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Jörg Friedrich


Tschingis Aitmatov ist tot

11. Juni 2008 Kategorie: Kultur |

Nun sprechen wieder alle über Djamila, die Erzählung, die ein anderer Schriftsteller einmal „eine der schönsten Liebesgeschichten der Welt“ genannt hat. Dabei ist diese Erzählung, auch wenn sie der jungen Aitmatov weltberühmt gemacht haben mag, ein ganz untypisches Werk für den Kirgisen, eher eine Ausnahme in seinem Schaffen.

Aitmatov hat uns die menschliche Natur von ihrer erschütternden, von ihrer furchtbarsten Seite gezeigt. Und er hat uns dabei nichts erspart, schon in der frühen Erzählung „Der weiße Dampfer“ nicht, und schon gar nicht in den Romanen „Ein Tag länger als ein Leben“ und „Die Richtstatt“. Immer wurden seine Protagonisten von den Unständen und von ihren Mitmenschen bis zum Äußersten getrieben, bis in die äußerste Erschöpfung und die äußerste Not.

Mit den konkreten Umständen der in der ehemaligen Sowjetunion hatte dies nur am Rande zu tun, so wie mit der spröden Schönheit seiner kirgisischen Heimat und dem Leben der Menschen dort. So intensiv diese in den Geschichten Aitmatovs auch erlebbar war, niemals hatte der Leser an anderen Orten der Erde das Gefühl, mit den Konflikten der Helden Aitmatovs nichts zu tun zu haben.

Aitmatov hat die Erschütterung seiner Leser wohl bezweckt, um sie für ihre Verantwortung gegenüber den Menschen, der Natur, der Geschichte und der Welt sensibler zu machen. Er hat zeitlose Werke geschaffen, da die Konflikte, die ihn beschäftigten, zeitlos sind.


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Ein Kommentar to “ Tschingis Aitmatov ist tot ”

  1. # 1 Lisa schreibt:

    Am Anfang hatte er zwei Märchen, am Ende keines mehr?

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