Die SPD weint Wolfgang Clement keine Träne nach
„Reisende soll man nicht aufhalten“ so lassen sich heute, am dem Tag, an dem Wolfgang Clement die SPD verließ, führende Genossen zitieren. Das klingt schon ein bisschen nach SED-Zentralorgan, die älteren werden sich erinnern, im Frühjahr 1989 ließen die alten Männer vom Politbüro angesichts von tausenden DDR-Flüchtlingen verlautbaren, sie „weinten ihnen keine Träne nach“.
Die Stimme von Müntefering verrät etwas anderes, Resignation und Trauer kann man hinter der scheinbaren Festigkeit heraushören. Hier wird dann auch der große strukturelle Unterschied zwischen SED und SPD sichtbar. Angesichts von Globalisierung und Krisen radikalisiert sich die SPD-Basis nach links und lässt ihre klassisch sozialdemokratischen Spitzenleute allein.
Was wird aus der politischen Landschaft in Deutschland, wenn es keine sozialdemokratische Partei mehr gibt? Natürlich – auch die CDU hat einen sozialdemokratischen Flügel, und ein bürgerlicher Sozialdemokrat kann auch in der gleichen Partei sein wie ein sozialdemokratischer Konservativer – aber die ganze Breite der Wählerschaft erreicht man so nicht. Wen wird der Bochumer Arbeiter und der Berliner Student in Zukunft wählen können?
Sagen wir es positiv: Es wird spannend.
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am 28. November 2008 um 14:04
Trotz deren unterschiedlichen politischen Ausrichtungen hat mich der Austritt sofort an den von Oskar Lafontaine erinnert. Auch wenn der SPD vielleicht auf dem ersten Blick der Austritt nicht weh tut, signalisiert sie doch ein Zerbrechen der Partei.
Links klaut die Linkspartei Stimmen und rechts bald Clement?
am 28. November 2008 um 21:17
Jörg, ob es ein Schisma zwischen links radikalisierter Basis und klassisch sozialdemokratischen Spitzenleuten gibt, das müssen wir erst noch sehen. (Höre ich aus der Formulierung eine leise Parteilichkeit des Autors?)
Strategisch ist die Situation für die SPD undankbar: Schröder hat ein schweres finanzielles Erbe von Dr. H.K. übernommen. Er setzt Hartz IV durch – und danach geht die SPD in die große Koalition und ist weiter für die Konsolidierung der Sozialsysteme verantwortlich – UND muss auch noch Kompromisse mit den Konservativen nach außen vertreten, die dem Bochumer Arbeiter und dem Berliner Studenten weh tun.
Der Bochumer Arbeiter hat aber im Schnitt einen recht weiten politischen Horizont und ein gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein. Berliner Studenten kenne ich im Moment leider nicht.