Jörg Friedrich


Ein Artikel, vom Weg abgekommen

12. Juni 2008 Kategorie: Privates |

Einfach soll jede Theorie sein, sagen die Wissenschaftler, ohne zu vereinfachen. Es gibt offenbar zwei Varianten von „einfach“, die man gut unterscheiden muss, wenn man die Werke der Forscher betrachtet, es gibt einen feinen Unterschied in der Bedeutung des Adjektivs, den man auch dem Substantiv nur in einem Buchstaben ansieht: „Einfachkeit“ gegen „Einfachheit“.

An dieser Stelle gerate ich überraschend ins Stocken, da das Textprogramm, mit dem ich diesen Text schreibe, das Wort „Einfachkeit“ nicht kennt. Nicht einmal eine Korrektur zu „Einfachheit“ bietet es an. So werde ich, zum ersten Mal, einen Artikel für mein Blog nicht zu Ende schreiben können, ohne den Duden zu konsultieren (nebenbei: „Blog“ ist dieser Programmversion auch noch unbekannt und merkwürdiges wird zur Korrektur angeboten „Belog“ z.B., als ob je ein Blogger jemanden belogen hätte).

Natürlich werde ich auch die Google-Welt befragen um die Verwendung von „Einfachkeit“ und „Einfachheit“ in der Welt von heute zu prüfen. Ich erwähne dies nur, um beim Schreiben dieses nun irgendwie ganz aus der Spur geratenen Artikels überprüfen und feststellen zu können, dass auch „Google“ meiner Software unbekannt ist. An dieser Stelle habe ich den Menüpunkt „Info“ aufgerufen und festgestellt, dass ich mit Microsoft Word 2002 SP3 arbeite, im „Kleingedruckten“ finde ich die Information, dass die deutsche Rechtschreibprüfung (jedenfalls das Copyright) von 2000 stammt. Offenbar werden mit den Service-Packs keine neuen Wörter geliefert.

Soll ich auf das Thema des Artikels zurückkommen? Wo ist der Unterschied zwischen „Einfachheit“ und „Einfachkeit“, falls mich meine spätere Recherche nicht darüber belehrt, dass es letztere gar nicht gibt? Vielleicht sollte ich meine Frage schon einmal anders formulieren, um nicht Gefahr zu laufen, dass der ganze Text völlig sinnlos wird, wenn er an der Differenz zwischen zwei Worten hängt, von denen es das eine womöglich nur in meiner Phantasie gibt, die nur aus einem Buchstaben besteht? Wobei auch das ja ein interessantes Thema wäre: Wann sagt man „-heit“ und wann sagt man „-keit“? Gibt es da eine Vorschrift, eine Regel? Aber das ist eine germanistische Frage, keine philosophische, deshalb ist sie für mich zwar interessant, aber nur, wenn mir jemand anders eine – einfache – Antwort gibt.

Womit ich wieder beim Thema wäre: soll die Antwort einfach sein, oder simpel? Manchmal kann man sich die Worte wie in einem Bedeutungsspektrum aufgereiht vorstellen, und um die Differenz zwischen zweien sichtbar zu machen, kann man nach weiteren, etwas entfernteren Nachbarn suchen. „Primitiv – simpel – einfach – klar“ das wäre vielleicht so ein Spektrum.

Inzwischen habe ich allerdings meine Recherche zu „Einfachheit“ und „Einfachkeit“ durchgeführt, die die meisten Leser wahrscheinlich ohnehin inzwischen gemacht haben, und bin zu dem erschütternden Ergebnis gekommen, dass Google zur „Einfachheit“ immerhin 1,9 Mio. Einträge hat, während die Suchmaschine ganze 19.000 Einträge zu „Einfachkeit“ findet, wovon die meisten so merkwürdige Artikel sind, die nur sagen, dass es „Einfachkeit“ nicht gibt. Auch der Duden kennt das Wort nicht.

Damit ist der Artikel nun vollends vom Wege abgekommen, ich veröffentliche ihn trotzdem als mahnendes Beispiel, dass man nie vorschnell einen Gedanken auf der Differenz zweier Wörter in nur einem Buchstaben entwickeln sollte. Auf das, was ich eigentlich darstellen wollte, komme ich ein andermal zurück – versprochen.


Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/06/12/ein-artikel-vom-weg-abgekommen/

4 Kommentare to “ Ein Artikel, vom Weg abgekommen ”

  1. # 1 Julia schreibt:

    „Einfachkeit“ klingt falsch, finde ich. Gibt es dieses Wort wirklich? Nach der Rechtschreibreform würde mich ja gar nichts mehr wundern. Aber diese „-heit“ und „-keit“ -Wörter sind sich im Allgemeinen ähnlich. Hier wäre jetzt ein Sprachwissenschaftler gefragt! Zum baldigen Ende der Verwirrtkeit!

  2. # 2 D.Weber schreibt:

    „-keit, die; –, -en [mhd. -keit, Nebenf. von -heit, die sich aus der Abl. der Adj. auf -ig (mhd. -ec) entwickelt hat, z. B. mhd. ēwecheit, ēwekeit]: bildet mit bestimmten Adjektiven die entsprechenden Substantive, die dann einen Zustand, eine Beschaffenheit, Eigenschaft ausdrücken: Betriebsamkeit, Ganzheitlichkeit, Hagerkeit, Linkischkeit, Pulverigkeit, Wünschbarkeit.“
    Zitat Duden Universalwörterbuch

    Damit würde ich behaupten, beide Wörter hätten die gleiche Bedeutung und damit wäre Einfachkeit überflüssig und deshalb in der deutschen Sprache nur fälschlicherweise existent.

  3. # 3 Sky schreibt:

    Hmm, das ist doch Ergonomie, die deutsche Sprache ist – Ausnahmen bestätigen die Regel – ergonomisch.
    Übler schon die Gescghlechtlichkeit der Substantive oder die unregelmässigen Verben. Die Zeitformen harmonieren nicht (u.a. mit den Konjunktiven).
    Aus IT-Sicht ist Deutsch was „für die anderen“.

  4. # 4 Vogel schreibt:

    Hi Jörg,
    ich nutze gerne das DWDS (Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache des 20. Jh. Link: http://www.dwds.de/)
    Hier die Einträge zu E-heit und -keit:

    Einfachheit, die; –, -en /Pl. ungebräuchl./
    1. Schlichtheit: die E. der Kleidung; Sie war eine korpulente Dame mit … einem schwarz und hellgrau gestreiften Kleide ohne Schmuck, das Einfachheit und Bescheidenheit verriet Th. Mann 1,6 (Buddenbr.); die E. der Lebensweise, Kost; die E. eines Bauwerkes; eine klassische, spartanische, biblische, schöne, rührende E.
    2. Unkompliziertheit: die E. dieser Lösung, eines Tricks erstaunte alle; Wir knallten ihn dann der Einfachheit halber gleich ab Seghers 6,230 (Die Toten)

    und:

    Kein Eintrag für Einfachkeit gefunden.

    Bin ‚mal gespannt, was Du, wie versprochen, nachlieferst!

    Beste Grüße
    Vogel

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