Für ein Ende des Managerkapitalismus
Wer in diesen ersten zwei Wochen des Jahres mit der Bahn gefahren ist, musste wahrscheinlich ein hohes Maß an Toleranzbereitschaft aufbringen. Stellwerksschäden, eingefrorene Weichen, Zugausfälle wegen defekter Bremsen oder wegen verspäteter Bereitstellung aus dem Bahnbetriebswerk, kaputte oder nicht regelbare Heizungen, ganze Waggons verschlossen, weil Heizung und Lüftung komplett ausgefallen sind, das sind die paar Probleme, die ich während meiner bisher gerade 5 Zugfahrten im Fernverkehr der Bahn erlebt habe.
Es ist Winter, und der Winter macht unübersehbar, was man als Bahnfahrer auch im Sommer schon spürt: Das Material und die Infrastruktur des Schienen-Monopolisten einer der führenden Industrienationen ist marode, man fährt auf Verschleiß, man hat keine Reserven und keinen Ersatz.
Dabei, so hört man, macht die Bahn doch Gewinne, und ein vernünftiger Geschäftsmann, ein privatwirtschaftlich organisiertes Unternehmen welches langfristige Strategien verfolgt, sollte diese Gewinne doch re-investieren. Was läuft hier falsch?
Die Vermutung, die Bahn sei nun mal Monopolist und habe es deshalb nicht nötig, den Kunden eine bessere Produktqualität zu bieten, ist nicht plausibel: Der Wettbewerb der Bahn im Fernverkehr sind nicht etwa andere Bahn-Unternehmen, sondern der individuelle Autofahrer und die Fluggesellschaften. Frustrierte Bahnkunden haben Alternativen, also hat das Unternehmen gute Gründe, sich um Kundentreue zu bemühen.
Das Problem bei der Bahn ist letztlich das gleiche wie in der gesamten modernen Großkonzernwirtschaft: Dass nicht unternehmerisch denkende Kaufleute, sondern Manager das Sagen haben, und die Anreize für diese Manager sind falsch gesetzt. Manager erhalten ihre Boni nach der Höhe des Jahresgewinnes, und diese Kennzahl ist die einzige, die sie interessiert. Nicht nur wegen ihres eigenen Anteils, den sie dann einstreichen können, sondern weil der Jahresgewinn auch die Währung ist, in der alles verrechnet wird, was ein Manager sich an Großmachtträumen von Fusionen, Unternehmenskäufen, Privatisierungen vorstellen kann.
Also kommt es nicht darauf an, meine Ressourcen so zu pflegen, dass ich auch im nächsten und übernächsten Jahr noch gut dastehe. Der Buchwert von Anlagen und Maschinen, von Fahrzeugen und Gebäuden muss hoch sein, der Gebrauchswert ist sekundär. Investitionen in spektakuläre neue Technik – ja (ob sie erprobt ist und praxistauglich ist nicht ganz so wichtig), Reparaturen und Wartung aber sind nur Kosten, schmälern den Gewinn.
Hier wird massiv gegen die Grundsätze des Wirtschaftens verstoßen, die den Erfolg der Industrienation Deutschland einst ausgemacht haben. Da wird uns kein Konjunkturprogramm retten.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2009/01/14/fur-ein-ende-des-managerkapitalismus/



am 14. Januar 2009 um 09:30
Zustimmung und ein Verweis auf Daniel Doeudevert – schlimm ist nur, daß aus dieser Problematik oft ein grundsätzlicher antikapitalistischer Reflex entwickelt wird, der genauso dogmatisch und kontraproduktiv ist, wie das Problem, um das es hier eigentlich geht!
am 14. Januar 2009 um 09:39
Gegen den antikapitalistischen Reflex möchte ich auf einen ca. 1 Jahr alten Artikel verweisen: Der Mittelstand.
am 14. Januar 2009 um 10:44
Sehr schön beschrieben. Bleibt die Frage, was eine Änderung bewirken könnte?
am 14. Januar 2009 um 10:53
Zustimmung. Aber wie lässt sich das ändern? Die Anreize werden ja von den Aktionären gesetzt und damit vom Markt.
Ich gebe auch zu bedenken, dass fast all die mittelständischen Unternehmer, die geholfen haben, Deutschland nach dem Krieg wieder aufzubauen (Neckermann, Nixdorf und Co.) an einem bestimmten Punkt, bei einer gewissen Grösse ihres Unternehmens überfordert waren und sich in die Arme eines grossen Konzerns retten mussten.
am 14. Januar 2009 um 11:03
Wer Boni an die langfristige Wertentwicklung bindet, der kann bspw. das Problem bekommen, dass Nachhaltigkeitsbefürworter und Bedenkenträger aller Art das Wahrnehmen kurz- und mittelfristiger Chancen erfolgreich unterbinden.
Viele Unternehmen profitierten in der Vergangenheit massiv von kurzfristig, also quartalsabschlussbasiert vorgehenden Entscheidungen und Entscheidern.
Fazit: Analyse zu gradlinig, DB sowieso schlechtes Beispiel hier und vermutlich ein Fall für TINA.
Konjunkturprogramme haben noch nie gerettet, sondern sind Geldvernichtungsmassnahmen und dienen dem Gewinn der nächsten Wahl.
Bei einer nächsten Bundestagswahl in bspw. 2012 hätten wir jetzt nicht diesen Strohfeuerwahnsinn.
Wenn irgendwelche „Programme“ der Wirtschaft helfen könnten (richtig ist, dass dieser durch das richtige Setzen von Rahmenbedingungen zu helfen ist), dann wäre das bisher schon einmal exemplarisch nachgewiesen worden und wäre auch in Nichtkrisenzeiten möglich.
Am besten aber die 2.500,-EUR Prämie für Altwagenbesitzer, da wären m.E. sogar die angedachten „DDR-Gutscheine“ besser gewesen.
am 14. Januar 2009 um 12:05
@houllebeck:
http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Goeudevert , LOL, ein Sozialist bei VW, sicherlich ein ernstzunehmender Mensch, vielleicht der neue Managertyp, den wir brauchen?
am 15. Januar 2009 um 01:57
Es gibt ein einfaches Prinzip:
Monopole schaffen Macht,
Macht wird durch Geld erhalten,
Geld braucht der Mensch zum Leben.
Der Mensch will leben.
Wert gegen Geld gibt es nicht mehr.
Es gibt nur noch „Brauch ich, muss ich“ gegen Geld.
MACHT in Händen weniger ist TÖDLICH!
Lernt man durch lesen und auf http://www.infokrieg.tv
Da ist die Bahn das kleinste Problem