Jörg Friedrich


Zeit der Rituale

16. Dezember 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Etwa Anfang Dezember beginnt jedes Jahr die Zeit der Rituale. Es geht ganz nebensächlich los, mit der ersten Adventskerze oder dem Nussknacker auf dem Kaminsims. Dann folgen die ersten Wünsche zu „frohen Weihnachten“ und zum „guten Rutsch“ und die betriebliche Weihnachtsfeier naht. Zwei ritualisierte Höhepunkte hat das Jahr: den heiligen Abend kurz vor Schluss und die Umarmung zum „glücklichen neuen Jahr“ ganz am Anfang. In der subjektiven Wahrnehmung schieben sich all diese kleinen Gewohnheiten, die mit den ritualisierten „guten Wünschen“ irgendwann Mitte Januar enden, zusammen zu einem einzigen Kult, mit dem wir uns unserer guten Absichten und unserer Gemeinsamkeiten mit wildfremden Menschen versichern

Rituale sind ja mehr als Gewohnheiten, sie halten uns in der Gemeinschaft. Auch zum abendlichen Zähneputzen sagen wir manchmal, das sei ein Ritual, oder zum Kaffee am Morgen. Aber das sind nur Gewohnheiten, die brauchen wir zwar auch, um durchs Leben zu kommen, sie haben nicht viel mit unserer Verankerung in der Gemeinschaft zu tun. Mit Ritualen halten wir uns an anderen fest, und dieses Halten funktioniert, wie die anderen damit ebenso ritualisiert umgehen. Wenn nicht, fühlt man sich einsam.

In diesem Sinne wünsche ich nun allen Lesern dieses Blogs eine besinnliche Adventszeit, frohe Weihnachten, einen guten Rutsch ins Neue Jahr und ein glückliches 2009.


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