Web 2.0 verriet Prinz Harry in Afghanistan
Es war gestern abend, 17:42 Uhr MEZ, als auf dem Nachrichten-Portal Drudge Report die Nachricht erschien, dass Prins Harry in Afghanistan an der Front kämpft. Innerhalb weniger Stunden waren alle Zeitungen voll davon, in den Nacht-Nachrichten des ZDF waren bereits Bilder zu sehen.
Der Einsatz sollte eigentlich geheim bleiben, um die Sicherheit des Prinzen und seiner Kameraden nicht unnötig zu gefährden. Wie konnte es kommen, dass nun doch die ganze Welt davon weiß?
Alles begann wohl damit, dass britische Medien den königlichen Leutnant in Afghanistan besuchen durften. Sie machten Fotos und Interviews und beobachteten ihn beim Schießen mit dem Maschinengewehr und beim schwer bewaffneten Gang durch afghanische Straßen.
Dabei verpflichteten sich die Journalisten, dieses Material erst nach Harrys Rückkehr zu verwenden. Die Idee war im Sinne der Krone und des britischen Militärs gar nicht so schlecht, schließlich sind Bilder des dritten in der britischen Thronfolge an vorderster Front gute Werbung für das Königshaus und fürs Militär.
Einer der beteiligten Journalisten wird es aber wohl nicht ausgehalten haben, so lange zu warten. Denn eines ist klar: Wer weiß, wann und wo genau das Informationsleck im Internet entsteht, kann als erster darüber berichten.
So wurde das Nachrichtenportal, welches sonst vor allem fremde Meldungen zusammenträgt und verbreitet, selbst zum Initialzünder. Die Meldung von gestern hatte keine Quellenangabe – wozu auch, es gab ja genügend Journalisten, die wussten, dass die Sache stimmt, und die ihre Filme, Fotos und Berichte bereits in ihren Systemen bereithielten. Es bedurfte nur noch eines Knopfdrucks, und die Nachricht erschien auf den Internetportalen der britischen Leitmedien.
Der Fall zeigt: In den zeiten des Internet-Journalismus lässt sich keine Nachricht geheim halten, schon gar nicht, wenn Journalisten vorab informiert werden. Dass Harry nun nach Hause muss, hätte den Beteiligten vorher klar sein können, Mitleid wäre da fehl am Platze. Journalisten, freie Nachrichtenportale und Blogger sind bereits so stark miteinander verknüpft, dass eine Nachricht jederzeit geschickt und anonym lanciert werden kann: überraschend ist eigentlich in diesem Falle, dass die erste Quelle überhaupt noch so genau benannt werden kann.
Natürlich lassen sich auch Falschmeldungen auf diese Weise effizient und anonym verbreiten – und man wird sie kaum je wieder los. Und wenn eine Nachricht sogar den Tatsachen entspricht, ist sie wohl in keinem Falle mehr zu verbergen.
Für Links auf diesen Artikel bitte wegen der Umlaut-Domain die folgende Adresse kopieren:
http://www.xn--jrg-friedrich-imb.de/2008/02/29/web-20-verriet-prinz-harry-in-afghanistan/



am 29. Februar 2008 um 14:12
Hallo,
da gewinnt doch die Redewendung:
„Du begegnest jedem im Leben zwei mal!“
eine ganz neue Dimension, gelle?
Gruß
am 1. März 2008 um 15:20
Wer hätte das gedacht. Der gute Prinz Harry macht doch mal was anderes als nur SaufTouren. Er steht auch für sein Land ein. Hut ab!
am 4. März 2008 um 23:18
Ja, zu Prinz Harry’s Einsatz kann man stehen wie man will (er trägt später ‚mal mehr oder weniger Verantwortung, kann nicht schaden, wenn er‘n Stück Life live mitkriegt) – aber, typisch Medien, typisch Internet, typisch: Mensch!
Was ich im KStA über diesen Drudge gelesen habe: Scheint ja ‚n richtiger Engel, ‚n richtig Netter, ‚n richtiges Goldstück … zu sein, dieser: Mensch!
F… D….. und den Journalisten, der’s Wasser nicht halten konnte, noch dazu!!
Grüße
Vogel
am 7. März 2008 um 15:14
…tja, vielleicht hat das Web2.0 dem Rotschopf Prince Harry (ist der überhaupt ein eheliches Kind, ich meine wegen der Roten Haare, sieht ja Daddy Prince Charles überhaupt nicht ähnlich??) vielleicht sogar das Leben gerettet.
Man stelle sich nur vor, der Haudegen mit blauem Blut wird im Zinksarg auf die grüne Insel zurückgeschickt. Wäre nicht unwahrscheinlich bei den täglichen Anschlägen. Auf Youtube findet man sogar Clips über Snipers in Bagdad (ich weiss, wir sind in Afghanistan, aber die gibt’s bestimmt auch dort). Oder womöglich wird Klein Harry noch von einer Tretmine verstümmelt und später auf‘m jährlichen Famlienfoto mit Queen Mum und dem älterchen Brüderchen im Rollstuhl verewigt. Wo doch Mammy Di so gegen diese bösen Schreckensdinger war.
Das wäre alles doch mehr als makaber. Versteh einer die Welt ??!! Lady Di hätte ihrem jungen Helden die Flausen schnell aus‘m Sturm-und-Drank-Flegel-Kopf getrieben. Sollte Harry mal lieber Daddy beim Ökoanbau helfen…
Also, lieber Harry. Sei mal schön dankbar für den geschwätzigen Journalisten, dem Internet, den weltweiten Communities und uns, die wir uns mit viel Zeit und Mühen ein Haufen Medienkompetenz draufgeschafft haben, mit Millionen von Blogs, damit Du nun wieder Polo spielen gehen darfst und mit Deinen Saufkumpanen im nächtlichen London in Discos heisse Mädels aufreissen wirst. So was ähnliches dürfen wir wohl in der nächsten Zeit wieder als „hot headlines“ erwarten. Aber verstehe das schon, wer rote Haare hat, muss auch ein wenig einen auf „rotzfrech“ machen. Ist ne Imagefrage… Hau drauf, Harry !
Sorry, an alle, die das hier lesen. Ich konnte mir ein wenig Ironie an einem Freitag Nachmittag nicht verkneifen. Aber Schwarzer Humor ist ja den Briten nichts Neues…
JayAr.
am 12. März 2008 um 00:18
Komisch, die Briten fragen sich gerade, wie es wohl sein konnte, dass ihre Regenbogenpresse lange genug dichtgehalten hat.
Typisch deutsche Frage?