Gute Menschen – schlechte Welt?
Am 20.04. veröffentlichte die F.A.S. einen Essay des amerikanischen Autors David Mamet das im amerikanischen Original auf Village Voice verfügbar ist. Mamet beschreibt darin den fast unmerklichen, schleichenden aber trotzdem radikalen Wandel seiner Überzeugungen.
Als Kind der sechziger Jahre akzeptierte ich den Glaubensartikel, dass der Staat korrupt, der Mensch prinzipiell gut sei und alle Unternehmer Ausbeuter seien. … wie konnte ich jahrzehntelang glauben, dass alles schlecht ist, und gleichzeitig glauben, dass der Mensch prinzipiell gut ist?
Menschen mit linken Überzeugungen, so Mamet, kommen oft zu dem Ergebnis, dass die Welt, wie sie ist, schlecht ist. Trotzdem glauben sie, dass die Menschen prinzipiell gut sind oder sein können.
Beide Grundüberzeugungen kann Mamet heute nicht mehr vertreten. Er hat sich die Welt um sich herum angesehen, hat seine eigenen Erfahrungen beurteilt und festgestellt, dass die Welt gar nicht so schlecht ist. Auf der anderen Seite glaubt er auch nicht mehr, dass die Menschen irgendwie im Grunde gut sind.
Ich möchte hier nicht den ganzen Text referieren, mit dem ich so weit übereinstimme, dass ich ihn nicht einmal kritisieren kann. Ich möchte ihn einfach zum Lesen empfehlen, und ich wäre interessiert daran, die Meinung anderer zu erfahren.
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http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/04/24/gute-menschen-schlechte-welt/
am 24. April 2008 um 17:48
Ja. Ich habe schon Ihrer Einführung in den Artikel aus vollem Herzen zugestimmt – und dem Artikel in der FAZ auch. Zu dem hatte ich nur die Frage, ob die Verfassungsväger wirklich so schlau waren, oder ob das nicht glücklicher Zufall war, das der erste ausgeführte Entwurf, der mit den drei Gewalten, die sich im Gleichgewicht halten, schon funktioniert hat.
Das was mir dabei Emotionen verursacht, und wenn ich Sie und Herrn Mamet richtig verstehe, andere auch, ist der eigene Meinungswechsel. Ich bin mir nicht so sicher, wie Herr Mamet, daß sich an den Fakten nichts geändert hätte, er nur anders hinkuckt. Wenn es so ist, ist es ein Alterungseffekt. Auch denkbar.
Sicher auch bei mir anteilig zutreffend. Den anderen Anteil erkläre ich mir mit geänderten Umständen. In Deutschland mischt der Staat immer mehr und mehr mit, und die Gerechtigkeit wird nicht größer, der Schuldenberg aber schon. Da muß ich doch an die gute alte Wahrheit denken: „Wenn ‚mehr desselben‘ nicht hilft, kann es sein, daß die versuchte Lösung das Problem ist.“ Genial, nicht. Das war schon in meiner Jugend genial und ist es heute noch. Manche damals erhellende Erkenntnis bleibt lichtvoll.
am 25. April 2008 um 09:16
Die Frage, ob die Verfassungsväter so schlau waren oder ob das ein glücklicher Zufall war, ist interessant. Das muss ich mal versuchen, zu recherchieren.
Ich glaube, es ist vor allem ein „Alterungs-Effekt“: Wenn man jung ist, ist alles noch klar. Gut – böse. Richtig – Falsch. Mit der Zahl der eigenen Irrtümer und Fehlerwächst das Verständnis, zu differenzieren und zu tolerieren. Damm merkt man, dass die bösen gar nicht immer böse sind, und die Guten auch nicht nur gut.
am 25. April 2008 um 09:43
Alterungseffekt: Ich kenne aber auch Menschen jenseits der 60, die aus dem starren Klassendenken mit all seinen Folgen nicht rauskommen – will damit sagen, dass man leider nicht automatisch diesen Wandel bzw. Erkenntnisgewinn hat. Das ist das Problem, das Sorgen bereitet.
am 25. April 2008 um 10:02
Komischerweise ist es bei mir eher andersherum: als ich jung war, war der Staat (die Authoritäten) gut, es gab höchstens ein paar schlechte Menschen. Mein Vertrauen in den Staat ist gesunken, mein Vertrauen in die Menschen – na ja – hat sich so gehalten. Der Gegensatz zwischen einem System und den Menschen, der hat sich irgendwie aufgelöst (wenn es ihn denn je gab in der BRD).
Off topic: ich sehe gerade, dass du jetzt auch twitterst. Würde mich interessieren, warum und welche Erfahrungen du damit machst und ob du damit mehr Leute erreichst als über dein Blog.
am 25. April 2008 um 10:03
Ergänzung, bevor man mich für einen Opa hält: mit jung meine ich: <25 (wahrscheinlich halten mich einige mit 38 trotzdem für einen Opa)
am 25. April 2008 um 10:11
@Lisa: Auch interessant: Einen Automatismus gibt es da wirklich nicht. Wahrscheinlich muss eine gewisse Bereitschaft zur Selbst-Kritik dasein, damit man sich wandeln kann?
@Fragezeichner: Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich umgekehrt ist bei dir. Auch der Glaube an Staat und Autorität ist ja etwas typisch Linkes. Ist alles sehr komplex.
Zu Twitter: Das ist erstmal nur ein Test. Ich will herausfinden, was es damit auf sich hat. Aber eine Alternative zum Blog ist das nicht.
am 25. April 2008 um 10:32
@Jörg, ich denke nicht, dass der Glaube an Staat und Authorität etwas typisch linkes ist, sondern genauso typisch auch in konservativen und bürgerlichen Milieus. Der Unterschied zwischen links und rechts besteht eher in der Wahrnehmung des Staates und ob er die von ihm erwarteten Aufgaben erfüllt. Beide Seiten glauben an eine feste Ordnung. Es sind von jeher die Liberalen, die vor allem auf die Verantwortung der Menschen setzen und dem Staat eher misstrauten.