Jörg Friedrich


Ist Intelligenz von der Rasse abhängig?

25. Februar 2009 Kategorie: Gesellschaft, Philosophie |

Die Standpunkte von Steven Rose auf der einen und Stephen Ceci und Wendy M. Williams auf der anderen Seite (nature 457, Seite 786-789, 12.02.2009) können nicht weiter auseinander liegen. Während Rose, emeritierter britischer Neurowissenschaftler jede Forschung über Zusammenhänge von Rasse und Intelligenz klar ablehnt, sind die beiden amerikanischen Wissenschaftler Ceci und Williams der Meinung, dass jede Einschränkung in dieser Frage eine Art Stalinismus in den Wissenschaften.

Beide Seiten tragen plausible Argumente vor, und das deutet schon darauf hin, dass die Wahrheit zwar nicht in der Mitte liegt, aber in einer Synthese beider Ansichten zu suchen ist.

Rose macht geltend, dass ein Forschungsprojekt zwei Kriterien erfüllen muss, um überhaupt wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen: Erstens muss die Frage, die gestellt wird, gut fundiert sein. Zweitens muss sie mit den verfügbaren theoretischen und technischen Werkzeugen zu beantworten sein.

Beide Kriterien sieht Rose bei der Frage nach dem Zusammenhang zwischen Rasse und Intelligenz nicht erfüllt: Die Begriffe „Intelligenz“ und „Rasse“ sieht er im Rahmen der Wissenschaften als nicht definierbar an. Gleichzeitig meint er auch, dass uns die theoretischen Werkzeuge fehlen, um das Phänomen der Intelligenz überhaupt zu erforschen.

Rose verweist darauf, dass sich die Methoden zur „Messung“ von „Intelligenz“ im Laufe der Zeit gewandelt haben und zwar jeweils mit dem Ziel, die Ergebnisse an die Erwartungen anzupassen. Als man z.B. in den 1930er und 1940er Jahren merkte, dass Intelligenztests zu dem Ergebnis führten, dass Mädchen höhere Intelligenz als Jungen haben, „adjustierte“ man die Tests. Das ist natürlich in der Tat kein wissenschaftlich akzeptables Vorgehen. Für die wissenschaftliche Bestimmung der Zugehörigkeit eines Probanden zu einer Rasse sieht Rose grundsätzlich nur die Möglichkeit der genetischen Fundierung – hier aber zeigt sich, dass bisher keine Merkmalskombination gefunden wurde, die zuverlässig die Zuordnung zu einer Rasse erlaubt.

Auf Grundlage dieser Diagnose lehnt Rose die wissenschaftliche Untersuchung von Zusammenhängen zwischen Rasse und Intelligenz ab. Er stellt auch die Frage nach dem Interesse, das hinter solchen Untersuchungen stehen könnte und kommt zu dem Ergebnis, dass ein solches Interesse nur darin bestehen kann, die Vorherrschaft der eigenen Rasse, wie auch immer sie ausgeübt wird, zu begründen.

Die Frage nach dem Interesse stellen auch Ceci und Williams, die allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis kommen als Rose. Sie fragen vor allem nach dem Interesse, das hinter einem Verbot oder auch nur hinter einer Diskreditierung einer bestimmten Forschungsfrage stehen. Soweit dies politische Interessen sind, oder die Furcht vor politischer Ausnutzbarkeit von Forschungsresultaten, lehnen sie so begründete Eingriffe in die Freiheit der Forschung grundsätzlich ab.

Ceci und Williams zitieren Forschungsergebnisse, nach denen der Intelligenzquotient zwischen Rassen um bis zu 30% voneinander abweicht. Solche Forschungen, so sagen die beiden Amerikaner, können und sollen wissenschaftlich kritisiert werden, aber nicht politisch bekämpft. Sie beklagen, dass diejenigen, die diese Theorien bekämpfen zumeist nicht einmal wissen, dass es möglich ist, sie mit wissenschaftlichen Mitteln zurückzuweisen.

Die Autoren von der amerikanischen Cornell University in Ithaka zitieren verschiedene weitere Untersuchungen welche zeigen, dass sich die Differenzen in der Intelligenz zwischen Rassen, die sich tatsächlich zeigen lassen, im Laufe der Jahrzehnte verändern. Daraus schleißen sie, dass diese Differenzen wohl weniger genetisch als vielmehr kulturell begründet sind. Damit zeigt sich, dass es möglich ist die Intelligenz-Lücke zwischen den Rassen zu schließen. Genau darin sehen die Autoren auch einen Grund, warum solche vergleichenden empirischen Untersuchungen sinnvoll sind.

Natürlich werden Forschungsergebnisse, die Differenzen in der Intelligenz zwischen verschiedenen Rassen diagnostizieren, von Demagogen politisch ausgenutzt. Das war schon zu Darwins Zeiten so, wie schon das Editorial der gleichen Ausgabe von nature („Humanity and evolution“, Seite 763) zeigt: Während Darwins Zeitgenossen im Sinne der Aufklärung die Abstammungslehre nutzten um zu verdeutlichen, dass alle Menschen Brüder sind, missbrauchte Hitler die Bilder vom „Kampf ums Dasein“ und vom „Überleben des Stärkeren“ um Allmachts- und Überlegenheitsphantasien unters Volk zu bringen.

Wenn man also nur Forschungen zulassen würde, bei denen politischer Missbrauch ausgeschlossen wäre, dann wären die Wissenschaftler der Welt bald arbeitslos. So bleibt also nur, sämtliche Forschungsfragen grundsätzlich zuzulassen, unter kritischer erkenntnistheoretischer Beobachtung und Begleitung.

Sosehr Rose in seiner Diagnose Recht hat, so sehr irrt er in seinen Folgerungen. Tatsache ist, dass sich die Wissenschaft solcher Begriffe wie „Intelligenz“ und „Rasse“ nicht sicher sein kann. Keine Definition ist hinreichend präzise und zugleich so umfassend, dass sie einer Prüfung im wissenschaftlichen Diskurs ganz standhalten kann. Das gleiche gilt für die Methoden der Messung und Analyse innerhalb verschiedener Theoriegebäude.

Aber diese Unsicherheit gilt für jede wissenschaftliche Theorienbildung und -entwicklung. Jedes wissenschaftliche Forschungsfeld beginnt mit relativ unsicheren Konzepten und Methoden, die erst in der Anwendung und in der Kritik gefestigt und geschärft werden.

Im Falle der „Messung“ von „Intelligenz“ ist klar, dass diese von einem Vorverständnis vom Begriff der Intelligenz innerhalb der Kultur der Forschergemeinschaft ausgehen. Es wäre so gesehen sehr überraschend wenn eine in westlicher Forschungstradition gebildete Theorie über Intelligenz nicht zu dem Ergebnis kommen würde, dass diejenige Rasse die höchste Intelligenz hat, die vor allem in der Kultur vorhanden ist, zu der auch die Forschergemeinschaft gehört. Es ist ja ihr eigene Konzeption von Intelligenz, eine Eigenschaft, die sich diese Gemeinschaft vor allem selbst zuschreibt, die gemessen werden soll.

Kritisches Hinterfragen der Gegenstände, die die Wissenschaft zu untersuchen vorgibt, und der Methoden, die sie als wissenschaftlich gesichert ansieht ist in jedem Falle der Tabuisierung einer Fragestellung vorzuziehen. Welche praktischen Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Resultaten gezogen werden, das ist dann ohnehin keine wissenschaftliche Frage mehr, das ist eine politische oder vor allem eine philosophische Frage.


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13 Kommentare to “ Ist Intelligenz von der Rasse abhängig? ”

  1. # 1 Hannelore schreibt:

    Jörg,
    Rassen können deshalb nicht genau definiert werden, weil es keine gibt. Wir haben alle eine Urmutter.

    „Anhand von mütterlicherseits vererbter mtDNA konnte 1987 das Alter der berühmten „Mitochondrialen Eva“ bestimmt werden. Diese Arbeit ist seitdem ausgeweitet worden und hat eindeutig ergeben, dass der jüngste gemeinsame weibliche Vorfahre aller heute lebenden Menschen eine afrikanische Frau war, die vor 200.000 Jahren lebte. Paläontologische Indizien unterstützen die Theorie, dass unsere Spezies vor ungefähr 200.000 Jahren auf diesem Kontinent ihren Ursprung hatte.“

    https://genographic.nationalgeographic.com/genographic/lan/de/dawn.htm

    Ich habe einen Gentest machen lassen und der hat ergeben, dass meine Vorfahrinnen aus Ostafrika stammen, ungefähr da, wo auch US-Präsident Obama herkommt ;-)

  2. # 2 Antje schreibt:

    „Welche praktischen Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Resultaten gezogen werden, das ist dann ohnehin keine wissenschaftliche Frage mehr, das ist eine politische oder vor allem eine philosophische Frage.“

    Aber wie will ich denn aus etwas Konsequenzen ziehen, wenn schon die „wissenschaftlichen“ Resultate eigentlich gar keine „Resultate“ sind?
    Gut, ich kenne den Artikel nicht, kann also hier nur das annehmen, was das Posting beschreibt. Und da muss ich sagen, bei allem Respekt, alles ist eine Frage der Definition. Die eigentliche Diskussion könnte für mich nur dann beginnen, wenn ich die Prämissen kennen würde, die der /den „wissenschaftlichen“ Untersuchung zugrundegelegt wurden. Und im Prinzip sagst du das ja irgendwie auch, Jörg.
    Erkenntniswert?

  3. # 3 Silberlöffelmitmessinglegierung schreibt:

    Huch, was für ein Thema, das wird doch sehr gut tabusiert, wenn da mal nicht die Leserschaft forthüpft!
    Ansonsten:
    - Rassen oder Ethnien gibt es offiziell nicht mehr bzw. nur für ganz böse Rassisten
    - die Definition der „Intelligenz“ muss letztlich willkürlich sein und der „Forschergemeinschaftskultur“ entsprechen
    - andere Rassen scheinen in der Tat weniger verständig zu sein
    Praktisch nutzen könnte man die bösen Erkenntnisse bspw. beim Finanz-Scoring oder bei Betreuung, Pädagogik und Integration, unklar ist, ob der Nutzen den Schaden überwiegt. Die anderen könnten ja zu dem Schluss kommen, dass wir (wer immer das jetzt auch genau ist) unverständiger sind oder einfach kräftig böse werden.

  4. # 4 antaeus schreibt:

    Unbedingt, sofern ich das Ergebnis dieser Intelligenz der sog. weissen Rasse über den Zeitraum der letzten 100 Jahren betrachte.

    Eine adäquate Antwort, sofern ich die Headline Ihres Beitrages als das nehme, was sie meiner Meinung nach ist, eine irrationale Frage.

    Aber gerade irrationales – tiefgründig unvernünftiges – untersuchen zu wollen und zu müssen, war immer schon ein geheimes Steckenpferd vieler Wissenschaften.

  5. # 5 Silberlöffelmitmessinglegierung schreibt:

    Die Frage ist „irrational“, weil sie (sinnvollerweise) tabusiert wird, die Jörgianische Argumentation („Beobachterperspektive“) ist natürlich nicht falsch, aber an der Sache vorbeigehend, gemeint ist der Forschervorbehalt, der oft (oder immer?) gegeben ist, für dessen explizite Nennung es aber keinen Usus gibt. Den Autoren der Studie dürfte die kulturbedingte Subjektivität ihres Vorgehens natürlich auch bekannt sein, die haben (ganz vermutlich) nichts vergessen bzw. „irren“ nicht.
    Natürlich ist der Begriff der Intelligenz (im Sinne von Verständigkeit) ziemlich schwammig und erleichtert die Tabuisierung.
    Hier aber „Irrationalität“ oder „Irrtum“ zu erkennen geht Richtung Relativismus.

  6. # 6 antaeus schreibt:

    Ich beuge mich in Ehrfurcht; die Argumentation scheint schlüssig.

    Das nachstehende Zitat bezieht sich auf die Fragestellung als solche.

    … Gegen die „Mikrobe der menschlichen Dummheit“ (C. Goetz in „Dr. med. Hiob Prätorius“) ist tatsächlich kein Kraut gewachsen.

  7. # 7 Silberlöffelmitmessinglegierung schreibt:

    Das liest sich jetzt aber besonders böse. :–)
    Wenn ich falsch liegen sollte, dann nur raus damit, im Beta-Bereich eines Inhaltsangebotes kann man schon mal daneben liegen, beste Grüsse!

  8. # 8 Alexander Erben schreibt:

    Entstehen „nicht-kaukasischen“ Mitglieder einer „kaukasisch beherrschten“ Gesellschaft Nachteile im Zugang zu Bildung? Gut möglich. Bedeutete dies, dass Intelligenz, (also das grundsätzliche geistige Vermögen, wie ich den Begriff hier mal eben schwammig definiere), von der Rasse abhängt? Wohl kaum!

    Ähnlich sinnvoll wäre die Schlussfolgerung, dass Intelligenz von Geschlecht abhängt, weil nach wie vor die Meinung vorherrscht, dass Frauen „schlecht in Mathe und Logik“ sind, was die meisten weiblichen Mitglieder der Gesellschaft von vornherein das Interesse und den Zugang erschwert.

    Präziser fragen! „Gibt es einen Zusammenhang, und wenn ja, worin besteht er?“ wäre hier wie ich finde die korrekte Fragestellung, nicht „Ist es davon abhängig?“.

  9. # 9 antaeus schreibt:

    Hallo @Silberlöffelmitmessinglegierung
    Ersteres liegt an C. Goetz, weniger an mir :-)
    Was den Beta-Bereich angeht muss ich Ihnen unbedingt das Wort reden.
    Was mir aufstösst ist nicht Ihre Argumentation, da kann ich durchaus auch Relativismus stehen lassen.
    Es ist das Forschungsprojekt an sich. Es ist die Dreistigkeit der sog. zivilisierten, abendländischen Wissenschaftsgemeinde – die in einer Impertinenz die ihresgleichen sucht – agiert. Es ist nicht primär eine ethische Frage sondern eine der Menschlichkeit, der fehlenden Achtung, Ehrfurcht und Demut angesichts der Wunder der lebendigen Natur.
    Ich grüsse Sie ebenfalls freundlich.

  10. # 10 Silberlöffelmitmessinglegierung schreibt:

    @antaeus:
    Man müsste natürlich die Freiheit der Forschung einschränken. Wenn offensichtlich unethische Ziele verfolgt werden, dann sollte das Strafrecht greifen. Verwalten liesse sich das bspw. vom Wirtschaftsministerium, das Klagerecht sollte hier für jeden Bürger bestehen.

    Weiter oben wurden noch die geschlechtsspezifischen Intelligenzunterschiede angesprochen, auch ein interessantes Thema [1]. Es gibt hier exakt zwei Möglichkeiten:
    1.) Frauen sind bspw. in Denksportarten, in der Wissen- und Wirtschaft und natürlich beim Gewinnen von Nobelpreisen schlechter, was genetisch bedingt ist
    2.) Frauen unterliegen einer gesellschaftlichen Repression

    Damit ich hier richtig verstanden werde, die Tabuisierung dieses (und vergleichbarer anderer S.) Sachverhalts ist angemessen, nur wenn dieser geleugnet (oder kriminalisiert) wird, dann ist das problematisch.
    Und selbstverständlich stehen die Forschungsergebnisse unter dem Vorbehalt „Forscherperspektive“, es darf schon davon ausgegangen werden, dass alles seinen Sinn hat, es liegen halt Anpassungen vor.

    [1] für den Beta-Bereich ;–)

  11. # 11 antaeus schreibt:

    Lieber @Silberlöffelmitmessinglegierung

    Was die uns allen so geliebten Anpassungen betrifft:

    „Mundus vult decipi“, die Welt will betrogen sein, oder vielleicht noch besser: „Mundus vult decipi. Ergo decipiatur!“, Die Welt will betrogen sein, darum sei sie betrogen.

    Ebenfalls für den Beta-Bereich :-)

    Machen Sie’s gut.

  12. # 12 Jörg schreibt:

    Ich bedaure mit der provokanten Überschrift, die eine Frage formuliert, welche genau genommen vom Text gar nicht diskutiert wird, die Diskussion und die Gedanken der Leser offenbar in eine nicht intendierte Richtung gelenkt zu haben.

    Ich würde mich freuen, wenn die wohlwollenden Leser den Text nocheinmal unter der Überschrift „Gibt es Einschränkungen in der Zulässigkeit wissenschaftlicher Fragestellungen, welche Konsequenzen und welche Alternativen gibt es zu solchen Einschränkungen“ lesen würden.

    Außerdem liegt mir am Herzen nocheinmal zu wiederholen, dass gerade Ceci und Williams auf die kulturelle Bedingtheit der gefundenen Zusammenhänge hingewiesen haben.

  13. # 13 Silberlöffelmitmessinglegierung schreibt:

    Beim Presserat bekäme man so vielleicht Probleme. :–)
    Aus meiner Sicht gibt es natürlich diese Einschränkungen, der Satz „Die Forschung ist frei.“ ist falsch, richtiger ist schon „Wissenschaft ist Gesinnung.“ (Henryk M. Broder), d.h. es wird geforscht um Nutzen für die Gesellschaft zu erzielen. Der Nutzen wäre bei der Forschung nach ethnischer Intelligenzabhängigkeit (Ethnie (oder Rasse) und Intelligenz sind zwar schwammig definiert, aber ausreichend klar) ziemlich umstritten, also ob einer da wäre oder ob gar ein Schaden entstünde. Ich bin allerdings hier auf der Pro-Seite, hauptsächlich deshalb, weil ansonsten zu befürchten wäre, dass nur noch „politisch korrekt“ geforscht werden würde.
    Die Wissenschaft wird ja bereits in einigen Fällen klar reglementiert, ich sehe hier grundsätzlich keine Probleme. „Konsequenzen“ und „Alternativen zu solchen Einschränkungen“ sehe ich keine.
    Sehe gerade beim nochmaligen Durchlesen, dass mein Textverständnis in einigen Punkten mangelhaft war, naja, im Beta-Bereich kann das schon mal passieren.

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