Das Blaue vom Himmel
Der Himmel ist blau. Ein Satz über den ich, an sonnigen Tagen, mit fast jedem schnell Einigkeit erziele, egal, ob ich mit gelangweilten Intellektuellen oder mit gestressten Müttern, mit spielenden Kindern oder mit herumsitzenden Alten spreche. Nur Philosophinnen und Physiker könnten, auf grünen Wiesen liegend und nach oben blinzelnd, ins Grübeln und zum Zweifeln zu kommen.
Der Satz setzt voraus, dass da etwas ist. Und dass dieses etwas auch noch eine Eigenschaft „Farbe“ hat, und dass diese Farbe bei diesem Etwas, dem Himmel, blau ist. Aber schon Brecht lässt ja seinen Galilei sagen: „Himmel abgeschafft.“ Gibt es also den Himmel gar nicht?
Naturwissenschaftlich gebildete Menschen werden naturwissenschaftliche Erklärungen finden. Dabei werden sie den Himmel und das Blaue wegerklären. Denn sowenig da etwas ist, was man anfassen kann und den Himmel nennen kann, ist da irgendwas, was wirklich blau ist. Keines der Moleküle, die uns umgeben und die tatsächlich gemeinsam mit dem Sonnenlicht dafür sorgen, dass ich eine Empfindung von Blau habe, wenn ich jetzt in diesem Moment aus dem Fenster schaue, ist wirklich selbst blau.
Die Naturwissenschaft wird also nichts nützen, sie bringt das Offensichtliche zum Verschwinden, indem sie es zu erklären vorgibt. Aber der Eindruck des blauen Himmels, und auch seine Wirkung auf mein Gemüt und meine Handlungen, ist zu eindringlich, als dass ich sagen könnte, es ist eigentlich gar nicht da, es existiert nicht. Die Freude über das herrliche Wetter wird ja nicht von irgendwelchen optischen Gesetzmäßigkeiten und gewissen Konzentrationen bestimmter Gase in der Atmosphäre geschuldet, sondern der Bläue des Himmels. Ganz zu schweigen davon, dass sehr fraglich ist, ob es eine Atmosphäre gibt in einer Welt, in der der „Himmel abgeschafft“ ist.
Also gibt es den Himmel, wenn auch nicht in dem gleichen Sinne wie das Notebook auf meinem Schoß. Die Kriterien für seine Existenz sind, dass ich ihn sehen kann und dass er Auswirkungen auf mein Handeln, mein Gemüt, meine Stimmung hat. Dass ich über ihn sprechen kann, dass ich über seine Eigenschaften (blau oder wolkenverhangen oder tief) mit anderen Einigkeit erzielen kann. Er gehört zu meiner Welt, und er gehört in die Welt von vielen anderen.
Man könnte meinen, seine Existenz sei weniger stark als die dieses Notebooks hier. Eine entscheidende Art der Nachprüfbarkeit fehlt, die unmittelbare Wahrnehmung durch Berührung, ich kann auch nicht um ihn herumgehen, ich komme nicht in seine Nähe, er ist immer weit weg.
Andererseits kann ich mich über die Existenz des Himmels und über seine Eigenschaften mit weit mehr Menschen verständigen als über die Existenz eines Notebooks und über dessen Eigenschaften. Es kommt also darauf an, welche Existenzkriterien wir höher bewerten, die der persönlichen Wahrnehmung oder die der intersubjektiven Verständigung.
Davidson würde jetzt wohl einwerfen, dass auch die persönliche Wahrnehmung ja letztlich nur auf Basis intersubjektiver Verständigung möglich ist, aber das will ich in dieser Skizze einmal ignorieren. Es spricht ohnehin vieles dafür, der intersubjektiven Verständigung über die Existenz der Dinge und ihrer Eigenschaften einen höheren Stellenwert einzuräumen als den persönlichen Wahrnehmungen. Mancher hat ja sehr intensive Wahrnehmungen, von Geistern z.B., von übernatürlichen Kräften. Deren Existenz muss ich aber nicht zugestehen, nicht nur, weil ich diese Wahrnehmungen nicht habe, sondern auch, weil sie in einer Kommunikation unter verschiedenen Menschen nicht (oder nur für wenige) überprüfbar sind.
Das ist bei einem herrlich blauen Himmel aber zum Glück anders. Also: der Himmel ist nicht abgeschafft, und er ist blau.
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http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/06/05/das-blaue-vom-himmel/
am 8. Juni 2008 um 18:36
Yo, eventuell mal den BIM vom Himmel entfernen.
(Ich selbst errege mich zumindest nicht daran, dass bei der heutigem, geradezu revolutionären Entwicklung der Kommunikationstechnoliogie die Ermittler, letztlich also der BIM, draussen bleiben müssen, LOL.)
am 15. September 2008 um 17:18
Hallo,
wenn ich mal Wikipedia zitieren darf,
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Blau ist der Farbreiz, der wahrgenommenen wird, wenn Licht mit einer spektralen Verteilung ins Auge fällt, bei dem das Maximum im Wellenlängenintervall zwischen 460 und 490 nm liegt.
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Die Menschliche Evolution hat dafür gesorgt, daß unser Bauplan so präzise reproduziert wird, daß (weitgehend) alle Augen aller lebenden Menschen befähigt sind, diese Wellenlänge elektromagnetischer Strahlung umzusetzen.
Daß die Wellenlängen 460-490 nm ‚blau‘ heißen, dafür haben unsere Eltern gesorgt. Handelt es sich hierbei doch, ähnlich wie Feuer oder Licht, nur um ein Wort, das einem auftretenden Sinnesreiz gegeben wurde.
Holger