Andrea Ypsilanti und Barack Obama
Irgendwie kann man zwischen zwei Menschen immer ein paar Gemeinsamkeiten finden, um sie in einer Überschrift zusammen zu bringen. Und bei der SPD-Politikerin Andrea Ypsilanti, die heute hessische Ministerpräsidentin werden wollte und dem demokratischen Politiker Barack Obama, der heute amerikanischer Präsident werden will, ist das gar nicht so schwer.
Beide haben in den letzten Monaten all ihre Kraft auf das verwendet, was sie an diesem trüben Dienstag an die Macht bringen sollte. Beide haben öffentlich behauptet, dass sie diese Energie im Namen und für die Menschen aufbringen, die in ihrem jeweiligen Land „den Wandel wollen. Beide gehören offenbar zu Bevölkerungsteilen, die in der Politik jeweils bisher die Minderheit bilden, Andrea Ypsilanti als Frau und Barack Obama als Farbiger. Wir könnten noch weiter gehen und sagen, dass beide irgendwie „links“ sind und dass sie beide gegen einen als konservativ verschrienen weißhaarigen Herrn kämpften, aber das ist vielleicht gar nicht so wichtig.
Das sind wohl genügend Gemeinsamkeiten damit man die Frage stellen kann, warum für die Hessin die Chance zur Machtergreifung nun schon Vergangenheit ist während ihr amerikanisches Gegenstück mit berechtigtem Optimismus auf die Auszählung der Stimmen warten kann.
Eigentlich ist die Sache ganz einfach. Während Obama einen guten Wahlkampf gemacht hat und die Menschen offenbar begeistert und überzeugt hat, hat Ypsilanti im Frühjahr, als ihr Wahlkampf stattfand, nur Mittelmaß gezeigt. Anschließend hat sie dann zwar gekämpft, aber nicht mit demokratischen Mitteln, sondern mit Winkelzügen und sogar mit Lügen.
Als Wahlkämpferin ist sie eher mit George W. Bush zu vergleichen als mit Barack Obama.
Ihr hätte klar sein müssen, dass es in ihrer Partei noch ein paar Leute gibt, die so ein Spiel nicht mitmachen. Auch da hätte ein einfacher Vergleich genügt, und sie hätte gar nicht übern Teich schauen müssen, ein Telefonat mit ihrer Parteigenossin Heide Simonis hätte gereicht. Aber die Aussicht auf die Macht, auf die Chance, einmal im Ministerpräsidentensessel sitzen zu dürfen, trübt vermutlich die Urteilskraft. Da hat sie dann doch lieber in die Ferne geschaut und sich gedacht, dass der Bush doch auch keine Mehrheit hatte und trotzdem Präsident geworden ist, warum sollte sie so was nicht wenigstens im kleinen Hessen nachmachen können?
Nun ist der Traum ausgeträumt und wenn da jemand zu bemitleiden ist, dann sind es die hessischen Bürger. Nicht, weil sie nun weiterhin den angeblich ungeliebten Roland Koch ertragen müssen, sondern weil die Stagnation weitergeht. Und das ist auch das Schlimmste, was die SPD ihren Wählern angetan hat: Monate lang nichts als ein zähes Schauspiel auf Kosten eines zunehmend gelangweilten und genervten Publikums – mit einem zudem vorhersehbaren Ende – das noch nicht einmal diesen Namen verdient. Am Schluss wird wohl Koch sogar Ministerpräsident bleiben, das macht die Einordnung des Stückes nur noch schwerer. Für eine Komödie zu wenig Witz, für eine Tragödie zu wenig Dramatik, es ist ein Trauerspiel. Zum Glück gibt es Amerika.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/11/04/andrea-ypsilanti-und-barack-obama/



am 4. November 2008 um 22:59
@ Jörg
Ja!! Genauso isses!! Gaaaanz einfach!!
*lol* Die Intelligenz (Hä???), der (religiöse?) Eifer, die Intoleranz und Indolenz … alles passt!
Hätte Sie „nur“ Roland Koch „weghaben“ wollen (was für ein Programm!!) hätte es Alternativen gegeben, und Signale. Man nicht davon gehört, dass da irgend‘was anderes ernsthaft verfolgt worden wäre als die schwächste und problematischste Option von Allen. Hätte sie sogar linke Politik und Inhalte für die Menschen durchsetzen wollen (das wäre ein Programm gewesen!) hätten sich andere Optionen geradezu zwanghaft aufgedrängt!
Jenseits meiner generellen Meinung: Politik soll irgendwie ‚was mit Machbarem zu tun haben! Im Kreise von Frau Y weiß das wohl keiner!
Beste Grüße
Vogel
am 5. November 2008 um 00:47
[…] Andrea Ypsilanti und Barack Obama […]
am 5. November 2008 um 15:06
Die Alternative bestand darin sich irgendwie mit der CDU zu arrangieren, Koch wäre wohl in einer großen Koalition nicht zu halten gewesen und einen anderen Ministerpräsidenten aus CDU-Reihen zu akzeptieren. genau daran ist Ypsilanti gescheitert. An sich selbst.