Jörg Friedrich


Kaninchen die Kaffee trinken bekommen kein Alzheimer

04. April 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Der Focus berichtet, dass Wissenschaftler herausgefunden hätten, dass man sich mit einer Tasse täglich vor einer Alzheimer-Erkrankung schützen könnte. Eine Studie mit Kaninchen hätte das ans Tageslicht gebracht. Tatsächlich? Wenn dem so wäre, dann gäbe es diese Demenzform vermutlich gar nicht.

Wie man dem Journal of Neuroinflammation entnehmen kann, haben Wissenschaftler die Auswirkung von Koffein auf Kaninchen untersucht, und zwar auf solche, denen man gleichzeitig erhöhte Mengen Cholesterin verabreicht hat. Man konnte nachweisen, dass die schädliche Wirkung des Cholesterins, Eiweisablagerungen im Gehirn zu verursachen, durch erhöhte Koffein-Gaben eingeschränkt wurde. Der Mechanismus dieser Beeinflussung ist aber noch nicht gut verstanden.

Aus einer solchen Meldung lässt sich natürlich keine Schlagzeile machen, die die Menschen interessiert. Deshalb sehen sich offenbar Wissenschaftler und Medien gemeinsam dazu veranlasst, aus der Meldung eine Spekulation abzuleiten, die dann wiederum in den Zeitungen zu einer aufsehen erregenden Nachricht mutiert.

Das wäre nur lustig, wenn nicht inzwischen der ganze Wissenschafts-Journalismus so funktionierte. Wir sind zwar an Wissenschaft interessiert, aber nur so weit, wie sie unser Leben auch unmittelbar beeinflusst. Cholesterin beim Kaninchen – das geht uns nichts an, aber Alzheimer, den man mit Kaffee bekämpfen kann, das wollen wir wissen. Da zeigt die Wissenschaft doch, wozu sie gut ist, da geben wir gern noch mehr Geld her – für solche Forschungen.

Hier soll nicht in Abrede gestellt werden, dass es sinnvoll ist, an Kanninchen das Zusammenspiel von Coffein und Cholesterin zu erforschen – obwohl selbst daran berechtigte Zweifel erhoben werden können. Hier geht es um die Präsentation solcher Ergebnisse in der Öffentlichkeit. Den Forschern ist nicht mehr zu trauen, wenn sie zulassen oder sogar unterstützen, dass aus einer nüchternen Studie eine reißerische Schlagzeile wird. Wir müssen viel skeptischer werden, wir dürfen uns nichts vorschwindeln lassen.


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Ein Kommentar to “ Kaninchen die Kaffee trinken bekommen kein Alzheimer ”

  1. # 1 Vogel schreibt:

    Hi Jörg,
    Dein letzter Absatz hat’s (wieder ‚mal) in sich! Volltreffer!

    Ich frag‘ mich immer wieder: Woher kommt der mediale Overkill? Wieso leiden soviele Menschen und Medien an Kommunikationsdiarrhoe? Mehr Pull? Mehr Push? Wieso lassen sich auch klügste (?) Menschen für Alles und Jedes einspannen und instrumentalisieren? Auf jeden Fall: Alles Sch…!

    Beste Grüße
    Vogel

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