Sagt die Wissenschaft die Wahrheit?
Im aktuellen Philosophischen Podcast geht es um Nancy Cartwright, eine englische Philosophin, die ein Buch darüber geschrieben hat, wie die Gesetze der Naturwissenschaften lügen.
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am 11. März 2009 um 19:50
Gute Frage, viele Wissenschaften beruhen ja nur auf Theorien, die niemals bewiesen werden koennen. Leider gibt es auch keine besseren Erklaerungen, und der Mensch tut sich anscheinend schwer einfach Unwissenheit zuzugeben.
am 16. März 2009 um 11:23
Ökonomie mit Naturwissenschaften auf eine Stufe zu stellen finde ich schon etwas beleidigend für die Naturwissenschaften. Was mir ein wenig zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass es teils krasse Unterschiede in der Plausibilität von Theorien gibt. Die Newtons Gravitationstheorie hat uns bis heute noch nicht im Stich gelassen, während mir keine ökonomische Theorie bekannt ist, die zu allen Zeiten brauchbar war.
Man sollte auch einen Unterschied machen zwischen den Naturgesetzen selbst und ihrer Anwendung.
am 17. März 2009 um 18:01
@Fragezeichner:
„Die Newtons Gravitationstheorie hat uns bis heute noch nicht im Stich gelassen, während mir keine ökonomische Theorie bekannt ist, die zu allen Zeiten brauchbar war.“
Da scheint ja ein empfindlicher Punkt getroffen, lieber Fragezeichner.
Nimm doch nur den Mehrwert und das Geld, das sind oft theorisierte Entitäten und erfreuen den auf dem Boden der Naturwissenschaften Stehenden ebenso zuverlässig wie, äh, eben den Stehenden die Gravitationstheorie.
Zudem erinnere ich gerne an die Selbstauflösung der klassischen Physik vor nicht ganz hundert Jahren, die nicht die letzte gewesen sein muss. :–)
Beste Grüße!
am 17. März 2009 um 18:16
Ich möchte ergänzen, dass keine einzige physikalische Theorie ein Phänomen der Wirklichkeit außerhalb des Labors so beschreibt, wie es wirklich stattfindet. Da nehmen sich Ökonomie und Physik wirklich nichts. Die Ökonomen haben nur den Nachteil, dass sie keine Labors haben.
am 17. März 2009 um 21:37
Das Thema ist höchst interessant, die Aufzeichnung jedoch kaum zu gebrauchen. Das Bild ist Ok, aber der Audiotrak – das Wichtigste dabei – total durcheinander. Schade.
am 17. März 2009 um 21:51
Nach zweitem Versuch klappte einwandfrei
Keine Ahnung, woran’s lag.
am 18. März 2009 um 12:01
@Hoppibär: Geld und Zins sind keine Gesetze oder Theorien über Gesetze, sondern menschliche Werkzeuge (auch wenn sie in fast jeder ökonomischen Theorie eine Rolle spielen).
@Jörg, da schmeisst du jetzt wirklich Äpfel und Birnen zusammen. Ich zitiere jetzt mal die Bibel: „An ihren Früchten sollt ihr ihn erkennen“ – auf physikalischen Erkenntnissen ruhen Jahrtausende der Architektur und Technologie. Auf ökonomischen Erkenntnissen ruht nichts, denn die scheinen von undurchschaubaren Zyklen oder Moden abzuhängen – bis auf die Erkenntnis vielleicht, dass ökonomische Prozesse auf menschliches Verhalten zurückgeht, das sich in seiner Komplexität nicht in Modelle pressen lässt.
am 18. März 2009 um 12:58
@Fragezeichner: Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie die Physik es geschafft hat, dieses Bild von sich in der (westlichen) Öffentlichkeit zu erzeugen. Die Wahrheit ist: „Architektur und Technologie“ ruhen auf der Ingenierskunst, und als guter Ingenieur sollte man hin und wieder vergessen, was man in der Physik gelernt hat (auch wenn es meist nicht schadet, dass man es gelernt hat, so wie der gute Manager Betriebswirtschaft gelernt haben sollte, und der Mediziner Chemie und Biologie).
Wahrscheinlich hat die Physik in Köln auch gesagt, dass nix passieren kann. Vielleicht gab es Ingenieure, die sich gesagt haben, dass bei den Schäden, die schon entstanden waren, etwas mehr Vorsicht angeraten wäre. Aber auf die hört in einer Wissenschaftsgläubigen Welt keiner.
am 18. März 2009 um 13:45
@Jörg: ich kenne deine Vorbehalte gegen den Anspruch der Wissenschaft auf Wahrheit, gerade der Naturwissenschaft, und teile diese zu einem gewissen Grad. Deswegen habe ich auch nur von physikalischen *Erkenntnissen* gesprochen. Ich gebe dir recht, dass Ingenieurskunst schon vor dem existierte, was wir heute Wissenschaft nennen. Mir geht es auch nicht über die Wissenschaft als Methode, sondern über praktische Erkenntnisse und ihre Plausibilität.
Und gerade da gibt es grosse Unterschiede in der Plausabilität der Erkenntnisse im ökonomischen und im physikalischen Bereich. Es gibt z.B. keinen Bau-Ingenieur ohne physikalische Kenntnisse, aber sehr wohl Manager und Unternehmer ohne ökonomische Kenntnisse (André Kostolany hat sogar mal gesagt, dass jedes betriebs- oder volkswirtschaftliche Studium kontraproduktiv für selbständige Unternehmer sei). Es gibt keine ökonomische Theorie, die alle Krisen der letzten Hundert Jahre erklären kann (die aktuellen Prognose-Modelle, laut DIW-Chef-Zimmermann, sehen gar keine Krisen vor), es gibt einen ständigen Streit der Vertreter verschiedener Ideologien.
Du hast das Beispiel mit der Katastrophe in Köln genannt. Hier wurde gepfuscht, Auflagen nicht eingehalten und physikalische Erkenntnisse ignoriert. Die Ursache dafür kann immerhin bestimmt werden.
Viele physikalische Theorien lassen sich immerhin mit wiederholbaren Experimenten im Rahmen gewisser Messfehler verifizieren. Der Stein fällt immer wieder zu Boden, seit Millionen von Jahren.
Ökonomische Experimente sind nicht möglich, weil sie niemals die gleichen Bedingungen antreffen. Neue Krise, neue Theorie, neue Ideologie.
Wer findet, dass das auf das Gleiche hinausläuft und dass dieser Unterschied der Plausibilität keinen qualitativen Unterschied ausmacht, nun gut – man kann alles miteinander vergleichen und alles kann auch irgendwie gleich sein. Aber die Unterschiede sind es, meine ich, die jeden neugierigen und aufgeschlossenen Menschen interessieren sollten.
am 18. März 2009 um 16:23
@Fragezeichner:
Ich weiss nicht, was Dein Vortrag soll. Der Geldwirtschaft und die Mehrwerttheorie sind vglb. gut belegt wie die Gravitation. Manager in Unternehmen ohne ökonomische Kenntnisse gibt es nicht (es sei denn man fordert hier die _akademische_Ausbildung_, was aber an der Sache vorbei geht). Und wirtschaftswissenschaftliche Theorien, die alles erklären gibt es nicht, aber es gibt viele Theorien, die zusammen alles (und noch viel mehr ;–) erklären. Hier besteht kein Unterschied bspw. zur Physik. Es gibt keine grundsätzlichen Unterschiede zwischen bspw. der Ökonomie und der Physik im von Dir gemeinten Sinn. Es gibt kein Wissen erster und niedrigerer (bzw. höherer) Klasse.
Noch nicht. :–)
am 18. März 2009 um 17:18
Hoppibär,
Warum antwortest du mir dann?
Jeder Informatiker/Pizzabäcker/XXX kann ein Unternehmen gründen und dabei lernen worauf es ankommt, um erfolgreich zu sein. Viele erfolgreiche Unternehmer waren Zufallsunternehmer. Ohne spezielle Kenntnisse, ohne Vorwissen, ohne Theorien. Es gibt kein Patentrezept für alle. Unsere Wirtschaftsweisen und Top-Manager und Banker übrigens scheint auch ihr profundes Wissen in letzter Zeit nicht besonders weitergeholfen zu haben.
Klar, nur erklären alle etwas anderes. Es gibt zu jeder ökonomischen Theorie eine Gegentheorie. Aber z.B. nicht zur Gravitationstheorie!
Dass diese Unterschiede in deiner Wirklichkeit nicht existieren, habe ich verstanden. Wirtschaftswissenschaftler?
am 19. März 2009 um 20:47
„Das, von dem die Physik handelt, ist nur eine empirische Realität, nicht die sogenannte ontologische Realität, also die Wirklichkeit, wie sie wirklich ist“, so der französische Physiker und Wissenschaftstheoretiker Bernard d‘Espagnat, der in diesem Jahr den Templeton-Preis erhalten hat. In der Begründung der Templeton-Stiftung heißt es, d‘Espagnat hat mit seinen Arbeiten zur Interpretation der Quantentheorie neue Einblicke in die Definition von Wirklichkeit und die möglichen Grenzen wissenschaftlicher Kenntnisse eröffnet.
Quelle: faz.ne
am 6. April 2009 um 09:41
Interessanter Artikel über das Selbstverständnis von Wirtschaftswissenschaftlern diese Woche in der FAZ: http://www.faz.net/s/RubB8DFB31915A443D98590B0D538FC0BEC/Doc~E042FA849B36D410998E6A8197E9B5DE4~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
am 6. April 2009 um 13:16
Ja, das ist ein eher lauer Artikel, aufgehängt werden soll die Sache daran, dass angeblich kein Wirtschaftswissenschaftler die Krise vorhergesehen hat, vgl. auch „Dann kam die Krise – und mit ihr wurde offenbar, wie sehr die professionellen Prognostiker in Deutschland danebengelegen haben. Sie haben sich täuschen lassen, sind kollektiv der Illusion erlegen, die Finanzmärkte seien stabiler, als sie es tatsächlich waren.“.
Richtig dagegen ist, dass der von Bill Clinton ca. 1995 angepasste Community Reinvestment Act zu einem Hypothekenprogramm für alle wurde, der Staat gerantierte („sponsorte“ – es hiess auch offen Sponsoring) und es kam wenig überraschend zu einem millionenfachen „Hypothekenkredt wollnse, Sicherheiten hamse keine, macht doch nix!“.
Das ging dann ein paar Jahre gut, wurde natürlich von liberalen und republikanischen Kritikern negativ begleitet, aber Bush wollte oder konnte das Rad nicht zurück drehen. Der Rest ist bekannt: Die Immo-Preise sanken irgendwann, Hypotheken platzten, die laufenden Hypotheken waren nicht mehr mit ausreichenden Sicherheiten unterlegt und die Refinanzierung der Banken klappte nicht mehr, Misstrauen war da, BUMM!
Gerne auch mal im Web recherchieren, da finden sich 10 Jahre alte ätzende Kritiken am CRA. In D weiß man bis heute noch nicht, was passiert ist, es sei die „Managergier“, LOL; mit Sinn&Co habe ich auch oft kein gutes Gefühl, Bofinger und Hickel sind sogar oft selbstkarikierend.