Jörg Friedrich


Zwischen Olympia-Boykott und euphorischer Feier

20. März 2008 Kategorie: Gesellschaft |

Von dem kommunistischen Ringer Werner Seelenbinder ist die Geschichte überliefert, dass er bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin die Absicht gehabt habe, im Falle eines Medallien-Gewinns den Hitler-Gruß bei der Siegerehrung zu verweigern. Zwar wurde Seelenbinder nur Vierter, welhalb dieses eindeutige politische Signal nicht zur Ausführung kam, doch zeigt schon allein der Plan, dass es zwischen dem Boykott Olympischer Spiele in einem Land, das von einer politischen Diktatur beherrscht wird und einer euphorischen Jubelfeier, die vom Regime als politische Anerkennung und Zustimmung gefeiert werden könnte, einen erheblichen Handlungsspielraum gibt, der von Sportlern und Funktionären genutzt werden kann und genutzt werden sollte.

Wenn im Sommer die Olympischen Spiele in Peking eröffnet werden, können die Teilnehmer, denen die Menschenrechte am Herzen liegen, auf vielfältige Weise zeigen, für wen ihre Herzen schlagen, mit wem sie sich solidarisieren. Olympische Spiele bieten eine Öffenlichkeit, die den Tibetern und auch den vielen Millionen Chinesen an den Fernsehern und auf der Straße zeigen können, dass der Welt ihr Schicksal nicht gleichgültig ist.

Man muss nicht auf die Teilnahme an den Olypischen Sommerspielen in Peking verzichten und kann trotzdem deutlich machen, dass man mit der Vorgehensweise der chinesischen Regierung in Tibet nicht einverstanden ist. Man kann umgekehrt sogar die Bühne des internationalen Sportfestes nutzen, um seine Solidarität mit den Tibetern zu zeigen. Dies kann mit einer deutlichen Zurückhaltung bei der Eröffnungs- und Abschlussveranstaltung beginnen, kann aus verschiedenen Einzeläußerungen von Sportlern und Funktionären bestehen, kann durch deutliche Zeichen bei der Farb- und Symbolwahl für Kleidung und öffentliche Auftritte gezeigt werden.

Es muss nicht die ganze Olympiamannschaft bei der Eröffnung der Spiele einmarschieren und der Staats- und Parteiführung zujubeln. Jedem Sportler sollte freigestellt werden, ob er hier teilnimmt und ob er fröhlich jubelnd oder nachdenklich-bedächtig die Bühne des Weltsports betritt.

Sportler und Funktionäre können sich auf ein schlichtes Symbol, einen Anstecker am Jackenaufschlag einigen, mit dem sie ihre Solidarität mit den Tibetern zeigen.

Schließlich kann auch jeder Teilnehmer überlegen, wie er sich selbst in der Öffentlichkeit, bei einer Siegerehrung, im Interview zeigen und äußern will.

Es gibt viele und bessere Möglichkeiten, der chinesischen Regierung deutlich zu machen, dass ihr Vorgehen in Tibet verurteilt wird und dem Ansehen des Landes schadet, als ein Boykott der Spiele. Statt über ein Fernbleiben zu diskutieren und die Kraft darauf zu verschwenden, die Abwehr gegen Boykottforderungen zu organisieren, sollten Funktionäre und Sportler weltweit überlegen, wie sie in China ihren Standpunkt zu Menschenrechten deutlich machen können.

Verwandter Artikel:
Olympische Spiele in China boykottieren?


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2 Kommentare to “ Zwischen Olympia-Boykott und euphorischer Feier ”

  1. # 1 wolfgang windhausen schreibt:

    Da möchte ich auf eine Großartige Aktion verweisen, der sich jeder anschließen kann :

    http://www.thecolororange.net/uk/page21_de

  2. # 2 Vogel schreibt:

    @Jörg
    find‘ ich gut!
    @Wolfgang
    sehr gute Idee (obwohl: Koch mit orangenem Schal, dat hat mir nich jefallen!)! Für Olympia ’ne Orange als Anstecker am Revers! Klasse!

    Beste Grüße an Euch zwei Guerillas
    Vogel

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