Guter Sex dauert nur Minuten – sagen die Experten
Wissenschaftler haben festegestellt dass die meisten Menschen Sex dann für gelungen halten, wenn er zwischen drei und dreizehn Minuten dauert, das Vorspiel allerdings nicht mitgerechnet. Die Studie basiert nicht auf Befragungen von Menschen zu deren Sexualverhalten, vielmehr wurde Sexualtherapeuthen über ihr Wissen aus ihrer therapeutischen Praxis befragt. Das macht die Studie interessant.
Fragt man nämlich Menschen direkt nach der Dauer des idealen Sex, geben sie eine ganz andere Antwort: eine halbe Stunde dürfte es schon sein, behaupten die meisten in solchen Umfragen.
Soll man nun den Experten trauen, oder der unmittelbaren Befragung mehr Glauben schenken?

Offenbar brauchen wir nicht nur Fakten – hier die Befragungsergebnisse – um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, wir brauchen auch noch eine Theorie, um die kalten Zahlen zu interpretieren.
Meine Theorie ist die: Die Menschen, die im Rahmen einer Umfrage ihre Antwort auf die Frage geben, wie lange für sie guter Sex dauert, berücksichtigen bei ihrer Antwort nicht nur ihre persönlichen Vorlieben, sondern auch das, was sie als allgemeine Norm ansehen. Diese Norm wird weniger durch persönliche Gespräche, etwa mit Verwandten oder Freunden, über das Thema vermittelt und gebildet, sondern vor allem durch die Medien. Bei Spielfilmen gelangt man oft zu dem Eindruck, Sex dauere ewig, auch wenn die Sex-Szenen geschnitten sind. Meist ist es zu Beginn noch hell, während am Ende die Sterne ins Zimmer scheinen.
Der Befragte kann in der Interviewsituation gar nicht davon abstrahieren, dass er jetzt an einer Befragung teilnimmt, die den gesellschaftlichen Standard ermitteln soll – und er neigt dazu, das anzugeben, was er für den Standard hält, und nicht das, was er selbst für ideal hält.
Der Therapeut erfährt von seinen Gesprächspartnern deren Wunsch- und Idealvorstellung aber in einer anderen Situation. Deshalb werden die Aussagen hier auch näher bei der Wirklichkeit liegen – ein Patient kann z.B. gerade über die Diskrepanz der empfundenen Norm und seinen eigenen Erlebnissen und Erfahrungen berichten.
Deshalb bin ich geneigt, den Experten hier mehr zu trauen als der unmittelbaren Befragung.
Das Beispiel kann uns aber als interessanter Prototyp für andere Situationen dienen. Wann weiß ein Experte besser über uns bescheid als wir selbst? Die Frage lässt sich – wie immer – nicht allgemein beantworten. Und man sieht, dass man immer eine eigene Theorie braucht, die einem selbst plausibel erscheint, um von Fakten zur Wahrheit zu kommen – einen anderen Weg gibt es nicht, auch wenn eine andere Theorie zu einer anderen Wahrheit führt.
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am 3. April 2008 um 20:29
In persönlichen Gesprächen über Sex wird annähernd so viel gelogen wie über’s Gehalt.
s.a. http://blog.zeit.de/sex/?p=538