Jörg Friedrich


Schönheitsoperationen bei Jugendlichen?

23. April 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Plötzlich ist ein Thema in den Medien, von dem noch vor Tagen keiner gesprochen hat: Sollen Schönheitsoperationen bei Jugendlichen verboten werden? Politiker reden darüber, Journalisten befragen Leute auf der Straße – die meisten der Befragten äußern sich bestürzt über die Dekadenz einer Gesellschaft im Schönheitswahn, bei der schon Kinder durch medizinische Eingriffe äußerlich einem Ideal angepasst werden.

Zunächst: In meinem Bekanntenkreis gibt es niemanden, der sich in seiner Jugend einer Schönheitsoperation unterzogen hätte, seien es Freunde, Bekannte, Kinder von Freunden, Eltern, Onkels, Tanten, Cousins oder deren Kinder – niemand. Da ich inzwischen skeptisch geworden bin, wenn sich Medienberichte und Politiker-Statements über den angeblichen verfall unserer Gesellschaftnicht mit meinen Erfahrungen decken, werde ich auch dieses Mal stutzig.

Und ich frage mich: Was ist überhaupt eine Schönheitsoperation?

Schon in meiner Kindheit war es üblich, dass „Segelohren“ z.B. bereits frühzeitig „angelegt “ wurden, auch die sogenannte „Hasenscharten“ wurden – denke ich – schon immer frühzeitig operiert. Zählen diese Eingriffe nicht zu den „Schönheitsoperationen“? Und wenn nicht, wo ist dann die Grenze? Wie groß muss eine Nase sein, damit sie operiert werden kann?

Viele rufen nach mehr Selbstbewusstsein statt nach medizinischen Eingriffen. Denen möchte man mal ins Gesicht schauen – wahrscheinlich kennen sie das Problem nicht aus eigener Erfahrung.

Sicherlich: Es gibt Fälle, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Aber dafür braucht es keine gesetze, schon gar kein Verbot. Der Staat und er Gesetzgeber sollte sich auf die Probleme konzentrieren, die wirklich gesellschaftlich bedeutsam sind – da hat er genug zu tun.


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