Haben die Banken „Geld verbrannt“?
Nach dem großen Knall der Internetblase Anfang des Jahrzehnts prägte jemand den Spruch: „Tröstet euch, das Geld ist nicht wirklich weg. Es gehört jetzt nur jemandem anders.“
Heute, in der Zeit der „größten Finanzkrise“, ist es ganz ähnlich.
Es ist zwar ein ziemlich komplexes Gewirr, wer da wem wofür Geld geborgt hat und wer nun wieviel davon verloren hat, aber letztlich ist es doch ganz einfach, und in dieser vereinfachten Form sollte man es auch einmal betrachten.
Die Banken haben den Häuslebauern Geld geborgt, das die wiederum an Bouunternehmen weitergereicht haben, die davon ihre Mitarbeiter und das Material bezahlt haben. Die Bauabeiter haben davon was zu Essen und Fernseher gekauft. Auf diese Weise ist das schöne Geld in Umlauf gekommen, es hat sich über das ganze Land verteilt und viel Freude gebracht – und es ist auf diese Weise noch immer in Umlauf.
Allerdings haben viele Häuslebauer sich mehr Geld geborgt, als sie eigentlich zurückzahlen konnten, sodass die Banken nun auf ihren Krediten sitzen bleiben – die Häuslebauer müssen vielleicht ihre Häuser verkaufen, andere machen ein Schnäpchen. Die Banken haben Geld verloren, die Bauunternehmer haben Gewinne gemacht.
Gesamtwirtschftlich ist also nichts Dramatisches passiert.
Das einzige Problem ist, dass die Banken nun nicht mehr so viel Geld verborgen können, und damit in den nächsten Jahren vielleicht weniger Häuser gebaut werden können, und deshalb die Bauunternehmer weniger verdienen. Aber dafür haben sie in der Vergangenheit ja schon mehr verdient.
Insgesamt ist vielleicht das Vertrauen in das kreditfinanzierte Wirtschaften überhaupt erschüttert, aber das war ohnehin höchste Zeit. Jedenfalls besteht kein Grund für Weltuntergangsszenarien. Es gibt Gewinner und Verlierer, aber es gibt vor allem schöne neue Häuser, in denen junge amerikanische Familien wohnen, und jede Menge Leute, die Fehler gemacht haben, die sie nicht wieder machen werden.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/03/26/haben-die-banken-geld-verbrannt/



am 26. März 2008 um 23:51
Runtergebrochen auf diese vereinfachte Form: So isses! Was am Ende die meisten Probleme bereitet ist nicht die Sache ansich, es sind auch enttäuschte Hoffnungen und Illusionen, es sind vor Allem die Nebengeräusche, die unbefriedigten Wegelagerer, die …!
Grüße
Vogel
am 27. März 2008 um 10:19
Na ja, die Leute, die Häuser gekauft haben und deren Kredite gekündigt und von den Banken gezwungen wurden, ihr Haus zu einem niedrigeren Preis zu verkaufen, und jetzt auf einem Haufen Schulden sitzen, für die ist schon eine Welt zusammengebrochen.
Ausserdem würde ich empfehlen, eine Bankenkrise nicht zu unterschätzen. Der Finanzsektor spielt eine ganz entscheidende Rolle beim Funktionieren der Wirtschaft. Wenn hier etwas aus den Fugen gerät und die Banken ihre Rolle als Geldgeber nicht mehr richtig ausfüllen können, ist die gesamte Wirtschaft betroffen. In Japan hat es über 20 Jahre gedauert, bis sich das Land aus seiner Stagnation befreien konnte.
Und das mit den Fehlern: die werden seit Jahrzehnten immer und immer wieder gemacht, gerne auch mehrfach von den gleichen handelnden Personen und Institutionen. Im Falle der Kreditvergabe durch Makler, die Leuten Kredite aufschwätzten, die sie nur in Best-Case-Szenarien hätten bezahlen können und dafür Dokumente fälschten, nennt man das auch nicht mehr Fehler, sondern Betrug.
am 27. März 2008 um 11:39
@Fragezeichner: Natürlich gibt es dramatische persönliche Schicksale. Aber genau diese Leute meine ich, die da Fehler gemacht haben, die sie hoffentlich nicht wiederholen. Der Mensch lernt nur durch Niederlagen. Es wäre gut, wenn wir weniger auf Pump wirtschaften würden, das gilt für den Staat, aber genauso für die Häuslebauer.
am 27. März 2008 um 12:23
@Jörg, Ursprung: Im Prinzip stimme ich Dir zu. Die Grundlage ist wirklich so einfach.
@Fragezeichner, 2: Auch Dir stimme ich zu, allerdings hast Du das Ausmaß des „Betrugs“ nicht durchgängig genannt.
Den „Betrug“ habe ich in Anführungszeichen gesetzt, weil das Wort bestenfalls in der umgangssprachlichen Bedeutung den Sachverhalt beschreibt. Ich würde lieber von Schummeleien reden, die sich durch die gesamte Kette der Beteiligten verfolgen lassen.
So hat vielleicht wirklich der Makler dem Kunden einen grenzwertigen Kredit aufgeschwätzt, der Kunde hat ihn wahrscheinlich gerne genommen, weil er nur so seinem Ziel näher kam. Der erste Banker hat den Kredit gewährt, wohl wissend, daß er nicht sicher ist, aber er wollte seine Umsatzvorgaben erfüllen. Sein Chef wußte sehr wohl, daß der Verkaufsdruck dazu führte, daß „faule“ Kredite vergeben wurde. Also hat er schöne Wertpapierchen gebastelt, die im Prospekt als todsicher, weil durch Grundbesitz gedeckt, beschrieben wurden. Die hat er weiterverkauft. Aber auch die Käufer hätten wissen müssen, daß mit Hypotheken keine so großen Erträge zu erzielen sind. Sie wußten es auch, den sie gründeten Briefkastenfirmen um außerhalb der Bilanzen zocken zu können.
(Handelsblatt vom 20.03.08)
Die Süddeutsche zur SachsenLB.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/artikel/557/130331/?page=4
An dieser Stelle muß ich nun mindestens Jörg widersprechen. Diese Schummeleien werden garantiert wiederholt. Die maßgeblichen Akteure haben nämlich gelernt, daß sie für ihre Schummeleien nicht haften, sondern gut davon leben. Die angerichteten Schäden werden nämlich von uns allen getragen, und zwar in Form von Steuern, von einer Inflation, die unsere Ersparnisse aufzehrt, oder in Form von Sozialleistungen, die wir nicht bekommen, weil sich ein Heer von Gaunern unrechtmäßig und ohne jegliche Skrupel bereichert.
In einer wirklich liberalen Wirtschaft würden die Beteiligten mit ihrem Vermögen für die Schäden haften, die sie anrichten. Im real existierenden Vetternwirtschaftsparteiensumpf, wo sogar der Vorsitzenden der Partei „Die Linke“, Oskar Lafontaine, sich einen Sitz im Verwaltungsrat der KfW ergattern konnte und folglich schön brav die Klappe zu diesem Thema hält, wird keiner der Täter in irgendeiner Form zur Verantwortung gezogen.
am 30. März 2008 um 13:43
Sicherlich: Wer ungeschoren davon kommt, lernt aus seinen Fehlern nur, dass er ruhig weiter so unvorsichtig agieren kann. Ich bin allerdings nicht sicher, ob tatsächlich alle „Schumler“ so ungeschoren davonkommen.
Ich hatte allerdings ohnehin vor allem die Kreditnehmer im Auge als ich meinte, mache werden nun aus ihren Fehlern lernen und sie nicht wiederholen.