Jörg Friedrich


Im Kino: „Frost / Nixon“

08. Februar 2009 Kategorie: Kultur |

Um es vorweg zu sagen: Ich habe selten so enttäuscht einen Kinosaal verlassen wie gestern abend nach „Frost / Nixon“. Das Beste an dem Film ist der Trailer, mit dem in den letzten Wochen für den Film geworben wurde. Der versprach Spannung und historisch-politische Informationen. Beides gab es leider nicht.

Ein Talkmaster will – hohen Einschaltquoten zuliebe – ein Interview mit dem gerade zurückgetretenen amerikanischen Präsidenten Nixon führen. Frost ist politisch interessenlos, nur Zuschauerzahlen sind für ihn interessant. Der Film ist als Duell zwischen zwei Medien-Profis konzipiert, aber da weder die Entwicklung der Motive und Taktiken in Szene gesetzt werden und da der Zuschauer aus dem Trailer oder dem Geschichtsbuch den Ausgang des Geschehens kennt, kommt keinerlei Spannung auf.

Der Film ist weder als Polit-Thriller spannend noch als Hintergrund-Drama interessant. Es gibt keine Entwicklung, es gibt keine Motive oder Thesen, über die es sich nachzudenken lohnt.

Wenn überhaupt irgendeine Botschaft in dem Film steckt, dann ist es die: „Nixon war eigentlich ein guter mann, ein netter Kerl. Irgendwas hat er falsch gemacht (was genau, das lässt der Film im Dunkeln) – aber seine Gründe waren wohl ganz edel.

Man hat den Eindruck, das Werk will auf subversive Weise einem historisch vergesslichen Publikum den alten Nixon sympatisch machen, und sei es auch nur, weil Amerika wenigstens im Rückblick auf alle seine Präsidenten stolz sein will. Aber dazu ist es zu farblos, zu langweilig, zu einschläfernd gemacht. Mag sein, dass Frost und Nixon Profis waren, die Filmproduzenten waren es nicht.


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