Im Netz
Ins Netz gehen. Das kann zwei verschiedene Bedeutungen haben. Man kann jemandem ins Netz gehen, d.h. sich einfangen, fesseln lassen. Hilflosigkeit, Bewegungslosigkeit, das Gefühl von Ohnmacht ist die Folge.
Man kann auch zum Teil eines Netzes werden, ins Netz gehen heißt, sich vernetzen. Man wird zum Knoten im Netz, man bindet andere, indem man sich an sie bindet – Man schafft Verbindungen.
Netzwerke schaffen eine neue Struktur des Raumes, ein neues Maß für Nähe und Ferne (eine neue Topologie). Man könnte auch sagen, jedes Netzwerk schafft eine neue Dimension im Raum. Durch jedes Netz werden die herkömmlichen Begriffe von Entfernung aufgehoben, was fern war, wird nah, was ganz nah war, kann nun unendlich weit entfernt sein. Als Student lebte ich in Berlin, einige Hörsäle waren ganz in der Nähe der Mauer, die so viele Netze zerschnitten hatte. Aus den Mathematik-Vorlesungen über Topologien kommend und zur Mensa hinübergehend faszinierte mich dieses ungeheure Beispiel der Neu-Definition einer Topologie.
Der Begriff des Netzes selbst hat sich gewandelt: Gleichmäßigkeit des Musters, dichte Folge der Maschen, das war eine wichtige Eigenschaft von Netzen, bevor unsere modernen Transport- und Kommunikationsnetze entstanden. Fischer und Fußballer würden das, was wir heute ein Netz nennen, ungern so bezeichnen. Ein Netz soll halten, darin sind sich alle einig, aber ob es etwas (wie z.B. Fische oder Bälle) halten soll oder nur sich selbst, nur seine eigenen Maschen und Knoten, das macht den Unterschied.
Heute nutzen wir Netze, die andere gebaut haben, um unsere eigenen Netze zu bauen, um uns selbst zu vernetzen. Wir nutzen Straßen- und Telefonnetze um zu netzwerken, Freundschaften und Geschäftsbeziehungen zu pflegen.
Es gibt ein Netz, das heißt inzwischen nur noch „Das Netz“ – und dieses Netz ist die Infrastruktur für unglaublich viele und immer neue Netze. Die Blogosphäre und Twitter sind die neuesten Exemplare dieser Gattung. Sie haben alle die gleiche Struktur: Große zentrale Knoten mit vielen Verbindungen und kleine, abgelegene, die nur locker in das Netz eingebunden sind. In den Maschen laufen Informationspakete von einem Knoten zum anderen: Links, Blogposts, Kommentare, Tweets.
Die Stärke dieser Netze ist, dass ihre Knoten leben, dass sie aktiv sind. Was sie weiterleiten und in welche Richtungen entscheiden sie selbst, nach Regeln zwar, aber autonom. Was wie ein Paradoxon klingt, macht diese Netze stark.
Wahrscheinlich ist diese Kombination von Regelbindung und Autonomie der Grund für die Effektivität eines solchen Netzes. Ein solches Netz schafft sich seine Strukturen selbst, und nicht nur die, sondern auch die Regeln, nach denen es sich, in den autonomen Entscheidungen der Einzelnen, immer weiter entwickelt. Niemand hat die Macht zur Zentralisation, und die war noch immer der Grund für Ineffizienz und Erstarrung.
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am 21. Februar 2009 um 09:50
Zum Internet fallen mir immer drei Dinge sofort ein:
1.) Webkompetenz (eine, bzw. _die_ neue Kommunikationskompetenz, die erforderlich geworden ist und um die sich im deutschsprachigen Raum Stefan Münz bemüht – die Webkompetenz kommt natürlich auch mit webspezifischen technischen Aspekten)
2.) Anpassungen der Rechtslage (Zensur, Volksverhetzungstatbestände, Zivilrechtliches (Abmahnungen etc.), Recht am Inhalt)
3.) Anarchie
am 2. März 2009 um 18:43
[…] Naturwissenschaftler, Unternehmer und Philosoph Jörg Friedrichstellt vormuliert in dem Artikel: Im Netz ein paar recht interessante Gedanken zu den sozialen und kommunikativen Implikationen von […]
am 3. März 2009 um 17:11
[…] Alles lesen bei Jörg Friedrich […]