Jörg Friedrich


Tanztheater als Spiegel der Gesellschaft?

28. November 2008 Kategorie: Kultur |

Vielleicht will das Tanztheater Münster ein Spiegel der Gesellschaft sein, vielleicht gestalten die Tänzerinnen und Tänzer um Daniel Goldin ihre Rollen so, wie sie ihr Leben sehen.
Sie sind jung, sie sind sportlich, sie sehen gut aus – und sie sind allein.
Auch wenn es Momente gibt während der anderthalbstündigen Aufführung, in denen alle acht Mitwirkenden auf der Bühne sind und ein buntes Durcheinander vortäuschen, ist jeder von ihnen offenbar allein, mit sich beschäftigt, und kaum auf das bezogen, was die anderen tun. Nur kurz kommt es zu gemeinsamen Bewegungen von zwei oder drei Personen, ein Gleichklang, der kurz sichtbar wird, um nach Sekunden wieder zu zerfallen.
Und wenn tatsächlich einmal ein Paar sich findet, dann fragt sich der Zuschauer, ob die Bewegungen zuneigend oder anstoßend sind, ob da Annäherung oder Distanzierung passiert. Berührungen gibt es kaum, Liebkosungen bleiben auf Abstand. Sehnsucht nach Nähe wird von der Angst vor dem unbekannten Anderen in Schach gehalten.
Ballett, das war früher Paartanz und synchrone Gruppenbewegung. Im heutigen Tanztheater ist das unmöglich geworden.


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