Jörg Friedrich


Der Milch-Markt macht’s

04. Juni 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Wenn Milchbauern in Gummistiefeln und blauen Latzhosen mit ihren Traktoren vor Molkereien und Supermarkt-Filialen demonstrieren, sind die Sympathien schnell verteilt. Fast jeder hat Verständnis für die hart arbeitenden Landwirte und solidarisiert sich mit ihnen gegen Großbetriebe und Konzerne, die den armen Bauern zu wenig für die gute Milch bezahlen.

Ob die Solidarität mit den Landwirten bis ans Kühlregal oder gar bis an die Kasse des Supermarktes reicht, kann man allerdings bezweifeln. Denn dort gibt es ja bereits heute die teure Milch, von der der Landwirt auch rund 50 ct. / Liter bekommt. Sie trägt das Bio-Sigel und kostet einen Euro / Liter.

Diese Milch ist so teuer, und der Landwirt bekommt so viel Geld dafür, weil die Nachfrage das Angebot weit übersteigt. Das ist aber bei der herkömmlichen Milch genau umgekehrt. Es gibt zu viele Milchkühe in Deutschland, es gibt zu viele Milchbauern, es gibt zu viel konventionell produzierte Milch. Deshalb ist der Preis so gering. Würde die Nachfrage größer sein als das Angebot, dann würden die Bauern auch den Preis erlösen, von dem sie träumen.

Niemand verbietet den Milchproduzenten, von der konventionellen Produktion auf Bio-Milch umzusteigen. Davor wollen aber viele Landwirte noch immer nichts wissen, lange Zeit wurden die Öko-Bauern, die in noch unsicherer Marktlage den Mutigen Schritt zur ökologischen Landwirtschaft gewagt haben, als Außenseiter belächelt. Dabei war abzusehen, dass hier ein großer Markt darauf wartet, bearbeitet zu werden.

Soll der Verbraucher jetzt einen Strafzoll darauf bezahlen, dass die Produzenten nicht bereit sind, auf Veränderungen des Marktes zu reagieren? Das kann wohl kaum richtig sein.

Es ist anzunehmen, dass eine kurzfristige Vereinbarung zu höheren Lieferpreisen ohnehin keinen langen Bestand hat. Wenn zu viel Milch produziert wird, wird der Preis fallen. Ein Kompromiss ist nur dann sinnvoll, wenn er von den Milchbauern als letzte Frist betrachtet wird, sich endlich am Markt auszurichten. Dass das geschieht ist aber unwahrscheinlich – also werden die Bauern weiter zu viel konventionell produzierte Milch in den Markt bringen. Zu Lasten der Verbraucher, die sich überlegen sollten, wem ihre Sympathien da eigentlich gelten.


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5 Kommentare to “ Der Milch-Markt macht’s ”

  1. # 1 Juergen schreibt:

    Du legst den Finger in die Wunde: das in allen Schichten der Bevölkerung tief verwurzelte Misstrauen in die Marktwirtschaft, die unheimliche Sehnsucht nach staatlich regulierter Planwirtschaft. Einerseits ist man erhaben über, kritisiert die gescheiterten Planwirtschaften Osteuropas, andererseits wünscht man sich staatliche Regulierung (Mindestlöhne, Heuschrecken, Ansiedelungspolitik, Erzeugerpreise, Rohstoffpreise, …). Die Politiker finden das gar nicht schlecht, gibt ihnen das doch scheinbare Gestaltungsspielräume und Macht(gefühle).

  2. # 2 Sky schreibt:

    Es scheint mir auch eher ein Nötigungsversuch von Einzelabnehmern (LIDL, ALDI etc.) vorzuliegen, als der Versuch per Planwirtschaft die Preisstrukturen zu ändern und den Markt auszuhebeln.

    Jetzt, zu Zeiten der großen Koalition, scheint sowas gut zu gehen. Bringt zwar offensichtlich erst mal nix, aber die Bauern haben die Strasse als neues pol. Durckmittel entwickelt. Das kann sich bei späterer Gelegenheit auszahlen.

  3. # 3 Aki Arik schreibt:

    Da die von den Bauern genossenschaftlich betriebenen Molkereien ja vertraglich verpflichtet sind, jeden gelieferten Liter Milch auch abzunehmen, wird dies, zusammen mit dem jetzt höheren Abnahmepreis, dazu führen, dass das Angebot noch weiter steigt.

    Dabei haben wir schon heute „zu viel konventionell produzierte Milch“ auf dem Markt, wie du in deinem Artikel schreibst.

    Da andererseits die Nachfrage der Verbraucher aufgrund des gestiegenen Ladenpreises zurückgehen wird, öffnet sich die „Schere“ noch weiter.

    Was daran sinnvoll sein soll, kann ich auch nicht nachvollziehen. Mit Marktwirtschaft hat das jedenfalls nichts zu tun.

    Anders als viele glauben, sind auch die Discounter in diesem Fall in Wirklichkeit keine Kontrahenten der Bauern. Wie für jeden Händler, so sind auch für den Discounter die Einkaufspreise nur ein „durchlaufender Posten“ (bei, wie hier, ausgeschaltetem Wettbewerb). Denn der Handel gibt einfach die höheren Einkaufpreise an die Verbraucher weiter.

    Solange alle Handelsunternehmen in gleicher Weise von den gestiegenen Preisen betroffen sind, sind diese sogar einverstanden, ziehen also mit den Bauern an einem Strang, da die höheren Verkaufspreise auf einen Schlag ihren Umsatz erhöhen.

  4. # 4 westernworld schreibt:

    herrn friedrichs argument ist eine milchmädchenrechnung.

    wenn auf der nachfrageseite ein oligopol vier oder fünf marktteilnehmern die preise diktiert wäre der effekt auch bei einer umstellung auf ökologischen landbau früher oder später der selbe.

    selbst redend wäre diese wünschenswert.

    ein gewisser herr adam schmidt der in den kreisen der marktfrommen denkungsart ja immer gern zitiert, aber leider leider viel zu wenig gelesen wird nannte neben der vollkommenen markt tranzparenz auch die vollkommene atomisierung des marktes als grundvorraussetztung für ein faires walten der unsichtbaren hand oder den friktionslosen markt wie es die neoklassik gerne nennt.

    unter atomisierung verstand er das kein marktteilnehmer oder eine kleine gruppe derselben ein ökonomisches gewicht erlangen dürfe das es ihm erlaube den marktablauf entscheidend zu beeinflußen, also ein sog. beidseitiges polypol.

    ein unreguliertes oligopol führt immer zu einer einseitigen verteilung der marktmacht und daher zu zuungerechtvertigter bhereicherung der wenigen auf kosten der vielen.

  5. # 5 Jörg schreibt:

    @Westernworld: Was aber hat das alles mit dem Milchmarkt zu tun? Wo ist das Oligopol?

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