Jörg Friedrich


Brennende Herzen und Rammstein

02. April 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Zu den Klängen von Rammstein ging es zum Showdown beim ZDF. Damit zeigte der Film im doppelten Sinne, dass ein Mensch sich ändern kann, war doch die Band vor Jahren noch mit dem Image behaftet, zur rechten Szene zu gehören – jetzt aber lieferte ihre Musik den Soundtrack zu einem Film gegen Fremdenhass und Intolleranz.

Der Film war als Anlehnung an Lessings großes Toleranz-Drama „Nathan der Weise“ angekündigt, hatte mit diesem aber nur die Rettung einer schönen Frau aus den Flammen durch einen, der einem anderen Glauben angehört, gemeinsam.

Mehr Ähnlichkeit – das merkte der Zuschauer mit wachsender Beklommenheit bald – hallte der Plot mit der tragischen Geschichte von Romeo und Julia. Die Situation der Protagonisten war so ausweglos – da war kein gutes Ende möglich. Für den, der da versuchte, aus alten Verstrickungen auszubrechen und doch seine Freunde nicht zu verlieren, blieb keine Chance.

Diejenigen, die daraus etwas lernen könnten, schauen sicherlich an Mittwoch-Abenden kein ZDF. Den anderen bleibt nur die bittere Einsicht, dass der Mensch trotz allen Fortschritts moralisch noch an der gleichen Stelle ist, wie Lessing und Shakespeare ihn schon beschrieben hatten.


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