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Jörg Friedrich


Ein Gleichnis

03. Januar 2009 Kategorie: Philosophie |

Einer Gruppe von Mathematik-Studenten wird ein Stapel Texte aus einem Internet-Literatur-Forum vorgelegt. Ihnen wird die Aufgabe gestellt, diese nach einem selbst ermittelten Kriterium in zwei Kategorien einzuteilen.

Der erste Student untersucht die Textlänge. Er stellt fest, dass es eine Häufung bei ca. 300 Zeichen und eine bei ca. 5000 Zeichen gibt und unterteilt deshalb die Texte in
1. Texte mit weniger als 1000 Zeichen
2. Texte mit mehr als 1000 Zeichen

Eine Studentin ermittelt, dass es Texte gibt, in denen kaum betonte Silben aufeinanderfolgen, deshalb unterscheidet sie in
1. Texte, in denen der Quotient zwischen der Zahl der Fälle, in denen betonte Silben aufeinander folgen und der Zahl der Silben insgesamt unter 0,1 liegt.
2. alle anderen Texte

Der nächste Student stellt fest, dass es Texte gibt, bei denen die Zahl der Worte pro Absatz gering ist und solche, bei denen diese Zahl sehr hoch ist. Er unterscheidet in
1. Texte mit weniger als 15 Worten pro Absatz
2. Texte mit mehr als 15 Worten pro Absatz

Eine Studentin liest die Texte und bemerkt, dass es Texte gibt, die eine Situation oder einen Moment beschreiben und solche, in denen eine Handlung oder Entwicklung zu verzeichnen ist. Sie unterscheidet in
1. Momentaufnahmen
2. Handlungsbeschreibungen

Die Studenten vergleichen ihre Ergebnisse und stellen fest, dass sie trotz unterschiedlicher Kriterien die Texte zu 90 % in die gleichen Kategorien eingeordnet hatten.

Da kam ein Literaturprofessor des Wegs, nannte die erste Kategorie Lyrik und die zweite Prosa.


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2 Kommentare to “ Ein Gleichnis ”

  1. # 1 Silberlöffelmitmessinglegierung schreibt:

    > Da kam ein Literaturprofessor des Wegs, nannte die erste Kategorie Lyrik und die zweite Prosa.

    LOL – erinnert an die Glühbirnengeschichte mit den Ingenieuren.

  2. # 2 julius schreibt:

    „1. Texte mit weniger als 15 Worten pro Absatz“
    Wörter, nicht Worte! *klugscheiss, duck und weg…*

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