Die Piraten und das Meer
Mit dem Internet sind erstaunlich viele Wasser-Metaphern verbunden. Es begann schon ganz früh und technisch mit dem „Port“, also dem Hafen, den man ansteuern muss, um bei einem Server anlegen zu können. Dann kam die wahrscheinlich bekannteste Metapher – das Surfen. Heute sehen wir im Netz einen Video-Stream, und man spürt direkt das Vorbeirauschen des Stromes. Neuer ist die Cloud, die Wolke, in der alles Mögliche verschwinden kann, und natürlich der Pirat. Das Internet ist ein Ozean von Daten und Informationen, auf deren Wellen wir reiten, aus denen wir Ströme abzapfen. Und dieser Ozean ist die Heimat des Piraten.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2011/12/19/die-piraten-und-das-meer/
am 19. Dezember 2011 um 20:21
der virtuelle ozean ist genau das: virtuell. genau da, wo nach herr fridrichs metapher das weite glatte meer sein müsste, auf dem hin und wieder ein schiff an unebenheiten scheitert, ist gerade nichts „ungekerbtes“, sondern unentrinnbarer, vorgegebener weg: kabel- und funkverbindungen zwischen den ports von servern und clienten. gekerbter geht nicht.
so entpuppt sich der ozean als geträumt und der pirat als träumer wie im
Kinderlied von Gerhard Schöne.
und ja, es gibt eine macht (vielleicht auch drei), die kann den traum ausschalten, wenn es in ihrem interesse ist. und solange diese macht, nämlich den traum auszuknipsen, nicht in den händen der tatsächlich möglichst liquiden träumer liegt, wird auch „liquid democracy“ der feuchte traum bleiben, der sie ist.
gelebt und gestorben
am 20. Dezember 2011 um 06:47
Lieber Krabat, das Internet ist genauso ungekerbt wie das Fließ und der Filz, auch sie bestehen aus Fäden, die durch Menschenhand und zweckgerichtet miteinander verarbeitet wurden und trozdem ist das entstehende Material richtungslos.
Die „Macht“, welche auch immer du meinst, die „den Traum ausschalten“ könnte, hat zu viele unterschiedliche Interessen und zu viele eigene Abhängigkeiten vom Betrieb des Netzes. Deshalb ist dieses Macht selbst viel virtueller als das ganze Netz.
am 20. Dezember 2011 um 12:14
krabat sitzt hier an einem rechner, unbewegt, auf dem bildschirm vor ihm wechseln bilder, manch einer mag dies für bewegung halten, und sendet und empfängt „datenpackete“ durch die kerben des internet um, u.a., sich mit herrn fridrich zu unterhalten. wären da keine kerben, könnten wir es ebenso mit flaschenpost versuchen oder mit rufen in den wind.
das der filz kein gegenargument sein kann wird herr fridrich schnell selber sehen, wenn er kurz überlegt, w a s er da vergleicht – es sei denn natürlich, er meint den gesellschaftlichen beziehungsfilz, auf dem ja auch viele „surfer“ (durchaus nicht nur der bundespräsident) unterwegs sind.
was bleibt zu sagen: das internet ist eine von anfang an hirarchisch organisierte, nach strengen algorythmen funktionierende (und also tief gekerbte) maschine, die durch ihre schiere größe geignet ist in träumenden geistern den eindruck zu erwecken, daß sie „chaotisch“ und „frei“ wäre.
chaotisch aber ist sie nur für den träumer, der seine träume von ihr füttern läßt und diese abhängigkeit für freiheit halten will.
während die virtuelle „gemeinschaft der träumer“ sich mächtig träumt, träumt, die macht wäre ihre, zerstört „die macht“, welche auch immer krabat meinen mag, häuser, schulen, krankenhäuser, menschen (träumer und nichtträumer) gesellschaften und länder, wälzt sich vergewaltigend und mordend über den erdball, schmeißt ganz unvirtuelle bomben und mästet sich am unvirtuellen blut seiner opfer. und sollte ein träumer von den schreien der opfer aufwachen flüstert sie sanft „der war böse, der wollte dich nicht träumen lassen, aber ich habe dich beschützt, nun wird alles gut. träume schön!“
gelebt und gestorben bruder träumer