Die Kultur: natürlich künstlich
Stünd‘ ich, Natur, vor dir ein Mann allein,
Da wär’s der Mühe wert, ein Mensch zu sein.
lässt Goethe seinen Faust in einem der großen Schlussmonologe sagen. Faust ist deshalb so verzweifelt, weil er der Natur unmittelbar gar nicht mehr begegnen kann – und das ist ausgerechnet das Resultat seines unermütlichen Strebens und Schaffens. Aber was ist die Natur, der Faust so gern unmittelbar begegnen will, eine Sehnsucht, die wir heutigen kennen und die heute einen vielfältigen Wiederhall findet?
Wir sagen, wenn uns etwas besonders unverfälscht und in seiner ursprünglichen Art begegnet, es sei natürlich. Aber wir verwenden die Zuschreibung von „natürlich“ auch anders: So können wir über eine besonders unverwüstlichen „Pflanze“ im Restaurant sagen, „natürlich ist die künstlich!“. Es gibt also zwei verschiedene Bedeutungen: Natur und Natürlichkeit wird entweder als Verweis auf Urspünglichkeit oder auf Selbstverständlichkeit verwendet.
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