Konjunkturpaket zum Fest?
Schon die Bildsprache der Politiker ist erstaunlich Pakete sollen „geschnürt“ werden, die die Wirtschaft „ankurbeln“. Schwer vorstellbar, so ein gut verschnürtes Paket, mit dem man dann etwas ankurbelt, fraglich auch, warum das Schnüren beim Kurbeln hilfreich sein soll.
Dem „Schnüren“ und dem „Ankurbeln“ ist eigentlich nur das kraftvolle Zupacken gemeinsam, und das ist es wohl auch, was blumig redende Politiker zu diesen Metaphern greifen lässt. Davon abgesehen ist das Pakete-Schnüren eine ziemlich fragwürdige Sache, schließlich zieht man die Bänder um die Verpackungen vor allem deshalb straff, damit es schwer sei, an die einzenen Inhalte heranzukommen, oder man bindet auffällige Schleifen um über den nicht ganz so wertvollen Inhalt hinwegsehen zu lassen, um deutlich zu machen, dass das, was da verschenkt wird, vor allem von Herzen kommt, auch wenn der Gebrauchswert vielleicht nicht ganz so gewaltig ist.
Da passt das etwas altmodische Bild vom Ankurbeln schon besser zu dem, was man Politikern gutwillig als Motiv ihrer Wirtschaftspolitik unterstellen möchte. Dem Motor durch einmalige Kraftanstrengung Schwung verleihen, auf dass er sodann aus eigener Kraft dauerhaft weiterlaufen möge.
Mit Autos, die eine Kurbel haben, tun wir dergleichen schon lang nicht mehr, aber manch einer, der einen Benzingetriebenen Rasenmäher besitzt, kennt diese Aktivität. Und man weiß: das Reißen am Starter, das dem Ankurbeln recht nahe kommt, wird nur dann den gewünschten Effekt zeigen, wenn Benzin im Tank ist, wenn der Vergaser nicht verdreckt ist und das ganze Gerät auch sonst in einem leidlich guten Zustand ist. Ist das nicht der Fall, dann ist die Entäußerung der schnöden Muskelkraft vergebene Liebesmüh und bald ist auch der stärkste Mannesarm erschöpft.
Vielleicht hat Frau Merkel ihrem Mann schon manches Mal beim vergebliche Versuch, einen Rasenmäher in Gang zu setzen beobachtet, während der Franzose Sarkozy vermutlich einen atomstrombetriebenen elektrischen Rasenmäher besitzt. Daher wohl sein Optimismus und ihre Skepsis hinsichtlich der Erfolgschancen meim Ankurbeln der europäischen Wirtschaft: Wenn der kein Benzin im Tank ist oder der Motor gar defekt ist, ist Ankurbeln reine Kraftverschwendung. Da kann es besser sein, sich den Schaden erst einmal genau anzusehen und etwas länger zu überlegen, was der richtige Weg ist, das Maschinchen wieder zum Tuckern zu bringen.
Leider spricht Frau Merkel nicht über die Gründe ihres Zögerns. Sie schaut auf das stotternde Gefährt, kratzt sich hinterm Ohr und schweigt. Wir wüssten aber schon gern, ob sie schon eine Idee hat, wie der Schaden zu beheben ist, oder ob sie wenigstens jemanden kennt, der sich mit solchen Maschinen auskennt. Immerhin scheint sie zu wissen, dass Politik sich schon oft verhoben hat, wenn sie meinte, durch ein paar Tropfen Öl oder energisches Reißen am Gashebel würde das Getriebe wieder flott. Ein paar Steine kann sie vielleicht aus dem Weg räumen, den einen oder anderen Staubkorn aus dem Getriebe blasen auch.
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am 9. Dezember 2008 um 08:01
Da kann es besser sein, sich den Schaden erst einmal genau anzusehen und etwas länger zu überlegen, was der richtige Weg ist, das Maschinchen wieder zum Tuckern zu bringen.
Du sagst es – und nimmst es mit dem Folgesatz gleich wieder zurück.
Ich finde es geradezu richtig, ein paar Wochen zu warten und zu beobachten. Um dann die verfügbaren Mittel wirksamer einzusetzen.
am 9. Dezember 2008 um 10:12
Es wird jedenfalls interessant sein zu beobachten, wer erfolgreicher dabei sein wird, ihr/sein Land durch die Krise zu bringen – Merkel oder Sarkozy. Das ist eine seltene Gelegenheit, unterschiedliche Ansätze von Wirtschaftspolitik zu vergleichen.
am 9. Dezember 2008 um 12:20
Die Gründe für das Zögern Merkels könnten im ökonomischen Restverstand liegen, die die Unionsparteien mit sich tragen.
Zum einen ist es einfach nicht möglich durch staatliche Massnahmen eine Resession zu meiden bzw. konjunkturelle Entwicklungen aufzuhalten, _sofern_ Nachhaltigkeit, also Mittel- oder Langfristigkeit, eine Rolle spielt (d.h. bis zur nächsten Wahl in 2009 liesse sich schon ein Strohfeuer entfachen, allerdings wg. der Schwere der Krise mit massivem Aufwand, sprich Kreditaufnahmen), zum anderen muss einem Maßnahmenkatalog eine Analyse vorausgegangen sein, die die Probleme versteht und adressiert.
Diese liegt nicht vor, d.h. sie liegt im deutschen Sprachraum nicht vor, interessierte Leser verweise ich gerne auf folgende Inhalte:
http://en.wikipedia.org/wiki/Community_Reinvestment_Act (leider, leider kein Beitrag hierzu in der D-Wiki)
http://www.city-journal.org/html/10_1_the_trillion_dollar.html
(ein früher Text (2000 ;–), nicht gänzlich geprüft, aber es gibt im Web genug (englischsprachigen) Stoff)
Wie (fast) immer ein schöner Text und eine schöne Betrachtung Fr.Merkels!
PS:
„Das ist eine seltene Gelegenheit, unterschiedliche Ansätze von Wirtschaftspolitik zu vergleichen.“ – Der war gu-ut, LOL.
Halten wir einfach fest, dass eine Blase geplatzt ist, die Märkte regulieren halt immer ein wenig. Nichtstun wäre jetzt vermutlich die beste Line.
am 9. Dezember 2008 um 23:16
Die Märkte sind sosehr staatlich reguliert, dass pures Nichtstun sicher auch falsch ist. Das, wogegen ich mich wende, ist das sinnlose Gezerre an irgendwelche Hebeln. Der Staat könnte sich möglicherweise einfach als Nachfrager betätigen – Investitionsbedarf gibt es genug. Das Problem ist, dass in besseren Zeiten kein Geld zurück gelegt wurde, das man jetzt ausgeben könnte.
am 10. Dezember 2008 um 04:23
Der Staat hat sich eben schon in früheren Zeiten in dem von Dir beschriebenen Sinn betätigt, und zwar mit der Begründung, dass „Nichtstun sicher falsch ist“. Jetzt fehlt die Kohle für willybrandtsche Vorgehensweisen.
Die Regierung muss die Rahmenbedingungen, also die wirtschaftliche Infrastruktur, entwickeln und pflegen. Hier liegt der Hund begraben: Die extensive Sozialstaatlichkeit (unsereins würde die Bedürftigkeit bearbeiten ohne viel Überbau und „Gerechtigkeit“), die grundsätzliche Feindschaft zu energieerzeugenden Anlagen und die Freude an der Regulierung haben die Entstehung der derzeitigen Krise in D begünstigt (die als Krise der vertrauensseeligen Landesbanken begann).
Interessant ist auch das Weiterdenken, also kann ein dem. Regierungssystem das Wirtschaftssystem dermassen verhunzen, dass die Wirtschaft nicht mehr funktioniert und das System der Marktwirtschaft (und der Demokratie und der Freiheit) aus den Fuigen gerät oder sind die Kräfte der freien Kooperation in jedem Fall stärker?
Ich bin dbzgl. optimistisch, wichtig aber, dass jetzt Fr.Merkel den Bogen nicht überspannt und durch hohe Kreditaufnahme und wahnwitzige Programme (200 Mrd. EURO will die EU raushauen, etliche Mrd. die Bundesreg.) die Marktwirtschaft und den EURO-Raum destabilisiert.
Die Probleme in Greichenland, das eine schwere wirtschaftliche Krise hat(eigentlich immer hatten, aber früher konnten die noch über Gelddrucken und Inflation Dampf ablassen), spielen hier hinein. Die EU ist wesentlich schwieriger skalierbar. Übrigens sind auch die pol. motivierten Leitzinssenkungen des Hr.Trichet problematisch, manche meinen man müsste Geldknappheit erzeugen. Japan bspw. hat seit Jahrzehnten sehr niedrige Leitzinsen (und eine schwach laufende Wirtschaft).
am 11. Dezember 2008 um 14:59
Ach so, ein Sarkozy:
„Nichtstun würde noch mehr kosten.“
am 15. Dezember 2008 um 17:10
@ Jörg
Danke für ein Statement ohne Alarmgeschrei!!
Ich bin bei Jürgen #1! Und trotzdem sollten Merkel/Steinbrück sich besser verkaufen und erklären warum, wieso, weshalb!
Meine Meinung: Es waren „Experten“ und andere Länder, die uns gezeigt haben, wie Deregulieren geht … jetzt sind es „Experten“ und andere Länder, die uns zeigen, wie „Retten“ geht! F… the „experts“!
Man braucht kein Prophet zu sein – und ich halte jede Wette – dass nur an den Symptomen herumgedoktert wird und die Ursachen relativ unbehandelt bleiben!!
Und was für F gut sein kann(!? – stellt sich noch heraus), muss nicht für GB, B oder D gut sein können(dto.).
@ Fragezeichner #2
meinst Du: Kurzfristig?, oder in 2-5 Jahren? ‚mal eben mit dem Kärcher ‚reinhalten?, oder neu fliesen?
Grüße
Vogel
Frage an Jörg: Was muss man machen um Auslassungszeichen am Wortanfang zu kriegen statt ungewollter Komma? Am Wortende funktioniert’s immer!