Jörg Friedrich


Sie hat „Yes, We Can!“ gesagt

09. Juni 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Hillary Clinton hat eine halbe Stunde gesprochen, aber eigentlich hätten 3 Worte gereicht, um ihre Botschaft zu übermitteln. Diese Worte vielen nach 13 Minuten und 50 Sekunden: „Yes, We Can!“. Indem sie den Kampfruf von Barak Obama aufnahm und sich zu eigen machte, hat sie wahrscheinlich das wichtigste getan, was sie für den Sieg der Demokraten bei der Präsidentenwahl im November tun konnte.

Clinton hat insgesamt einer begeisternde Rede gehalten, eine emotionale Rede, eben eine amerikanische Rede. An was für Reden aus den letzten Jahrzehnten können wir uns erinnern? Natürlich Kennedys „Ich bin ein Berliner“, und Reagans „Mr. Gorbatchov, open this Gate!“ Amerikanische Politiker halten Reden, die begeistern. Sie bringen Stimmungen auf den Punkt.

In Deutschland hat solches Reden noch immer den Beigeschmack der Demagogie, die Reden der nationalsozialistischen Hetzer haben wir noch nicht vergessen. Deshalb verbieten sich scheinbar große, emotionale Worte. Selbst Roman Herzogs „Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen“ war intellektuell verkopft, traf niemanden im Herzen und blieb deshalb auch weitgehend folgenlos.

Da Politiker uns nicht emotional erreichen, geht die Verbindung zwischen Volk und politischer Klasse mehr und mehr verloren. Eine Rentendebatte erträgt man nur, wenn vorher ein Grundkonsens, ein Vertrauen aufgebaut ist – das bekommt man aber nicht bei der Beobachtung von kleinkarrierten Streits bei Anne Will, sondern durch die Überzeugung, dass da große Geister einen guten Job für uns machen wollen. Die müssen uns wenigstens berühren können, und nicht nur abstoßen.

Aber immerhin, wir singen schon wieder, und wir schwingen wieder Fahnen. Vielleicht kommt dann auch einmal die Chance für die großen Redner, die die richtigen Worte finden, um uns mitzureißen, die uns Vertrauen geben, weil sie es selbst verdienen. Wie es geht, können sie erfahren, wenn sie unseren Fußballern „aufs Maul schauen“. Podolski, der gestern abend, noch erschöpft vom Spiel ins Mikro den Satz „Wichtig is aufm Platz“ sprach,macht es doch vor.


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Ein Kommentar to “ Sie hat „Yes, We Can!“ gesagt ”

  1. # 1 Julia schreibt:

    sehr schön festgestellt. In der Tat sind gute Reden und Redner in den Medien sehr selten. Dafür gibt´s die Blogger, die können die Lücke vielleicht füllen? :-)

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