Jörg Friedrich


Brockhaus geht online – Wikipedia wird gedruckt?

23. April 2008 Kategorie: Kultur |

In der FAZ ist es heute ein großes Thema, sowohl in der gedruckten Zeitung als auch im Netz: Wikipedia will die Kurzfassungen der 50.000 beliebtesten Artikel als Buch herausgeben – und das wahrscheinlich jedes Jahr.

Das überrascht angesichts der Tatsache, dass erst vor wenigen Monaten mitgeteilt wurde, dass es von der traditionsreichsten deutschsprachigen Enzyklopädie – dem Bockhaus -keine neue Print-Ausgabe mehr geben soll, eine Meldung, die vor allem als Kapitulation der Hersteller des ehrwürdigen Bücherberges vor dem Internet, vor allem vor der freien Enzyklopädie Wikipedie, betrachtet wurde.

Das Druckwerk der Wikipedia wird sicher kein Wettbewerb für andere gedruckte Lexika, schon gar nicht für die Online-Schwester. Das Buch ist eher ein zeithistorisches Dokument des jeweils aktuellen Standes des Online-Wissens: Was ist gerade Interessant, was bewegt die Menschen und wie beschreiben sie es?

Gerade darin liegt die Faszination des Projektes: Will man einen Schnappschuss des Zeitgestes haben und jederzeit schnell rekonstruieren können, druckt man sich die aktuelle Wikipedia aus. Darin kann man dann – gemütlich auf der Couch sitzend – blättern, und das noch nach Jahrzehnten.

Natürlich täte das auch eine geschickte Filterfunktion im Online-Angebot. Aber die würde keiner benutzen. Es ist halt was anderes, ob man in einem Buch schmökert oder im Internet recherchiert.

Deshalb wird das Buch auch seine Käufer finden. Es ist nutzlos, aber schön. Fast wie der Bücherberg von Brockhaus.


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