Die Ökonomie der Blogosphäre
Es gibt viele Gründe ein Blog zu betreiben, aber wer ein erfolgreiches Blog kaufen will, der hat wahrscheinlich auch kommerzielle Gründe. Mit der heute begonnenen Versteigerung von Basic Thinking bekommt das Bloggen in Deutschland eine neue, ökonomische Dimension. Das Blog wird zum Investitionsobjekt.
Was wäre der angemessene Preis für ein Blog, vorausgesetzt, man kauft ihn, um ihn nach dem gleichen Geschäftsmodell wie der bisherige Betreiber weiter zu nutzen? Bei normalen Unternehmensverkäufen legt man den mittleren Gewinn der letzten Jahre zugrunde und schreibt diesen in die Zukunft fort. Der Kaufpreis muss dann so sein, dass der Gewinn bei alternativer Geldanlage z.B. als Festgeld eine attraktive Verzinsung darstellt. Das setzt natürlich vorraus, dass das Investitionsobjekt jederzeit wieder verkauft werden kann.
So gesehen ist kein deutsches Blog überhaupt einen Cent wert. Auch wenn ein Blogger im Jahr 30.000 € Umsatz macht, ist das noch längst kein Gewinn, da dafür wenigstens kalkulatorisch ein Arbeitslohn für den Blogger abgezogen werden müsste. Selbst wenn man das nicht so sieht, sinkt der Wert schnell auf Null, wenn man die ganzen Risiken des Kaufes berücksichtigt.
Blogs sind in ihrem Erfolg von den Eigenarten des Bloggers und denen der treuen kommentierenden Fans abhängig. Natürlich werden diese Fans eine Weile lang beobachten, was der neue Betreiber so schreibt, aber dass sie ihm treu bleiben, ist ein Glücksspiel. Eine Weile kann das möglicherweise durch Zugriffe auf ältere Inhalte ausgeglichen werden, das hängt natürlich von der Aktualität der Texte ab: Schreibt der Blogger vor allem über aktuelle Vorgänge, sucht in einem halben Jahr kein Mensch mehr danach.
Das zeigt, dass deutsche Blogs finanziell auf sehr wackligen Beinen stehen. Damit ist auch die Qualität infrage gestellt. Gutes Bloggen kostet Zeit, und wenn einer fast täglich einen gut recherchierten Beitrag schreiben will, muss er davon wenigstens zum Teil seinen Lebensunterhalt bestreiten – es sei denn, er hat einen hoch bezahlten Job, der ihn nicht voll auslastet.
Dass gutes Bloggen sich nicht lohnt, liegt an der deutschen Krankheit des Internet: den Werbeblockern. Ohne Werbeblocker hätten Blogs ein grundsätzlich funktionierendes Geschäftsmodell, das dem des Privatfernsehens ähnelt. Aber die deutschen Internet-Nutzer und Blog-Fans sind stolz auf ihre Werbefreien Browserfenster – und fallen so ihren Bloggern in den Rücken. Statt hin und wieder auf ein Werbebanner zu klicken, oder mal ein Buch über den Werbelink des Bloggers zu kaufen, freuen sie sich, wenn sie die Finanzierungsgrundlage der Blogs vernichten.
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http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2009/01/08/die-oekonomie-der-blogosphaere/



am 8. Januar 2009 um 22:38
Nun ja, der Wert eines Blogs bemisst sich nicht nur nach den aktuellen Einnahmen. Auch Reichweite und Marke spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle – letzteres ganz besonders.
Daß der zukünftige Betreiber natürlich auch die Leserschaft verjagen könnte, liegt in der Natur der Sache. Wenn ich heute VW übernehmen würde und plötzlich Autos nach chinesischem Standard baue, kommen mir auch vormalige treue Kunden abhanden.
Deine Aussage bzgl. der Werbeblocker kann ich voll und ganz unterstreichen! Mit anderen Worten: Die deutschen Web-Nutzer bekommen die Qualität, die sie verdienen. ^^
am 9. Januar 2009 um 05:39
> Dass gutes Bloggen sich nicht lohnt, liegt an der deutschen Krankheit des Internet: den Werbeblockern.
Sorry, aber das ist nicht regulierbar und was nicht rgulierbar ist, sollte man auch nicht zu regulieren suchen. Anzeigen und sog. Werbebanner müssen reichen, vielleicht noch Schleichwerbung. ;–)
Zur Analyse noch: Nutzer sind nicht bereit für Inhalte im Internet zu zahlen, ich zahle auch aus prinzipiellen Gründen nicht (ausser-prinzipiell wäre mir Dein Blog natürlich Geld wert), wenn also Blogs einen Marktwert haben wollen, geht das über Werbung, so wie es auch die „Großen“ machen, da gibts keinen prinzipiellen Unterschied, deren Popups und Javascript-Specials sind auch blockbar.
Ich spreche gelegentlich mal mit einem befreundeten Journalisten, da gehts wohl auch den Bach runter, LOL.
Weiterhin viel Erfolg!
ein treuer Leser
am 9. Januar 2009 um 08:27
Ich glaube es muss hier deutlich unterschieden werden zwischen Bloggern, die fast ausschließlich auf ihr Stammpublikum setzen und Bloggern, die sowohl Stammpublikum als auch Suchmaschinennutzer auf ihre Seiten locken. Stammnutzer sind sehr treu – sie kommentieren viel und halten die Seite am leben. Allerdings sind es diejenigen, die kaum oder gar nicht auf Werbebanner klicken. Außerdem sind sie gerade im Blogbereich diejenigen, die sich ganz gut im Internet auskennen und häufiger als der Durchschnitt mit Werbeblockern unterwegs sind. Suchmaschinennutzer können zu einem Stammpublikum werden, das ist allerdings nicht so häufig der Fall. Benutzer, die über Suchmaschinen kommen, interessieren sich für ein spezielles Thema – und verwenden relativ häufig keine Werbeblocker. Diese Nutzer klicken auch häufiger auf Anzeigen, weil diese zu ihrer Suchanfrage passen und sie sich die passende Antwort dazu erhoffen.
Selbstverständlich muss man bei einem Blog immer die Arbeitszeit fiktiv hinzurechnen und da machen Blogs in Deutschland definitiv noch keinen guten Schnitt. Selbst bei jemandem wie Robert Basic ist der Stundenlohn relativ niedrig und es muss auch am Wochenende gearbeitet werden. Die Leute verlassen sich einfach darauf.
So oder so sehe ich eine deutliche Entwicklung in Richtung Professionalisierung und auch Monetarisierung. Ich bin gespannt, was er für seinen Blog bekommen wird und es wird hoffentlich einigen Leuten Mut machen, sich mehr mit ihren Blogs zu beschäftigen, sich besser zu vernetzen und vor allen Dingen das Thema Blog in der Öffentlichkeit besser darzustellen.
am 9. Januar 2009 um 09:35
Werbung wird immer unbeliebter und irrelevanter, auch das Fernsehen wird das irgendwann schmerzhaft spüren. Insofern ist das, was du als Blogger-Krankheit diagnostizierst, lediglich der frühe Bote einer unaufhaltsamen Entwicklung. Die Geschäftsmodelle werden sich ändern (müssen).
am 9. Januar 2009 um 09:35
Zum Thema Werbung in Blogs: Persönliche Empfehlungen des Bloggers (z.B. per Amazon-Banner) sowie Werbung im Interessenfeld seiner Bezugsgruppe sind für mich okay. Was mich eher stören würde, wären völlig verselbstständigte Werbefenster. Und Vordergrund-PopUps sind natürlich eine Krankheit – diese stellen einfach eine Behinderung auf dem Weg zum Inhalt dar und wirken eher frustrierend als kaufanregend. Wenn schon PopUps sollen sie von mir aus hinter dem Fenster aufgehen. Wenn man mit dem Blog dann fertig ist, kann man sich dann noch, wenn man Lust hat, anschaun, was „die Sponsoren“ zu sagen haben.
am 9. Januar 2009 um 09:48
@TC Stahl: Die Markenbildung ist ja einer der Aspekte, die die Stabilität der Umsätze erst ermöglicht. Natürlich ist die bei Blogs immer fragwürdig, da die Marke eigentlich immer mit der Person des Bloggers identisch ist.
@2009: Ich will ja nichts regulieren, nur ein wenig für das Problem sensibilsieren.
@Alper: Das würde bedeuten, dass Blogs mit klarem Profil und hoher Leserbindung es noch schwerer haben als solche, die nur Suchmaschinenrelevantes Allerlei schreiben. Was das Problem noch verschärft.
@Fragezeichner: Wenn die Leser Werbung nicht akzeptieren und für Inhalte nicht bezahlen wollen, bleiben nicht mehr so viele Geschäftsmodell-Ansätze übrig, oder?
@Alexander: Die meisten Werbeblocker blocken auch Werbebanner und Amazon-Empfehlungen. Wenn das nicht so wäre, hätte ich auch gar kein Problem.
am 9. Januar 2009 um 10:03
Auch wenn ich den Blog von Robert Basic nie gelesen habe, habe ich seinen Namen doch schonmal gehört und bin über einen Spiegel-Bericht auf seinen Beitrag aufmerksam geworden, in dem er seinen Gedanken zu einem Verkauf freien Lauf lässt.
Ich kann ihn nicht verstehen, weil ich mit meinem Blog eine ganz andere Philosophie verfolge. Ich will mit meinem Blog Spaß haben, meinen Horizont erweitern, andere auf Probleme aufmerksam machen, die mich beschäftigen. Eine kommerzielle Nutzung wird für mich keine Rolle spielen. Ich kenne mich: wenn ich unter irgendeinem Zwang schreibe (z.B. Klicks zu generieren, zeitlicher Druck etc.), dann leidet darunter auch die Qualität der Beiträge.
Abgesehen davon gebe ich dir grundsätzlich recht, das so gut wie jeder Blog wertlos ist – wenn er aufhört, ist auch seine Marke, sein Blog-Name nichts mehr wert.
am 9. Januar 2009 um 10:07
Jörg, ich glaube schon, dass Leute bereit sind zu zahlen, wenn es einfach genug ist. Vielleicht nicht für einzelne Blogs, aber für bereits vor-gefilterte Artikel verschiedener Medien inclusive Blogs. Ich würde zum Beispiel für ein Abonnement aus Spiegel, FAZ, FR und Zeit bezahlen oder für alle guten Tech-Blogs. Aber nicht für alle einzeln.
am 9. Januar 2009 um 10:10
@Fragezeichner: Wenn Jörg schon das Privatfernsehen anspricht – das ist ja dann wie Pay-TV, wo man verschiedene Anbieter im Paket kauft. Aber ob das auf die Blogosphäre umgemünzt werden kann? Ich weiß nicht …
am 9. Januar 2009 um 12:14
@Roman: Klar, wir kleinen Blogger brauchen kein Einkommen aus der Bloggerei. Aber bei manchem ist der Aufwand fürs Schreiben eines Blog-Artikels wahrscheinlich so hoch, dass er es kaum noch als Hobby betreiben kann (Ob das bei Robert Basic der Fall ist, kann ich nicht einschätzen) dass er schon darüber nachdenken muss, ob er ein wenig Aufwandsentschädigung aus seinem Blog bekommt.
@Fragezeichner: Es gibt so viele kostenlose Angebote, auch die Zeitungen liefern ja inzwischen sehr viel Inhalt „frei Haus“, da glaube ich nicht, dass irgendein direktes Bezahlmodell im Internet eine Chance hat.
am 9. Januar 2009 um 12:28
Ola!
Es mag Ausdruck meiner kindlichen Naivität sein, aber ich glaube, dass noch immer die überwiegende Mehrheit der Blogger aus Interesse an einem Thema oder Geltungssucht oder schlicht Spaß öffentlich Tagebuch schreibt.
Wer bei einem „Hobby“ nach dem Stundenlohn fragt, zeigt für meinen Geschmack einen Hauch zu viel verinnerlichten Kapitalismus.
Sicher hat auch Robert Basic so begonnen… Ob und wann sich das in ein „lass ma Kohle machen, ich hab an der Sache keinen Spaß mehr“ gewandelt hat, wird nur er wissen.
Ich bin übrigens ohne Werbeblocker unterwegs und komme mit den meisten Werbemitteln ganz gut zurecht. Immerhin ist das Gehirn ein sehr geübter Filter
Was garnicht geht, ist Werbung die Krach macht und Pop-Ups. Seiten, die sich so finanzieren wollen, meide ich soweit möglich.
Mit hanfigen Grüßen
Steffen
am 9. Januar 2009 um 16:05
[…] von 37.000 Euro im Jahr so zu halten sind. Abschließend sei noch auf einen interessanten Artikel zur Ökonomie von Blogs von Jörg Friedrich […]
am 9. Januar 2009 um 18:18
@Jörg:
> Wenn die Leser Werbung nicht akzeptieren und für Inhalte nicht bezahlen wollen, bleiben nicht mehr so viele Geschäftsmodell-Ansätze übrig, oder?
Da ist was dran, wenn ich die „Spitzenblogger“ richtig verstehe, dann versuchen die nett zu sein, zu informieren breit und halten sich mit Wertungen eher zurück; so wie es auch die kommerziellen ehemaligen Printmedien im Web tun. So soll vermutlich die Besucherrate gesteigert werden, bei Robert klappt das ganz gut, vermutlich hat der auch Leser, die schon mal auf Werbebanner klicken.
Das Internet, das so zu sagen jeden mit jedem verbindet, lässt natürlich Raum für Geschäftsmodelle, die wir noch nicht kennen. Bzw. die ich nicht kenne, Google ist ja recht schlau und _vermittelt_ Inhalte und addiert kleinste Wertschöpfungen.
Inhalte selbst sind leider (bzw. zum Glück ;–) wirtschaftlich fast wertlos. Waren das früher Zeiten als man sich bspw. den SPIEGEL gekauft hat oder den Werbeblock vor der Tagesschau aushalten musste! Oder das Herumgestochere in Bibliotheken, das Wälzen der oft schweren Bücher, LOL.
am 9. Januar 2009 um 21:53
@Jörg: Das hatte ich natürlich nicht bedacht, das der Aufwand zum Teil auch mit Kosten verbunden sein könnte, richtig. Aber da sind wieder die beiden unterschiedlichen Philosophien – das würde ich nie machen bei meinem Blog, Geld in einen Artikel reinstecken. Es sei denn ich gewinne im Lotto und ein Thema wird zur Leidenschaft. Kritische Beiträge über die CSU sind schon so eine Art Leidenschaft – jetzt fehlt nur noch der Lottogewinn!
@Steffen Geyer: Volle Zustimmung.
am 10. Januar 2009 um 00:58
[…] im Blog von Jörg Friedrich gefunden, der die Auktion zum Anlass nimmt, sich Gedanken über Die Ökonomie der Blogosphäre gemacht hat: was ist ein Blog eigentlich wert und lohnt sich bloggen aus kommerzieller […]
am 10. Januar 2009 um 03:05
@roman:
Zu „…das würde ich nie machen bei meinem Blog, Geld in einen Artikel reinstecken…“ Zeit und Geld sind konvertibel, Du würdest das auch machen.
:–)