Jörg Friedrich


Archive for Januar, 2009

Blatt im Herbst

Januar 04, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Privates | 1 Comment →

Am langen Zweig hat es noch Halt,
Doch schon verliert es seinen Glanz,
Und bald vergeht das Leuchten ganz,
Es krümmt sich so, als wär ihm kalt.

Nun löst es sich und fällt ein Stück.
Doch plötzlich dreht es sich zur Seite
Und wendet sich einmal zurück,
Dann treibt es endlich in die Weite.

Ein wenig schwankt’s bei diesem Spiel
Es taumelt, torkelt immer wieder,
Schießt Purzelbäume, zittert viel,
Sinkt schließlich doch zum Boden nieder.

Nun liegt es still auf andrem Laub,
Und spröde wird es, trocknet aus,
Die Adern treten hart heraus,
Und dann zerfällt es, wird zu Staub.

Ein Gleichnis

Januar 03, 2009 By: Jörg Category: Philosophie | 3 Comments →

Einer Gruppe von Mathematik-Studenten wird ein Stapel Texte aus einem Internet-Literatur-Forum vorgelegt. Ihnen wird die Aufgabe gestellt, diese nach einem selbst ermittelten Kriterium in zwei Kategorien einzuteilen.

Der erste Student untersucht die Textlänge. Er stellt fest, dass es eine Häufung bei ca. 300 Zeichen und eine bei ca. 5000 Zeichen gibt und unterteilt deshalb die Texte in
1. Texte mit weniger als 1000 Zeichen
2. Texte mit mehr als 1000 Zeichen
(weiterlesen …)

Februartag

Januar 02, 2009 By: Jörg Category: Kultur, Privates | No Comments →

Die Farben meiner Bilder sind verblichen
Von Staub bedeckt, vom Rauch des Ofens matt.
Das Leuchten ist dem stumpfen Grau gewichen,
Das sich auf alles legt, was nur Geschichte hat.

Ich löse das Papier aus seinem Rahmen
Und trenne Leinwand vom gespannten Holz.
Noch schneller, als die Eitelkeiten kamen
Frisst jetzt das Feuer den vergangnen Stolz.

Öl tropft zu Boden, mürbe Asche fällt.
Rauch schwärzt die weißen Flecken an der Wand
Und treibt mir Tränen über das Gesicht.

Ich reiß den Stoff weg, der den Blick verstellt
Auf kalten Nebel über blassem Land
Durchs Fenster scheint ein schwaches, fernes Licht.

Bittere Stunde

Januar 01, 2009 By: Jörg Category: Privates | No Comments →

Es liegt ein Grau auf allem Grün,
Das Licht ist stumpf, die Schatten fahl.
Dass dieses Leben noch einmal
Zu Erde werde, hoffst du kühn.

Es sprießt ein Grau aus allem Grün
Ein Filz wächst, nebelgleich und kalt.
Dein Schritt wird lautlos, ohne Halt.
Du möchtest, doch du kannst nicht fliehn.