Uros, Quechua und die weite Welt
In Peru ergeht an Touristen die dringende Bitte, bettelnden Kindern nichts zu geben. Kinder, die mit Betteln erfolgreich sind, gehen nicht zur Schule. Und dass jedes Kind die Schule besucht, ist eines der obersten Ziele peruanischer Politik.
Deshalb gibt es in Peru inzwischen in jedem Dorf, so abgelegen es sein mag, eine moderne Grundschule, in der ein anspruchsvoller Lehrplan vermittelt wird: Spanische Sprache (die Eltern sprechen oft nur die lokalen Sprachen wie Quechua) vom ersten Tag an, Mathematik, Biologie, Geographie,… Nach Abschluss dieser Grundschule besuchen die Kinder eine weiterführende Schule, die oft ein paar Dörfer entfernt oder in der nächsten größeren Stadt ist.

Nach Abschluss der Schule zieht es kaum einen jungen Menschen zurück in das heimatliche Dorf. Deshalb trifft man hier fast nur noch ganz kleine Kinder und alte Menschen. Niemand will mehr sein Leben in einem abgelegenen Hütten-Dorf ohne Kanalisation, Elektrizität und sauberes Wasser verbringen, das nur durch eine staubige Schotterpiste mit dem Rest der Welt verbunden ist. Die Jungen und Mädchen haben ein Stück der weiten Welt gesehen und wollen nicht darauf warten, dass diese Welt in ihrer abgelegenen Heimat angekommen ist, sie machen sich selbst auf den Weg.
Die Dörfer im Hochland und auf den Inseln im Titikaka-See werden aussterben oder sie werden ihr Aussehen in den nächsten Jahren dramatisch verändern. Traditionen werden in Vergessenheit geraten, statt Lehmziegelhütten werden Hotels aus Beton entstehen. Es mag den Touristen auf der Suche nach Inka-Folklore traurig stimmen, aber die Jugend Perus kann nicht gezwungen werden, im Museum zu leben, damit reiche Touristen aus dem Norden sich ein Gefühl von Ursprünglichkeit kaufen können.
Allerdings: So wie die Artenvielfalt in der Natur ist auch die kulturelle Vielfalt auf der Welt ein schützenswertes Gut, weil sie Voraussetzung für die kreative Bewältigung zukünftiger Herausforderungen ist. Ihre kulturelle Identität zu bewahren, das werden die Länder Lateinamerikas auch schaffen – schließlich wollen sie sich den Tourismus auch als Einnahmequelle erhalten.

Tourismusmagnete wie die schwimmenden Inseln der Uros und die Insel der strickenden Männer im Titikakasee zeigen wie es geht – auch wenn die Grenze zum Kitsch manchmal fließend ist – aber das ist sie bei Folklore-Darbietungen in Europa auch. Und jede Hütte der Uros hat inzwischen einen Fernseher – von einem Sonnenkollektor mit Strom versorgt. Das sieht lustig aus – aber es bringt den lateinamerikanischen Ureinwohner die große Welt ohne dass sie ihre kleine Welt aufgeben müssten.
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am 27. Januar 2009 um 22:28
Bitte schreiben Sie dazu das die heutigen Pseudo Uros nichts mit der orginalen Ethnie und Kultur der inzwischen ausgestorbenen Uros zu tun hat.
Man kann Kindern Schreibstifte und Hefte für die Schule schenken. Gesunde Früchte aber keine Süssigkeiten, denn der Zahnarzt ist für die meisten Peruaner fast unerschwinglicher Luxus.
Wenn man von südamerikanischer Kultur redet muss man auf gleichem Niveau gelebt haben dann kann man die traurigen Auswirkungen der Konquista in der heutigen Zeit erfahren. Den Südamerikanern ist meistens ihr eigenes Wohlergehen wichtig und dann kommt der Tourismus.
Grüsse aus Südamerika