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Jörg Friedrich


Wahlwerbung

25. April 2009 Kategorie: Gesellschaft, Politik |

Schwere Monate stehen uns bevor. Die ersten Wahlplakate mit grinsenden Politiker-Gesichtern sind aufgestellt und werden nun wohl durchgehend bis in den Herbst das Aussehen unserer Städte verschandeln.

Wie immer überbieten sich die Parteien darin, uns mit nichtssagenden oder unsinnigen Parolen auf die Idee zu bringen, ausgerechnet hinter ihrem Namen das Kreuz auf dem Wahlzettel zu machen. Die Europawahlen stehen zuerst an, aber die werden offenbar von allen Parteien nur dazu genutzt, kommunale oder bundespolitische Themen in unsere Köpfe zu bringen.

Ein Beispiel, welches für mich persönlich besonders deutlich zeigt, dass der Sinn einer Aussage offenbar völlig egal ist und die Richtigkeit der Behauptung niemanden interessiert, liefert im Moment die SPD mit dem Satz „Finanzhaie würden FDP wählen.“

Ehrlich gesagt, wenn ich ein Finanzhai wäre, dann würde ich nicht gerade die Partei wählen, die mir das Risiko nicht abnehmen will, die sich als einzige kritisch gegenüber Milliarden-Rettungspaketen für Banken zeigt. Wahrscheinlich würde ich SPD wählen, da wäre ich sicher, dass ich der Schaden, den ich mit meinen Geschäften anrichte, nur groß genug sein muss, damit der Staat es richtet und ich selbst ungeschoren davon käme.

Aber die Aussage zählt nicht, ich weiß. Niemand denkt über den Schwachsinn nach, der auf Wahlplakaten steht. Wichtig ist offenbar, dass man präsent ist, dass die Leute sich den Namen merken.

Und vielleicht stimmt das ja sogar. Ohne die schäbigen Papp-Wände mit den grinsenden Gesichtern wüssten wir gar nicht, dass was gewählt wird. Schon gar nicht, wenn Europawahlen dran sind. Stelle man sich vor, es ist Wahl, und keiner geht hin.

Also muss man diesen Unsinn wohl ertragen, monatelang.


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5 Kommentare to “ Wahlwerbung ”

  1. # 1 Thorsten schreibt:

    Danke! Das unterschreib ich gern.

  2. # 2 traui schreibt:

    Eigentlich müsste der Satz wenn dann auch lauten „Finanzhaie wählen FDP“ statt „würden“ … oder dürfen Finanzhaie nicht wählen?

  3. # 3 Der Hoppibär schreibt:

    Die „Finanzhaie“ gibt es ja nicht, gäbe es sie, dann würden die „Finanzhaie FDP wählen.“, vgl. auch:
    http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-41854.html#backToArticle=620977

    Wunderschön dieses Besteigen der hohen metaphorischen Ebenen, gelle?

    Die SPD kann es übrigens manchmal besser, wenn sie den politischen Gegner einfach reden lässt bspw., vgl.:
    http://fudder.de/artikel/2006/09/01/wowis-witziges-wahlkampfvideo/

  4. # 4 heinzkamke schreibt:

    In Baden-Württemberg kommt erschwerend hinzu, dass unbekannte Europawahlkandidaten mit bedingt bekannten Kommunalwahlkandidaten um die besten Pappaufstellerplätze konkurrieren…

  5. # 5 romanmoeller schreibt:

    Also bei uns in Schwerin ist am 7. Juni nicht nur Europawahl, sondern auch Kommunalwahl. Von der FDP haben wir nur 2 Plakate. Ein großes Plakat zeigt Silvana Koch-Mehrin – das macht Sinn. Dann weiß man wenigstens, das die für die Europawahl kandidiert. Dann ist der Rest der Stadt mit zahlreichen immer gleichen Plakaten der FDP in Normalgröße zugekleistert, die komplett gelb sind und lediglich die dunkelblaue Aufschrift „FDP – Stark vor Ort“ tragen.

    Das ist für mich ein weiterer Beleg für deine These. Ich kenne keinen einzigen FDP-Kommulwahlkandidaten – nicht nur daraus kann ich schließen, das die FDP zumindest bei uns in Schwerin äußerst schwach vor Ort ist. Noch peinlicher ist die NPD. Da machen die auf einem Plakat Werbung mit einer hübschen Blondine, deren Namen da nicht mit drauf steht. Und jeder fragt sich: kandidiert sie nun oder nicht? Oder wie die NPD um Erstwähler buhlt: da steht dann auf Plakaten: „Regional ist erste Wahl.“ Was hat „regional“ mit Erstwählern zu tun? Und: muß ich mir das von einer Partei sagen lassen, die sich „Die Nationalen“ nennt?

    Also – es gibt viele Ungereimtheiten – das waren nur einige Bespiele. Gott sei Dank haben wir wegen der BUGA ein Wahlwerbeverbot im Innenstadtbereich. Gut so!!!

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