Schwänin Petra und Verwandte
Man darf eigentlich als aktiver Blogger aus Münster in diesen Tagen zum Thema Schwanenliebe (Petra und das weiße Tretboot) nicht schweigen, auch wenn man sich sonst zu lokalen Themen eher nicht äußert. Die Liebe der schwarzen Schwänin zu dem schwanenförmigen Tretboot auf dem münsterschen Aasee ist auch keine lokale Angelegenheit, ebensowenig wie Eisbär Knut nur die Berliner oder Eisbärin Flocke nur die Stuttgarter etwas anging.
Wenn gestern die Meldung, dass es zwischen Petra und dem Tretboot aus ist, unter den Top Ten der Google News stand, wenn ich bei einem Geschäftsessen nahe Bremen auf diese Tatsache Angesprochen werde, wenn heute morgen im Radio zu Ehren der verflossenen Schwanen-Liebe „Es ist vorbei -ei -ei …“ gesungen wird, dann muss ein Blogger zugeben, dass er in der Stadt seine Artikel schreibt, in der sich anderthalb Jahre lang die offenbar rührendste Liebesgeschchichte der Tierwelt abgespielt hat.
Aber: Offenbar stehen wir in Münster mit emotional stark beanspruchten Tieren nicht allein: Die traurige und schließlich zu einem Happy End geführte Geschichte des Eisbären-Babys Knut hat die Gemüter ebenso bewegt, und auch am Schicksal seiner Artgenossin Flocke nahmen die Menschen regen Anteil.
All das sind vielleicht nur geschickte Marketingkampagnen von Städten, ihren Zoos und Tretboot-Verleihfirmen. Aber die würden nicht funktionieren, wenn sie nicht auf ein Interesse, eine Zuneigung beim Publikum stießen. Inmitten der kulturellen Durchgestaltung unseres Lebens und unserer Umwelt suchen wir offenbar nach einem kleinen überschaubaren Stück Wildnis, an das wir unser Herz verlieren können, dem wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Sorge widmen dürfen.
Mit den wenigen Kindern, die wir noch haben, laufen wir zum Aasee und staunen über eine schwarze Schwänin. Und dass sie sich ausgerechnet in ein kitschiges Plastikboot aus Menschenhand verliebt hat, wollen wir vielleicht als Zeichen dafür nehmen, dass wir uns von der Wildnis doch noch nicht ganz getrennt haben, dass uns unsere Verbindung zur Natur noch nicht gänzlich abhanden gekommen ist.
Und während wir nicht wissen ob die klimatischen Veränderungen und das Ozonlock den Eisbären am Südpool das Überleben bald unmöglich machen, sind wir stolz in einem Berliner Tierpark ein einzelnes Eisbärenbaby vor dem Tode bewahrt zu haben.
Soll man über so viel hilflose Zuwendung nun lachen oder weinen? Ich weiß es nicht.
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am 25. März 2008 um 22:19
@Jörg,
jenseits aller Sentimentalität (meine Lieblingstiere: Schneeleopard, Tiger, Wolf, Luchs, Adler, Bär(en), Orangs, Gorillas … fast alles was kurz vor ex steht):
Man kann nicht soviel Tränen haben wie man weinen muss!
Okay, die Natur iss kein Kindergeburtstag, aber dass der Mensch mit Gewalt dafür sorgen muss, dass Flora und Fauna schnellstens verschwinden … Du kennst meinen Spruch: Auftrag erfüllt …
Grüße
Vogel