Jörg Friedrich


Hartmut Mehdorn und der Erfolg

01. April 2009 Kategorie: Wirtschaft |

Hartmut Mehdorn fühlt sich schlecht behandelt: Obwohl er für 2008 das beste Ergebnis in der Geschichte der Bahn verkünden konnte, musste er in dieser Woche seinen Rückzug als Chef des Unternehmens erklären. Nie zuvor hat die Bahn so viel Umsatz erwirtschaftet, nie einen größeren Gewinn erzielt als 2008. War Mehdorn damit nicht ein erfolgreicher Manager?

Dass man erfolgreich sein kann und trotzdem für Dinge verantwortlich ist, die es erforderlich machen, einen Posten herzugeben, soll hier nicht interessieren. Denn es steht schon in Frage, ob der Mann, der die Bahn 10 Jahre lang führte, überhaupt berechtigt ist, von Erfolg zu reden.

Erfolg bemisst ein Manager nach Umsatz und Ertrag. Umsatz lässt sich zum Beispiel steigern, indem man andere Unternehmen aufkauft – damit wird deren Umsatz zum eigenen Umsatz. Wenn man sich in einer Monopolsituation befindet, kann man den Umsatz auch kurzfristig steigern, indem man die Preise erhöht – die Kunden müssen, da es keinen Wettbewerb gibt, die höheren Preise akzeptieren.

Beide Maßnamen steigern auch den Ertrag, solange die zugekauften Unternehmen selbst Ertrag erwirtschaften. Außerdem kann man natürlich den Gewinn steigern, indem man Kosten senkt, d.h., Ausgaben unterlässt, die unmittelbar vom Gewinn abgezogen werden. Dazu gehören z.B. Wartungs- und Servicekosten.

Ob das Unternehmen durch all diese Maßnamen wirklich zu einem erfolgreichen wird, kann aber erst die Zeit zeigen. Was in einem Jahr als Erfolg gefeiert wird, kann im nächsten schlimme Konsequenzen haben.

Als Bahnkunde kann man ernsthafte Zweifel daran haben, dass der von Mehdorn für seine Arbeit reklamierte Erfolg nachhaltig ist. Die InterCity-Flotte ist in einem erbärmlichen Zustand, man hat den Eindruck, dass jeden Tag aufs Neue die Waggons zusammengesucht werden, die noch beheizbar sind, die noch gebremst und beleuchtet werden können. Sitzkomfort und Einstellbarkeit der Klimaanlage sind da Attribute, nach denen man selbst in der ersten Klasse nicht mehr fragen möchte.

Hinzu kommt der offenbar kritische Wartungszustand der Triebwagen. Wer täglich Bahn fährt, ist mehrmals im Monat direkt oder indirekt von Verspätungen aufgrund von „Triebfahrzeugschäden“ betroffen.

Der Zustand des Schienennetzes zeigt sich immer dann in dramatischer Weise, wenn die Temperaturen unter den Gefrierpunkt sinken. Dann fallen Weichen und Stellwerke aus, sind ganze Streckenabschnitte nicht mehr befahrbar.

Das ist der Zustand der Betriebsausstattung des größten Beförderungsunternehmens Deutschlands am Ende der Ära Mehdorn. Wer da von „Erfolgreicher Arbeit“ sprechen kann, hat schon einen besonderen Blick auf die Wirklichkeit – und wahrscheinlich fährt er selten mit dem Zug.


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