört zu den zentralen Bestandteilen ihrer Kultur. Durch eine gemeinsame Sprache ist Verständigung, Abstimmung des Handelns und damit das gemeinsame Schaffen einer Kultur überhaupt erst möglich. Unterschiedliche Sprachen führen aber auch zur Abgrenzung von anderen Gemeinschaften. Wittgensteins berühmter Satz „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“ bringt auf den Punkt, wie sehr wir in unserem Umgang mit anderen und bei der Erschließung der Umwelt durch die Sprache begrenzt sind.
Das ist so lange unproblematisch, wie mir in der Welt nur Menschen begegnen, mit denen ich eine gemeinsame Sprache habe – und das ist ja zunächst der Normalfall: Ich lerne als Kind die Sprache meiner Eltern und die der anderen Kinder, in der Schule werde ich mit der Sprache der Lehrer vertraut gemacht, die Sprache meines Berufes lerne ich von Menschen, die mir in der Ausübung dieses Berufes begegnen. Wenn mein Handeln nur von Menschen abhängt, die die gleiche Sprache wie ich sprechen und wenn dieses Handeln nur für diese Menschen relevant ist, dann gibt es kein Problem in der Vermittlung von Handlungen und Sprache. Die Grenzen meiner Sprache sind dann auch die Grenzen der anderen, es sind die Grenzen unserer gemeinsamen Welt. (weiterlesen …)