Jörg Friedrich


Buddenbrooks im Kino

20. Januar 2009 Kategorie: Kultur |

Es ist schon erstaunlich: Während man schon im Kinosessel sitzt und auf den Beginn der Literaturverfilmung „Buddenbrooks“ läuft die Vorankündigung von „Effi Briest“. Haben die Filmemacher die großen deutschen Stoffe entdeckt? Wann kommt „Das Glasperlenspiel“ ins Kino, wann ist mit „Homo Faber“ zu rechnen?

Nach zwei Stunden Film fragt man sich dann aber, ob es überhaupt möglich ist, einen Film zu machen, der einem Roman wie „Buddenbrooks“ in irgendeiner Weise gerecht wird. Das soll nicht heißen, dass der Film nicht sehenswert wäre. Schöne Bilder, tolle Schauspieler – keine Frage. Aber was bleibt von einem Jahrhundertroman in zwei Stunden Kino übrig – was kann übrig bleiben?

Es sind einzelne Szenen, für den der Film sich lohnt: Wenn Tony ihre Zehen in den nassen Strandsand gräbt z.B. – sicherlich, eine Situation, die im Buch vielleicht gar nicht vorkommt. Oder wenn am Ende die Vorhänge im verlassenen Haus durch den schwachen Luftzug bewegt werden. Von solchen Momenten bräuchte ein Film, der einem Thomas Mann gerecht werden will, wohl mehr.

Trotzdem – ein sehenswerter Film über Unternehmer-Tradition und Veränderung, über Chancen und Risiken, über Kaufmannsstolz und Spielernaturen, über menschliches Versagen. Gerade richtig gekommen zur Finanzkrise, das ist keine Frage. Und gut, dass er schon fertig war, als die Krise ausbrach – ein Jahr später hätte man vielleicht einen ganz anderen Film gemacht, oder die Finger von dem Stoff gelassen.


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Ein Kommentar to “ Buddenbrooks im Kino ”

  1. # 1 Vogel schreibt:

    Wann kommt „Das Glasperlenspiel“ ins Kino …

    Und wer soll den Joseph Knecht spielen? Erwartest Du da nich ‚n bisschen viel?

    Nach zwei Stunden Film fragt man sich dann …

    Wer hätte das gedacht? Eben!

    Grüße
    Vogel

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