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Jörg Friedrich


Was will Gregor Schneider?

21. April 2008 Kategorie: Kultur |

Der Künstler Gregor Schneider hat ein neues Projekt: Er will einen sterbenden Menschen zum Kunstwerk machen. Vielleicht hat aber auch die FAZ recht, die vermutet, Gregor Schneiders geplante Performance wird nicht der sterbende Mensch sein, nein, sie ist schon im vollen Gange – die Diskussion um sein Projekt, also auch dieser Blog-Beitrag, ist das Kunstwerk.

Jeder Künstler kann natürlich selbst entsceiden, was sein Kunstwerk ist und wie es produziert wird. Aber wie auch immer man den Beriff „Kunstwerk“ fasst, was auch immer darunter fällt, es muss doch mehr oder wenigstens anders sein als die Wirklichkeit, die ohne das Werk schon da ist.

Skandale und Diskussionen um ethisch angreifbare oder fragwürdige Ideen und Projekte gibt es in so unterschiedlicher Ausprägung und in so großer Anzahl, dass es wirklich keine Kunst ist, denen noch einen hinzuzufügen. Zumal die Idee nicht überraschend und die Diskussion sehr vorhersehbar ist.

Diese Vorhersehbarkeit nimmt dem ganzen Projekt seinen Reiz – die Provokation bleibt in der Langweile stecken. O Wirklichkeit weder überspitzt, noch verzerrt oder irgendwie subjektiviert – sondern einfach nur nachgemacht wird, da ist keine Kunst.


Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/04/21/was-will-gregor-schneider/

6 Kommentare to “ Was will Gregor Schneider? ”

  1. # 1 Fragezeichner schreibt:

    Ich finde die Idee eigentlich gut. Ob man das Kunst nennt, na ja. Aber Kunst ist ja auch dazu da, uns die Realität vor Augen zu führen, die wir sonst nicht wahrnehmen. Und das passiert ja heute ständig, dass Menschen, auch sterbende Menschen, in den Medien „ausgestellt“ werden. Vielleicht hat sich Schneider aber mit dem Provokationseffekt verkalkuliert.

  2. # 2 Das Projektil schreibt:

    Einfach nur unterirdisch. Wenn ein sogenannter Künstler für so eine Verletzung der Menschenwürde (in diesem Fall, die des Sterbenden) tatsächlich noch Zuspruch erhalten sollte, frage ich mich, wie dekadent unsere Gesellschaft inzwischen ist. In meinen Augen einfach nur widerlich. Falls es eine Provokation darstellen soll, ist dies bei mir gelungen. Kunst sehe ich daran jedoch keine.

  3. # 3 Jörg schreibt:

    @Fragezeichner: Aber diese Realität nehmen wir ja wahr. Ständig wird irgendwo öffentlich gestorben, wo man hinschaut in den Medien. Denk nur an Papst Johannes Paul II oder an die aktuelle Berichterstattung über das Leiden dieser Französin, die an Krebs erkrant war und sich selbst umgebracht hat.

    Der Mann wiederholt hier nur, was ohnehin schon Thema ist.

  4. # 4 Fragezeichner schreibt:

    @Jörg, ich gebe zu, es ist nicht besonders subtil. Die, die es nicht wahrnehmen, werden wohl auch durch diese Aktion nicht aufgerüttelt. Und bei allen anderen läuft die Aktion wohl eher ins nichts…

  5. # 5 Hannah schreibt:

    Obszön ist ja nicht der Fakt, dass „man“ einen Sterbenden sehen oder ausstellen will.

    Dann sollen die Leute einfach mal nach China oder Saudi-Arabien gehen (da gibt es Hinrichtungen live im Stadion – wo bald die Olympischen Spiele stattfinden).

    Obszön ist ja, dass diese Künstler damit auch noch Geld machen…

  6. # 6 Aki Arik schreibt:

    Dein „O Wirklichkeit… – da ist keine Kunst“ bringt es eigentlich auf den Punkt.

    Andererseit: Ist es wirklich Aufgabe des Künstlers „schöne Bilder“ zu malen?
    Oder waren und sind Künstler nicht die vom Notwendigen befreiten Seismographen ihrer jeweiligen Umwelt? Der Umgang mit dem Tod, mit dem Sterben in unserer Gesellschaft ist ganz sicher solch ein Thema. Wie sagte Katrin Rohde, die ehemalige Buchhändlerin, die sich heute in Burkina Faso für Straßenkinder engagiert: „Wenn du einen Menschen in Afrika zum Weinen bringen willst, erzähle ihm davon wie alte Menschen im Westen sterben müssen.“

    Ich finde es also gut, wenn sich Künstler mit diesem Thema auseinandersetzen. Auch wenn sie dies mal mit mehr, mal mit weniger Geschick machen.

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