Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon
Ich müsste den Link zu Nachtzug nach Lissabon. eigentlich nicht einfügen, denn wer meine Kritik liest, das möchte ich vorausschicken, wird anschließend nicht mehr, sondern weniger Gründe haben, das Buch zu erwerben. Aber wer sich selbst davon überzeugen möchte, ob meine Ansichten zu diesem Buch zutreffend sind, darf am Schluss selbstverständlich auf obigen Link klicken, um das Werk beim führenden Online-Händler zu erwerben und gleichzeitig einen kleinen Beitrag zum Weiterleben dieses Blogs zu leisten.
Das Buch wurde oft gepriesen, und es wurde mir empfohlen. Es sollte eine Kombination aus spannender Erzählung und philosophischen Geistesblitzen sein. Beides habe ich nicht gefunden.
Ein Berner Gymnasiallehrer, 57 Jahre alt, der seit Jahrzehnten Griechisch,Latein und ein wenig Hebräisch an ein und demselben Gymnasium unterichtet, hat ein erleuchtendes Erlebnis, welches ihn dazu bewegt, mitten im Unterricht aufzustehen, die Schule zu verlassen und ein neues Leben zu beginnen. Das ist viel versprechend, man hofft auf plötzliche Leidenschaft, geistige Kämpfe und körperliche Herausforderungen.
Was aber tut unser Held? Er reist nach Lissabon, um den Autor eines schmalen Büchleins zu finden, das er zufällig bei einem Antiquar entdeckt hat. „Nachtzug nach Lissabon“ besteht aus den Gesprächen des flüchtigen Lehrers mit den ehemaligen Verwandten und Bekannten des (längst verstorbenen) Autors und der Lektüre der verschiedenen schriftlichen Hinterlassenschaften dieses Portugiesen.
Jener Verstorbene wird von Mercier als außerordentlich intellegent und geistvoll beschrieben, seine Texte bräuchten den Vergleich mit Cicero nicht zu scheuen, aber er kann natürlich nicht geistvoller sein als sein Erfinder. So werden wir zwangsweise Leser von schwülstigen und pathetischen Erwägungen über das Leben und das Leiden eines Mannes, der immer und überall der klügste und rhetorisch begabteste war und es schließlich zum praktischen Arzt in Lissabon brachte.
Natürlich fragt man sich irgendwann, wann endlich das Leben beginnt, welches irgendwie dem Ausbruch des Lehrers aus seinem Schulalltag gerecht werden würde. Doch darauf wartet man bis zum Schluss des Buches umsonst. Dafür wimmelt das Buch von Ungereimtheiten, z.B. wenn der Rektor der Schule dem Lehrer schreibt, dass seine Stelle ihm natürlich frei gehalten wird.
Ich habe das Buch als Hörbuch genossen, während zweier langer Autofahrten. Wäre es ein Buch aus Papier gewesen, und hätte ich statt auf dem Fahrersitz auf dem Sofa gesessen, ich hätte es schnell beiseite gelegt, und ich hätte es nie wieder angefasst.
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am 30. März 2008 um 14:07
interessant wie unterschiedlich die Geschichte vom forschenden Lehrer interpretiert werden kann.
hier eine andere Variante:
, aufmerksam geworden.
Passend zu einem Kurzurlaub in Lissabon gelesen. Darüber auf Fernando Pessoa, das portugiesische Original
Der Mann hat über Jahrzehnte (1913-1934) kleine Texte verfasst und in einer Truhe deponiert. Die werden 40 Jahr später veröffentlicht (Das Buch der Unruhe).
Eine Urform des Bloggens?
am 31. März 2008 um 07:39
Ich hoffe, die Existenz dieses Blogs ist nicht an seine Rentabilität gebunden…
am 31. März 2008 um 07:59
@RL: Tagebuchschreiber hat es ja schon immer gegeben, der Unterschied zum Bloggen ist mE die unmittelbare Veröffentlichung des Tagebucheintrages, wodurch sich der Schreiber eine Reaktion von (relativ fremden) Lesern erhofft, die ihm selbst Anregung zum Weiter-Denken geben. So auch im Falle Deines Kommentars.
Interessant ist ja am Bloggen auch, wie sich der eigene Standpunkt entwickelt, und dass man Widersprüche in den eigenen Ansichten sich selbst nicht nur klammheimlich eingesteht, sondern auch öffentlich dokumentiert. Und damit
@Fragezeichner: Keine Angst, das Bloggen ist auch für mich kein Broterwerb, der unmittelbar rentabel sein muss. Wobei der Break-Even (wenn man keinen kalkulatorischen Stundensatz fürs Schreiben berücksichtigt) ja relativ gering ist. Für mich lohnt sich das Bloggen aus vielen Gründen, aber wenn auch noch ein paar Cent in die Kasse kommen, ist das auch erfreulich. Das ist ähnlich wie bei Musik-Studenten, die auf der Straße Konzerte geben und den Geigenkasten vor sich offen hinstellen.