Jörg Friedrich


Im Kino: Effi Briest

14. Februar 2009 Kategorie: Kultur |

Wer die Geschichte kennt, bleibt beim Abspann irritiert sitzen: Ging der Roman nicht irgendwie anders, deutlich anders aus? Allen anderen sei gleich gesagt: Ja, bei Fontane endet Effis Geschichte anders, aber mehr wird nicht verraten – obwohl es natürlich interessant wäre, darüber nachzudenken, warum die Filmemacher so ein deutlich anderen Ausgang in Szene gesetzt haben.

Zumal sie sich ansonsten teilweise wörtlich an Fontanes großen Roman gehalten  haben: z.B. in jener bedrückenden Szene, in der die kleine Anni ihre Mutter besuchen kommt. Aufs Wort genau folgt der Film hier noch der Literarischen Vorlage – 20 Seiten oder 5 min vor Ende.

Ist es ein großer Film? Es ist auf jeden Fall eine große Geschichte, und der Film wird dieser Geschichte gerecht. Die handelnden Personen werden uns nahe gebracht, so nahe, dass wir ihre geistige Verwandtschaft spüren, auch wenn 150 Jahre zwischen ihnen und uns liegen.

Anderthalb Jahrhunderte, was ist das schon? Ein Katzensprung in der Menschheitsgeschichte. Nur ein kleiner Schritt, der uns von Zwangsheirat und Ehrenmord trennen – das macht der Film bedrückend klar.

Es ist ein Julia-Jentzsch-Film – die junge Starschauspielerin des deutschen Kinos leistet wirklich großes in diesem Film, der vor allem aus Großaufnahmen ihres Gesichtes seine ergreifende Kraft bezieht. In Amerika wäre das ganz klar Oscar-reif.


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