Jörg Friedrich


Münsters Musikhalle: Du bist die Elite.

22. April 2008 Kategorie: Kultur, Münster |

Elite ist ein merkwürdiger Begriff. Er ist Lob und Verurteilung zugleich. Elite steht für große Leistung, für Besonderes, aber auch für Abgrenzung, für fehlende Kommunikation mit den anderen.
Die Gegner der Musikhalle in Münster behaupteten unter anderem, diese Haus sei nur etwas für die Eliten, und wenn sie so eine Halle haben wollten, sollten sie sich diesen Wunsch auch selbst finanzieren.

Das veranlasste den Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura, auf die 600 Musiker aus den verschiedensten Orchestern und Chören der Stadt weisend, die 1.500 Zuschauer zu fragen: „Schaut sie euch an. Ist das die Elite?“ Und was antwortete das Publikum? „Ja, natürlich!“

Eigentlich ist die Sache mit den Eliten ja auch ganz einfach: Auch die demokratische Gesellschaft braucht sie. Aber beide Seiten müssen ihr Verhältnis zueinander und ihren Umgang miteinander neu bestimmen.Tolleranz ist angesagt. Die Eliten schaffen die besonderen Leistungen, die die Gesellschaft braucht, um stolz auf sich sein zu können. Dazu braucht die Elite auch besondere Bedingungen.

Aber die Angehörigen der Elite müssen sich der Bedingungen, die ihnen die Gesellschft schafft, auch bewusst sein. Und: Es gibt keine Abgrenzung mehr. Jeder kann Elite werden, und jeder, der es werden will, muss gefördert werden. Ja: Jeder ist Elite, der sich traut. Auf irgendeinem Gebiet, bei seinem Thema.

Natürlich sind die, die da auf dem Schlossplatz „Carmina Burana“ aufgeführt haben, Elite. Sie sind es um derer Willen, die vor ihnen saßen. Und für diese Eliten brauch man beste Bedingungen – wie z.B. eine Musikhalle in Münster.


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4 Kommentare to “ Münsters Musikhalle: Du bist die Elite. ”

  1. # 1 Michael Kostic schreibt:

    Hallo,

    endlich mal eine sinn- wie gehaltvolle Aussage zur Thematik. Kurz, knapp und gut :-)

    Hast Du schon „Gestatten: Elite, Auf den Spuren der Mächtigen von morgen“ von Frau Julia Friedrichs gelesen?

    Gruß

  2. # 2 Julia schreibt:

    Leistungsstarke Eliten braucht das Land, genauso aber die Förderung der Gering-Qualifizierten, Lernschwachen, Fremdsprachigen, etc. . Ich denke, beides gehört bei einem guten Bildungssystem einfach zusammen. Was sollen die Eliten in einem Land, wo es niemand gibt, den man mit Wissen beeindrucken oder ausbeuten kann, weil alle verarmt und dumm geworden sind? Das wäre eine erschreckende Vorstellung!

  3. # 3 Michael Kostic schreibt:

    @Julia:

    Der Begriff Elite ist in meinen Augen ohnehin gänzlich falsch. Deswegen finde ich ja auch diesen Beitrag so passend. Er zeigt auf das diese sog. Eliten eigentlich „nur“ trainierte Profis sind, welche eben auch die ihren Leistungsstand entsprechenden Rahmenbedingungen benötigen.

    Mitunter hat Jörg eben mehr als recht wenn er den Verfall unserer Sprache resp. die zunehmende Verallgemeinerung von Begrifflichkeiten. Wie z.B. auch „Elite“.

    Elite ist z.B. ein Michael Schumacher, ein John Williams, die amtierende Weltmeisterin im 100m lauf. Alles andere sind entweder Profis, oder aber begabte Amateure…

    Lies dir mal das o.g. Buch durch. Bezeichnend hieran ist vor allem, das die welche da zur vermeintlichen „Elite“ gemacht werden, dies nicht mit Herz und Seele sind.

    Gruß

  4. # 4 Jörg schreibt:

    Ich würde auf das Wort „Elite“ nicht verzichten wollen. Wie gesagt, wir brauchen Leute, die außergewöhnliches leisten, und wir müssen sie gesondert fördern. Aber es muss Konsens sein: Jeder kann Elite sein.

    Das Buch „Gestatten, Elite“ beruht auf einem Missverständnis. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Leute jemals wirkliche Elite werden, ist nicht höher als bei anderen. Nur weil sie selbst behaupten, zur Elite zu gehören, stimmt das ja noch nicht. Was in dem Buch beschrieben wird, ist keine Elitenbildung, sondern Drill und Netzwerkbildung, wie es schon von den Klosterschulen praktiziert wurde.

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