Olympische Spiele in China boykottieren?
In Tibet gehen chinesische Sicherheitskräfte brutal gegen Demonstranten vor, knapp ein halbes Jahr, bevor in Peking die Olympischen Spiele beginnen sollen. Verständlich, dass angesichts der Gewalt Rufe nach einem Olympia-Boykott laut werden, von denen die Sportfunktionäre allerdings nichts halten. Das ist nicht überraschend, denn Sportler wollen zum Wettkampf und „the show must go on“.
Aber sind Olympische Spiele in einem Land denkbar, in dem das Militär auf Mönche schießt? Was, wenn die erschütternden Bilder aus Tibet im Sommer noch nicht vergangen, geschweige denn vergessen sind?
Natürlich: Schon als die Spiele an China vergeben wurden hat die Welt gewusst, dass dort keine friedlichen Demokraten an der Macht sind, sondern dass die regierende Kommunistische Partei für den Erhalt ihrer Herrschaft bereit ist, jede aufflammende Unruhe in Blut zu ersticken. Seit dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens haben sich die Machtstrukturen in China nicht grundsätzlich geändert. Insofern haben diejenigen Recht, die sagen, man hätte, wenn man politische Kriterien an die Vergabe der Olympischen Spiele knüpfen will, die Veranstaltung eben gar nicht an China vergeben dürfen.
Andererseits hat die Weltgemeinschaft mit der Androhung eines Boykotts ein Mittel in der Hand, um den Machthabern in China deutlich zu machen, dass ihr Vorgehen in Tibet abgelehnt wird. Das ist fast die einzige Möglichkeit überhaupt, die Tibeter zu unterstützen. Die Androhung eines Boykotts der Olympischen Spiele könnte die Führung in Peking zu einem etwas mehr Zurückhaltung bewegen – deshalb sollte von dieser Möglichkeit auch Gebrauch gemacht werden. Allein der Verweis darauf, dass die Niederschlagung der tibetischen Demonstrationen einen Schatten auf die Spiele wirft, kann für Chinas Führung ein Grund zum Einlenken sein.
Es gibt viele Abstufungen zwischen ein Olympia-Teilnahme, die die Vorgänge in Tibet ignoriert und einem vollständigen Boykott. Die Verantwortlichen sollten mit Kreativität die richtigen Signale setzen, ohne alle Türen zuzuschlagen – das wäre der richtige Umgang der Funktionäre und der Politiker mit der Situation.
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am 17. März 2008 um 16:27
Ich wüsste nicht, wie ich als Politiker handeln sollte. Vielleicht hilft ein Blick auf die Olympischen Spiele 1936 – haben die Spiele den Nationalsozialisten geholfen? Haben sie irgendetwas geändert, verbessert, verschlimmert? Hätte ein Boykott damals irgendetwas ändern können?
War die Entscheidung vor 7 Jahren mit der Hoffnung verknüpft, Chinas demokratische Entwicklung zu fördern? Ich bin mir sicher, die Entscheidung war rein wirtschaftlich motiviert. Deswegen wird es auch niemals zu einem Boykott kommen. Nur die Begründungen dafür, die können sich die Entscheidungsträger auch gerne sparen.
am 19. März 2008 um 13:04
Ich bin für einen Boykott der Spiele in China. Es kann nicht angehen, dass ein Regime, dass inzwischen die schlimmsten Seiten des Kommunismus und des Kapitalismus unter der Flagge totalitären Herrschaftsbestrebens vereint weiterhin ein friedliches Land besetzt hält und dessen Freiheitsbestrebungen gewaltsam unterdrückt und im selben Jahr die Olympischen Spiele ausrichtet, welche ein Zeichen für Frieden und Verbundenheit aller Menschen untereinander sind.
Es wird Zeit, dass China endlich klar gemacht wird, dass es so nicht weitergehen kann.
am 19. März 2008 um 23:02
Ich bin für einen Boykott der Olympischen Spiele in China.
Und zwar aus mehreren Gründen. Erstens kann man das was China gerade macht nicht tolerieren, und zweitens ist es eine zumutung für Hochleistungssportler, da die Luft hochgradig Verschmutzt ist. Es hat auch schon ein Marathonleufer mit der Begründung abgesagt, dass er in so einer Umgebung keine Höchstleistung bringen kann.
Doch der Hauptgrund liegt in der Politischen Lage in der sich das Land befindet. Man muss China, einem der größten Länder der Erde endlich mal zeigen, dass es so nicht weitergehen kann.
Doch solch ein Boykott muss von allen eingehalten werden, was nie Funktioniert. Und daran wird es scheitern.
am 20. März 2008 um 09:12
Warum immer nur das eine oder das andere? Kann man nicht die Sportler als Botschafter verstehen? Viele Menschen könnten sich in dieser Zeit selbst einen Eindruck verschaffen. Auf den Prunk kann man verzichten. (Der Weg zum Basislager am Everset ist nun asphaltiert, damit die Fakel gut transportiert werden kann!)
Die Sportler für das zu bestrafen, was wir so nicht hinbekommen empfinde ich als Missbrauch.
Hätte ohne den Sport überhaupt jetzt jemand über Tibet geredet?
Warum gingen die Proteste nicht los, als der Beschluss für China gefasst wurde? Nun halte ich die Boykott-Rufe für verlogen.
am 25. März 2008 um 21:57
@Lisa,
seh ich auch so!
@ Mike & Martin
Man wusste, als man die Spiele nach Peking vergab, was Sache ist. Heute: „Alle Maschinen stopp!“ rufen, weil Tibeter die Aufmerksamkeit der Welt nutzen kann nicht funktionieren! Dass China von außen zu irgendetwas zu bewegen sei? Wer glaubt das? Träumer! (bitte nicht als persönliche Diffamierung verstehen! Okay?!)
Tibet gehört seit ca. 400 Jahren zu China (bitte lest das an anderer Stelle nach)! Tibet hatte bis 1959 ein Feudalsystem – Prof. Schmidt-Glintzer (u. a. Autor der „Kleinen Geschichte Chinas“:
Will jemand da wieder hin?
Beste Grüße
Vogel
am 4. August 2008 um 21:46
@ Vogel
Wenn du denkst Tibet gehört seit 400 Jahren zu China..okey..
Nur weil es in allen Geschichtsbüchern der Chinesen steht und jedem Chinese in der Schule so eingeprägt wurde, heisst das noch lange nicht, dass das auch wirklich stimmt. Tibetische Geschichtsbücher belegen nämlich das Gegeteil. Es ist also ein sehr umstrittenes Thema. An deiner Stelle würde ich so etwas nicht behaupten….
@ Lisa
Ich bin vollkommen deiner Meinung, man sollte die Sportler immer noch selber entscheiden lassen…Um etwas zu bewirken in Tibet müssten sich schon einige Länder/Regierungen zusammen tun, doch leider ist China schon eine zu starke Wirtschaftsmacht…
am 5. August 2008 um 07:53
@PAM
Ich habe mich in dem Fall auf Prof. Helwig Schmitz-Glintzer, u. a. Autor der “Kleinen Geschichte Chinas” bezogen, einen ausgewiesenen Fachmann. Apropos Geschichtsbücher: Vergleich ‚mal die aus der früheren DDR oder die aus dem heutigen Polen mit den unsrigen und die aus Russland, und die aus Frankreich und die aus … da lernst Du Geschichte(n) kennen, die kennt sonst keiner!
Unter Fachleuten ist es das nicht!
Btw: Wer erinnert sich heute noch an die rund 500 erschossenen und erschlagenen Demonstranten (mehrheitlich Studenten) in Mexiko? 10 Tage vor Eröffnung der olympischen Spiele 1968!! Und, was ist dann passiert? Nix!! Und, wie sieht’s heute noch (heute noch!) in Mexiko aus betreffend Menschenrechte?
Tipp: Erst vor der eigenen Haustüre kehren …
Beste Grüße
Vogel