Jörg Friedrich


Archive for Dezember, 2008

(K)eine Weihnachtspause

Dezember 21, 2008 By: Jörg Category: Privates | 1 Comment →

Ich werde mich nun wieder einmal für 2 Wochen aus dieser unruhigen Welt in die Einsamkeit Norwegens zurückziehen. Aber in diesem Jahr geht das Leben in meinem Blog weiter. Ich habe in meinen Texten aus der Zeit vor den Blogs gekramt und ein paar Überraschungen herausgesucht, die hier, ganz automatisch, in den nächsten zwei Wochen erscheinen werden. WordPress machts möglich.

Allen Lesern und natürlich allen Kommentatoren und allen Nachbarn in der Blogwelt wünsche ich nun ein wunderschönes Weihnachten und einen gelungenen Start ins Jahr 2009.

Gibt es Wetterfronten?

Dezember 19, 2008 By: Jörg Category: Philosophie | No Comments →

Die Frage, ob es Wetterfronten gibt, mag seltsam anmuten. Morgens spricht der Meteorologe im Radio über die Kaltfront, die über uns am Nachmittag hinwegziehen soll, und nachmittags gibt es dann Schauer, Wind, und es wird kalt. Im Internet können wir beobachten, dass dieses schlechte Wetter sich wie ein Band über das Land legt und von Westen nach Osten über uns hinwegzieht.

 

Die Wetterfronten sollen hier als Beispiel genommen werden, weil wir sie täglich erleben und damit selbstverständlich umgehen. Wissenschaftler versuchen oft, die Realität von Dingen, die uns selbstverständlich erscheinen, hinwegzutheoretisieren. Andererseits behaupten sie die Existenz von Dingen, die wir nicht sehen, um uns das erklären zu können, was wir wahrnehmen. Auf die Wetterfronten trifft eigentlich beides zu, das macht sie interessant. (weiterlesen …)

Wieder lesen

Dezember 18, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 2 Comments →

„Jedes Mal, wenn wir ein Buch lesen,“ schrieb Jorge Luis Borges in seinem Essay, „hat sich das Buch verändert, das Beziehungsgefüge der Wörter ist ein anderes… Wenn wir ein altes Buch lesen, so ist es, als läsen wir die gesamte Zeit, die seit dem Tag seiner Niederschrift verstrichen ist.“

Es ist ein paar Wochen her, dass ein Satz, eine kurze Frage, eine Erinnerung in mir weckte, fast verschüttet schon, eine Erinnerung, nach deren Herkunft man erst suchen muss, deren Quelle sich erst allmählich zu erkennen gibt. Jemand sagte „Verstehst du das, Robert?“ und da weder ich noch irgendein Anwesender auf diesen Namen hörte, wurde der Satz zur Formel, die auf etwas entfernt Vertrautes verwies. (weiterlesen …)

Zeit der Rituale

Dezember 16, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft | No Comments →

Etwa Anfang Dezember beginnt jedes Jahr die Zeit der Rituale. Es geht ganz nebensächlich los, mit der ersten Adventskerze oder dem Nussknacker auf dem Kaminsims. Dann folgen die ersten Wünsche zu „frohen Weihnachten“ und zum „guten Rutsch“ und die betriebliche Weihnachtsfeier naht. Zwei ritualisierte Höhepunkte hat das Jahr: den heiligen Abend kurz vor Schluss und die Umarmung zum „glücklichen neuen Jahr“ ganz am Anfang. In der subjektiven Wahrnehmung schieben sich all diese kleinen Gewohnheiten, die mit den ritualisierten „guten Wünschen“ irgendwann Mitte Januar enden, zusammen zu einem einzigen Kult, mit dem wir uns unserer guten Absichten und unserer Gemeinsamkeiten mit wildfremden Menschen versichern
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Der Tag, an dem das Kino stillstand

Dezember 14, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft | 1 Comment →

Remakes haben auch etwas Gutes: Man kann darüber nachdenken, was unsere Gegenwart von der Zeit unterscheidet, als die erste Auflage einer Geschichte erschienen ist. Sicher, in den 1950er Jahren hat die Story funktioniert, und bis in die 1980er hinein hätte man sie immer noch ohne große Änderungen am Drehbuch inszenieren können: Viele glaubten damals, die Menschheit wäre drauf und dran, sich selbst zu vernichten und den ganzen Planeten atomar zu verseuchen, unbewohnbar zu machen für alle Lebewesen.

Die Gefahr eines Atomkrieges ist heute aber nicht mehr ganz so hoch, und die Gefahren, die der Menschheit durch ihr eigenes Handeln entstehen, sind andere: Klimawandel und Umweltverschmutzung. Und da wird so ein Film über Außerirdische, die die Erde vor den Menschen retten wollen, eben doch sehr unplausibel. (weiterlesen …)

Ritalin und Adderall: Viagra fürs Gehirn

Dezember 13, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft | 5 Comments →

Vielleicht begann alles mit Viagra: Die Idee, die Leistungen ganz normaler gesunder Menschen durch Erzeugnisse der Pharma-Industrie zu steigern, begann beim Sex. Vorher war das Doping den Sportlern und Künstlern vorbehalten.

Nun wird eine weitere Seite des Menschlichen Leistungsspektrums in Angriff genommen: Wissenschaftler wollen, wie nature in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, die Leistungsfähigkeit des Gehirns durch Einsatz von Erzeugnissen der pharmazeutischen Industrie voran bringen. „Cognitive Enhancement“ ist das Zauberwort.

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Es gibt keinen Trend

Dezember 10, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft | 7 Comments →

Warum nur wollen alle Menschen in die Zukunft schauen, woher kommt dieser Hang, Behauptungen über die Trends der Zukunft aufstellen zu wollen? Gerade am Jahresende schießen die Prognosen für das nächste Jahr wieder einmal wie Pilze aus dem matschigen Boden der Gegenwart. Sogar die Avantgarde des Web 2.0 macht – ganz im Stile der alten Republik, Podiumsdiskussionen über die Trends des nächsten Jahres, auch wenn das Ergebnis dann die hellseherische Prognose ist, dass es im nächsten Jahr keine neuen Trends gibt – eine Behauptung, die genauso lächerlich ist wie die Prognose, dass im nächsten Jahr alles anders sein wird als im vergangenen. (weiterlesen …)

Konjunkturpaket zum Fest?

Dezember 08, 2008 By: Jörg Category: Wirtschaft | 7 Comments →

Schon die Bildsprache der Politiker ist erstaunlich Pakete sollen „geschnürt“ werden, die die Wirtschaft „ankurbeln“. Schwer vorstellbar, so ein gut verschnürtes Paket, mit dem man dann etwas ankurbelt, fraglich auch, warum das Schnüren beim Kurbeln hilfreich sein soll.

Dem „Schnüren“ und dem „Ankurbeln“ ist eigentlich nur das kraftvolle Zupacken gemeinsam, und das ist es wohl auch, was blumig redende Politiker zu diesen Metaphern greifen lässt. Davon abgesehen ist das Pakete-Schnüren eine ziemlich fragwürdige Sache, schließlich zieht man die Bänder um die Verpackungen vor allem deshalb straff, damit es schwer sei, an die einzenen Inhalte heranzukommen, oder man bindet auffällige Schleifen um über den nicht ganz so wertvollen Inhalt hinwegsehen zu lassen, um deutlich zu machen, dass das, was da verschenkt wird, vor allem von Herzen kommt, auch wenn der Gebrauchswert vielleicht nicht ganz so gewaltig ist. (weiterlesen …)

Der Untergang der englischen Sprache

Dezember 04, 2008 By: Jörg Category: Kultur | 5 Comments →

Wieder einmal ist die Frage gestellt worden, ob die deutsche Sprache nicht besser geschützt werden müsste (siehe z.B. die Beiträge von Roman Möller und bei Coffee & TV). Sie wird, so meint man, von Anglizismen überschwemmt, auch die Rechtschreibung und die Grammatik werden immer mehr der angeblich einfachen englischen Sprache angeglichen und von unserer schönen deutschen Sprache der Dichter und Denker bleibt bald nichts mehr übrig.

Tatsächlich erleben wir derzeit, dass viele englische Wörter ins Deutsche übernommen werden. Dafür gibt es viele Gründe, einer mag sein, dass die Kultur, die im Moment von vielen Menschen in unserem Land gelebt wird, durch englischsprachige Länder geprägt ist und dass mit der Annahme kultureller Aspekte auch die Übernahme von Sprachelementen einher geht. (weiterlesen …)

Identität zum Selbermachen?

Dezember 03, 2008 By: Jörg Category: Gesellschaft | 8 Comments →

Seine Identität kann der Mensch frei wählen, meint A. Sen in seinem Buch „Die Identitätsfalle. Warum es keinen Kampf der Kulturen gibt“ (englisches Original: „Identity and Violence. The Illusion of Destiny“). Das Buch ist als als kritische Antwort auf Samuel Huntingtons „Kampf der Kulturen“ (engl. Original: „The Clash of Civilizations“) geschrieben worden und soll zeigen, dass es schon deshalb keinen Kampf der Kulturen gibt, weil jeder Mensch seine Identität nicht allein über seine (zudem religiös bestimmte) Kultur bezieht sondern dass wir alle unsere jeweilige Identität aus vielen Gruppenzugehörigkeiten bestimmen und dass wir diese Zugehörigkeiten und damit unsere Identitäten weitgehend frei bestimmen können. Der Kampf der Kulturen kann vermieden werden, wenn die Menschen sich dieser Tatsache bewusst werden, während er unvermeidlich ist, wenn diejenigen, die die Menschen unter einer jeweils bestimmenden Kultur zu einigen versuchen, die Oberhand gewinnen.

 

Meine folgenden Überlegungen sollen nicht als Entscheidungsvorschlag gelesen werden, ob Huntington oder Sen „Recht hat“. Mir geht es nur um die Frage, ob eine Welt realistisch vorstellbar ist, in der die Menschen tatsächlich ihre Identität frei wählen. Gerade im Zusammenhang mit der Diskussion um „virtuelle Identitäten“ wird zunehmend der Eindruck erweckt, dass das Internet ein solcher „Ort“ sein könnte. Zusammen mit Sens Argumentation könnte man die verführerische Vision entwickeln, dass das Internet sozusagen der Inkubator für eine neue Friedensbewegung im Kampf der Kulturen wird, dass die virtuellen Identitäten der digitalen Boheme sozusagen die Wehrdienstverweigerer des großen Krieges der Zivilisationen sind.

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