Eine Argumentationsfigur
Am Rande einer Diskussion ergab es sich gestern, dass auf die Tatsache verwiesen wurde, dass die Fortis-Bank keine Sparschweine mehr als Geschenk verteilt. Auf diese Tatsache reagierte jemand mit der Äußerung, bei seiner Sparkasse gäbe es weiterhin rote Plastiksparschweine. Da das Thema dort ein anderes war, wollte ich nicht nachfragen, wie diese Tatsache zu werten sei, aber der Satz hat mich doch nicht losgelassen.
Aus den sonstigen Äußerung und der Art, wie das Argument vorgetragen wurde schlussfolgere ich, dass der Schreiber seine örtliche Sparkasse nicht als letzte Verteidigerin des Sparschweines gegen die multikulturelle Gesellschaft feiern wollte, sondern dass er irgendwie meinte, so lange seine Sparkasse noch rote Sparschweine ausgibt, besteht noch keine wie auch immer geartete Gefahr.
Das Argument ist nicht logisch, aber es ist aus der Geschichte gut bekannt.
Zunächst eine kleine logische Analyse (die nächsten Absätze können auch übersprungen werden):
Wir beobachten gewisse Tatsachen, die wir in Klassen gleichartiger Vorkommnisse einteilen (hier: Sparkassen und Banken geben Sparschweine an Kunden aus): Nun wird vereinzelt beobachtet, dass diese Praxis nicht mehr vorkommt, dass lokal Regeln eingeführt werden, die diese Klasse von Tatsachen verbieten (einzelne Banken entscheiden sich, keine Sparschweine mehr auszugeben). Die gegebenen Begründungen führen den Beobachter B zu der Hypothese, dass erstens zukünftig auch anderswo zu erwarten ist, dass die Praxis geändert wird und zweitens, dass diese geänderte Praxis ein Indiz für eine unerwünschte Änderung der Gesellschaft insgesamt ist. Beobachtes S aber sieht in seiner unmittelbaren Umgebung weiterhin Tatsachen, die der alten Praxis entsprechen und schlussfolgert insgesamt, B habe unrecht.
Die Schlussfolgerungen von B sind natürlich induktiv und werden erst dann bewiesen sein, wenn die alte Praxis gar nicht mehr auftritt und wenn dann auch noch die unerwünschten Veränderungen der Gesellschaft eingetreten sind. Andererseits widerlegt S mit seiner Beobachtung in seiner eigenen Umgebung weder die erste noch die zweite Vermutung von B.
Diese Argumentationsweise ist leider aus der Geschichte ebenso wie aus der Gegenwart gut bekannt. Das Aufkommen des Faschismus in Deutschland ist sicherlich bisher die größte Katastrophe, die aus dem Ignorieren von Veränderungen in der Gesellschaft entstanden sind. In der DDR wurden immer wieder Behauptungen, es gäbe keine Meinungsfreiheit mit dem Argument „widerlegt“ man selbst könne doch, hier und jetzt wo man gerade sei,seine Meinung sagen. Gerade vorgestern antwortete ein russischer Duma-Abgeordneter in einer Diskussion bei arte auf die Feststellung, dass die staatlchen Medien Kremeltreu seien, dass viele Russen ja via Satellit BBC empfangen könnten. Hinweise auf den Klimawandel werden gern mit dem Hinweis ad acta gelegt, dass es in Griechenland doch gerade sehr kalt gewesen sei.
Die Gefahr, die von dieser Argumentationsfigur ausgeht liegt darin, dass ihre Vertreter erst dann überzeugt sein werden, dass sie sich geirrt haben, wenn es zu spät ist. So lange die gesellschaftliche Praxis nicht komplett umgeworfen ist, werden sie immer noch Einzelfälle finden, die der vorhergehenden Verhalten entsprechen.
Es sind die kleinen Schritte, die unbedeutend erscheinenden Details, die verschwindenden Sparschweine, die Vorboten großer, unerwünschter Veränderungen sein können. Man kann sie immer einzeln als Ausnahmen abtun, man kann den Zusammenhang zu den wesentlichen Werten der Gesellschaft leugnen. Das haben die Menschen in der Geschichte schon oft getan – und schlitterten immer wieder in Katastrophen, von denen sie sich lange nicht erholten.
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am 28. Februar 2008 um 11:19
Ja, aber man kann auch dem Gegenteil verfallen: aus unbedeutenden Einzelheiten eine grosse Verschwörung zu konstruieren. Auch dies haben die Menschen in der Geschichte schon oft getan (auch die Nazis haben im übrigen genauso gearbeitet).
Wie es sich mit den Sparschweinen verhält, kann in der Tat niemand von uns als einzelner beurteilen. Wie wäre es mit einer Umfrage bei 1000 Bankfilialen in Deutschland?
am 28. Februar 2008 um 11:25
Jetzt können wir Karl Popper aus dem Schrank holen und die Falsifizierung diskutieren. Die Frage der Gesellschaft lässt sich mit der wissenschaftlichen Methodik aber wohl schlecht diskutieren.
Entscheidene Fragen scheinen mir andere:
Die eine Frage ist die, warum das Sparschwein verschwindet, also sind es vorhandene Kunden einer Bank, die sich eine andere Bank suchen oder hat die Bank zu wenig Kunden und bemerkt, dass potentielle Kunden eben kein Sparschwein mehr in der Menge wünschen, in der es angeboten werden muss, damit auch die Bank einen wirtschaftlichen Vorteil davon hat. Damit wäre das Verschwinden des Sparschweines ein ganz normaler Vorgang, egal warum es verschwindet. Es wäre vor allem ein Vorgang, gegen den jeder Verfechter der Marktwirtschaft kaum etwas einzuwenden haben dürfte. Hier stellte sich dann lediglich die Frage, ob diejenigen, die einerseits für eine Marktwirtschaft sind und andererseits Angst vor der Ausbreitung des Islam haben, diese beiden sich in diesem Falle in Konkurrenz befindenden Ideologien noch unter einen Hut bekommen.
Anders sähe es aus, wenn das Sparschwein durch Drohungen, die Bank in die Luft zu jagen, wenn es nicht verschwände, sein Dasein verlierte. Dann wäre es deutlich, dass es hierbei nicht um einen normalen marktwirtschaftlichen Vorgang ginge, sondern um einen Gewaltakt.
Die dritte Möglichkeit wäre die undefinierte Angst vor einem Anschlag, so wie wir sie vor einiger Zeit in Berlin hinsichtlich der Oper „Idomeneo“ hatten. Würde aus dieser Angst das Sparschwein verschwinden, wäre die Frage gerechfertigt, wer eigentlich die Angst verbreitet.
Mindestens diese drei Punkte sollte man aber auseinander halten können.
am 28. Februar 2008 um 11:30
„Man kann sie immer einzeln als Ausnahmen abtun, man kann den Zusammenhang zu den wesentlichen Werten der Gesellschaft leugnen.“
Wann und wie ist denn die „Hypothese“ (Zitat), dass es diesen Zusammenhang gibt, zur Gewissheit geworden?
am 28. Februar 2008 um 13:39
@Fragezeichner: Natürlich besteht auch die gegensätzliche gefahr. Deshalb muss man versuchen herauszufinden, ob die Argumente, es seien Anzeichen, Vorboten für Unerwünschtes, plausibel sind. Die Fakten aber einfach zu bestreiten, wird wohl nicht helfen.
@Peter Kammer: Ich konzentriere mich ganz auf Fall eins, der hier vorzuliegen scheint. Das Unternehmen hat eine unternehmerische Entscheidung getroffen, die ich auch nicht in Frage stelle. Die Frage ist: wie kam es, dass diese Entscheidung die richtige unternehmerische Entscheidung ist? Welche Veränderungen in der Gesellschaft haben dazu geführt? Und wozu können diese Veränderungen noch führen?
@Sebastian: Für den Sparschwein-Fall gibt es diese Gewissheit noch nicht. Sollen wir abwarten, bis wir Gewissheit haben, oder schon jetzt überlegen, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen?
am 28. Februar 2008 um 14:00
@Jörg: Interessanter hätte ich ja die Frage gefunden, wie der Widerspruch zu bewerten ist zwischen dem Wunsch, Dinge über den Markt regeln zu lassen und der Frage, wie damit umgegangen werden soll, dass im Falle des Islams der Markt nicht das gewünschte Ergebnis bringt.
Außerdem wäre einmal wünschenswert zu hören, welche Handlungsempfehlungen daraus abgeleitet werden – also ob nun die Verfechter des freien Marktes eine Marktregelung einfordern, um den Islam einzudämmen.
am 28. Februar 2008 um 14:04
@Peter Kammer: Da wirst du die Verfechter der freien Marktwirtschaft fragen müssen und nicht einer Neoliberalen wie mich.
Mein Lösungsansatz wird sicherlich kein „Gesetz zur Einführung des obligatorischen Sparschweins bei Banken und Sparkassen“ sein. Aber bei einer Lösung bin ich noch gar nicht, ich versuche noch, das Problem zu erfassen.
am 28. Februar 2008 um 14:04
@Jörg: niemand bestreitet ja die Geschichte, es wird ja nur über die Motivation der Bank diskutiert. Aber bevor man Schlüsse zieht, ob eine Geschichte wie die mit dem Sparschwein Indiz für eine Aufgabe westlicher Werte ist, sollte man sowohl seine Hintergründe ergründen als auch streng empirisch vorgehen, um zu verifizieren, ob es sich um einen Einzelfall handelt oder nicht. Diese „Beweislast“ würde ich mal demjenigen auferlegen, der den Schluss zieht.
Im Dokumentationsbereich des Konzentrationslagers Dachaus sind etliche Zeitungsmeldungen der 30er-Jahre dokumentiert, die Geschichten über deutschfeindliche Aussagen von Juden, Ritualmorde, kriminelle Handlungen, Verwicklungen in politische Verschwörungen enthalten. Auf sehr perfide Weise, mit vielen Kleinigkeiten, Details, Namen wurde damals ein Bild von Juden entworfen, das den Anti-Semitismus schürte und Übergriffe vorbereiten sollte. Viele der Geschichten waren wahr oder halbwahr und dennoch war das ganze eine grosse inszenierte Lüge.
am 28. Februar 2008 um 17:05
Ich meine, der Versuch, die Entscheidung der Fortis Bank (sollte sie denn tatsächlich so getroffen worden sein) auf eine sachlich-betriebswirtschaftliche Ebene herunterzuholen, funktioniert nicht. Auch in unserer Firma haben wir Produkte, die ein Teil der Kunden will und ein anderer eben nicht. Sollen wir die jetzt aus dem Programm nehmen – obwohl sie weiter gekauft werden – nur um einigen Kunden den Anblick dieser Artikel zu ersparen? Die Logik kann ich, ehrlich gesagt, nicht ganz nachvollziehen.
Meiner Meinung nach handelt es sich bei der Entscheidung der Bank nicht um eine verkaufs- oder marketingtechnische (es sei denn die Bank hat nur noch Muslime als Kunden), sondern um eine Art „politischer“ Geste gegenüber einer neuen Kundengruppe. Und – ich halte die Entscheidung der Bank für falsch. Ich halte das Signal, dass davon ausgeht für falsch und diese Entscheidung zeugt für mich von einem völlig falschen Verständnis bzgl. Toleranz, Respekt und gemeinsamen Zusammenleben.
Wenn Toleranz nur noch regressiv verstanden wird, werden wir uns bald alle gegenseitig unsere eigenen Charakteristiken und Besonderheiten so weit abgeschliffen haben, dass nur noch ein „grauer Einheits-Weltbürger“ ohne Ecken und Kanten, ohne eigene Persönlichkeit, übrig bleibt. Das kann`s doch wohl nicht sein! Ist es denn, verdammt noch mal, wirklich so schwer, gegenseitig Respekt und Toleranz für die Eigenarten des Anderen aufzubringen?
Ich erwarte Toleranz für ein „Schweinchen“ (um bei deinem Beispiel zu bleiben, auch wenn es im Kern ja eigentlich um entscheidendere Dinge geht) in dem gleichem Maße, wie ich Toleranz und Zustimmung ganz selbstverständlich z.B. für den Bau von Moscheen aufbringe.
Allerdings vermute ich auch, dass diese Form von „vorauseilendem Gehorsam“ von muslimischer Seite gegenüber der Bank auch nie gefordert worden ist !! Deshalb verstehe ich die Aussage deines Diskussionspartners so: „Mir ist nichts bekannt, dass jemand Druck auf die Bank ausgeübt hätte, bei meiner Bank gibt es das Schweinchen ebenfalls noch, wie sich der Fall tatsächlich zugetragen hat, weiß ich nicht – also lasse ich mich nicht in einen Alarmismus hineinziehen“.
am 28. Februar 2008 um 22:23
@Aki Arik: Danke für Deine konstruktiven Überlegungen, die ich weitgehend nachvollziehen kann.
Zum letzten Absatz: Ich denke, dass es arlamierend ist, wenn Unternehmen so einen „vorauseilenden Gehorsam“ zeigen, vielleicht arlamierender, als wenn es die Reaktion auf eine explizite Forderung wäre. Das Argument, dass noch nicht alle Unternehmen so handeln, ist da nicht beruhigend.
am 29. Februar 2008 um 00:26
„Für den Sparschwein-Fall gibt es diese Gewissheit noch nicht. Sollen wir abwarten, bis wir Gewissheit haben, oder schon jetzt überlegen, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen?“
Jeder sollte sich immer darüber im klaren sein, in was für einer Gesellschaft er leben will.
Aber bitte nicht ablenken. Es ist völlig richtig, dass man die These einer wesentlichen Gesellschaftsveränderung nicht widerlegt, indem man kleine Gegenbeispiele auftischt. Genausowenig ist sie aber mit kleinen Für-Beispielen bewiesen. Das ignoriert der Beitrag und ist daher logisch inkonsequent.
Menschen schlittern in Katastrophen, weil sie Gefahren nicht sehen wollen. Sie schlittern aber auch in Katastrophen, weil sie sich Gefahren eingebildet und gegenseitig eingeredet haben, die gar nicht da waren. Eine jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung zum Beispiel.
Deswegen ist es fahrlässig, mit farbigen, aber in bezug auf das Ganze nicht aussagekräftigen Einzelfällen Stimmung zu machen. Es ist genauso fahrlässig, auf gut Glück zu glauben, dass die Gefahr nicht da ist, wie auf gut Glück zu glauben (und zu verbreiten), dass sie da ist.
Nein, wir sollen nicht „abwarten“, sondern uns um ein realistisches Bild bemühen, indem wir uns die Fakten anschauen. Natürlich hat Niggemeier nirgends widerlegt, dass es eine Islamisierungsgefahr gebe. Aber diejenigen, die eine solche Gefahr annehmen, stehen der Tatsache, dass auf ihrer Seite Unwahrheiten kursieren, oft ziemlich gleichgültig gegenüber. Und es fragt sich, wie sie aus Unwahrheiten im Kleinen die Wahrheit im Großen zusammensetzen wollen.
am 2. März 2008 um 16:29
Art und Umfang von Werbegeschenken hat sich in den vergangenen Jahren ganz massiv verändert. Schon allein deshalb ist es außerordentlich gewagt, aus der Abschaffung des Sparschweins durch eine Bank einen allgemeinen Rückschluß auf die Islamisierung Europas zu ziehen.
Die ARD ist nicht mit Onkel Otto gestorben, HB nicht mit dem HB-Männchen und Ariel wird heute auch ohne Tante Klementine verkauft.
Das ist eine typische Broderline-Diskussion ohne Sinn und Verstand.
am 3. März 2008 um 17:27
@Sebastian: Ich habe die Tatsache, dass mit Einzelfällen keine allgemeine Entwicklung belegt werden kann, nicht nur nicht ignoriert, sondern ausdrücklich erwähnt. Die Tatsachen sprechen im Moment für die, die vor unerwünschten Entwicklungen warnen, und ignoriert werden sie eher von denen, die noch kürzlich behaupteten, es gäbe keine Banken, die Sparschweine abschaffen.
@Karl: Du ignorierst allerdings, dass die Fortis-Bank ganz explizit die „multikulturelle Gesellschaft“ als Grund für die Trennung von Knorbert angegeben hat. Es wird hier auch kein allgemeiner Rückschluss gezogen, es ist aber nicht zu bestreiten, dass der Fall die Theorie, es gäbe eine „Islamisierung“ eher bestätigt als widerlegt.
am 3. März 2008 um 19:26
Vorausgesetzt, die Fortisbank hat wirklich explizit die „multikulturelle Gesellschaft“ als Grund für den Rückzug eines Sparschweins angegeben, so hat sie sich ausgesprochen blöd angestellt.
Multikulturelle Gesellschaft bedeutet nämlich keineswegs, daß ich meine Kultur zu Gunsten einer fremden Kultur aufgeben soll. Leider stellen weder Broder, noch Claudia Roth diese Zusammenhänge richtig dar. Wobei ich mich bei der Roth des Eindrucks nicht erwehren kann, daß sie einfach zu dämlich ist, um zu begreifen, was sie tut. Broder hingegen ist ein intelligenter Bursche, der absichtlich eine Hetze betreibt, die er als Antisemitismus anklagt, wenn sie in ähnlicher Form gegen Juden geht.
am 3. März 2008 um 20:01
„Knorbert erfüllt nicht die Bedingungen, die die multikulturelle Gesellschaft an uns stellt“ – so wird die Fortis-Bank überall zitiert. Schau in den anderen Artikel zum Thema.
am 3. März 2008 um 20:16
„Die Tatsachen sprechen im Moment für die, die vor unerwünschten Entwicklungen warnen, und ignoriert werden sie eher von denen, die noch kürzlich behaupteten, es gäbe keine Banken, die Sparschweine abschaffen.“
Ach so, Sie haben schon entschieden, wer Recht hat. Das war mir entgangen. Ich bitte um Verzeihung für die Einmischung und lasse Sie nun wieder allein mit Ihrer Deutungshoheit über DIE Tatsachen.
am 3. März 2008 um 20:25
@Sebastian: In diesem Blog ist kritische, widerstreitende Diskussion erwünscht, so lange sie sachlich ist. Ich habe nicht entschieden, wer Recht hat, in so fern ist es Ihnen nicht entgangen, es war einfach nicht so.
Wenn jemand sagt, dass eine bestimmte Tasache für eine bestimmte Entwicklung ein Indiz ist, und seine Gegner bestreiten, dass diese Tatsachen existieren, dann spricht einiges für den ersten, wenn dann eben diese Tatsachen für jeden nachprüfbar erneut eintreten, nicht wahr?
Wenn Max z.B. vorige Woche gesagt hat, wenn Schalke weiterhin nicht gewinnt, dann wird irgendwann Herr Slomka nicht mehr Trainer sein und Moritz erwidert darauf, Schalke gewinnt aber gegen Bayern, dann spricht doch einiges für die Vermutung des Max, wenn nunmehr Bayern gegen Schalke gewonnen hat, auch wenn heute Slomka immer noch Trainer ist, oder? Anders wäre es gewesen, wenn Moritz gesagt hätte, dass Slomka immer Trainer bei Schalke bleiben wird, egal, ob sie nun in den nächsten Wochen nur noch verlieren oder gewinnen. Dann hätte Schalkes Niederlage keine Unterstützungskraft, weder für Max, noch für Moritz.
am 3. März 2008 um 20:28
Hinsichtlich der „multikulturellen Gesellschaft“ nur ein Satz, der etwas älter ist und wohl noch nicht einmal von Claudi Roth zu sagen gewagt worden wäre:
„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, so sie bekennen, ehrliche Leute sind. Und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land peuplieren, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.“
Der Satz von Friedrich II. könnte recht einfach zu einer induktiven Beweisführung hinsichtlich des Erfolgs multikultureller Gesellschaften führen (denn es folgte ja das berühmte „Glanz und Gloria“). In Verbindung mit der „multikulturellen Gesellschaft“ USA hätten schon wieder einige ein Stringenzproblem am Hals, denn erstens die Marktwirtschaft fordern, zweitens aber die Marktwirtschaft wiederum kritisieren, wenn sie zum Sparschweinverlust führt, drittens die USA unterstützen, viertens aber die „multikulturelle Gesellschaft“ ablehnen, geht insgesamt nicht so richtig zusammen. Deshalb bin ich ja auch gespannt, wenn HMB und seine Freunde mal Handlungsempfehlungen geben würden. Diejenigen, die er gibt, werden wieder genüsslich zerpflückt:
http://www.dasmagazin.ch/index.php/Verlogener_Widerstand
Man achte hierbei auf die Kommentare, zum Beispiel:
“ Martin Sauser
Selbst für mich als Nichtjuristen ist die im Artikel vertretene Auffassung von Recht eine der eigenartigsten Ideen, die ich je gehört habe. Der Autor vertritt das Prinzip „Quid pro Quo“, oder anders ausgedrückt, ausländischen Personen wird in unserem Staat das zugebilligt, was uns von ihren jeweiligen Heimatstaaten auch zugebilligt wird; wenn wir in Saudi-Arabien keine Kirche bauen dürfen, dürfen Saudis bei uns auch keine Moschee bauen, oder wenn ausländische Frauen in Saudi-Arabien nicht Autofahren dürfen, dürfen das Frauen aus Saudi-Arabien bei uns auch nicht. Mit Verlaub, aber ein solcher Nonsens kommentiert sich von selbst. Was wäre denn z. B. wenn ein islamisches Land X plötzlich den Bau von Kirchen erlauben würde? Düfrten dann die Bürger dieses Landes bei uns Moscheen errichten und die Bürger aller anderen islamischen Länder nicht? Selbstverständlich müssen Personen aus islamischen Ländern, welche bei uns liberale Rechte einfördern und die selben Rechte bei ihnen zu Hause nicht gewähren wollen, auf ihren nicht akzeptablen philosophischen und politischen Widerspruch hingewiesen werden, aber die rechtliche Behandlung ausländischer Bürger in eimem Staat individuell von den Gesetzen ihrer Staaten abhängig zu machen, ist schlicht absurd.“
Hinsichtlich der „Wahrheitsfindung“ interessant ist aber nun auch etwas anderes:
Im Allgemeinen argumentieren die „Islamkritiker“ ja induktiv, wenn wir mit Karl Popper argumentieren, dann können sie damit allerdings keinen Beweis aufstellen, sondern liefern geradezu die Vorlage, sie zu widerlegen.
Das wiederum gefällt Broder überhaupt nicht (http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/erbarmen/).
(„Die islamophile Bloggerszene, vornweg Kommissar Erbsenzähler, jubelte: Wenn diese Meldung ein Fake war, dann wäre auch alles übrige, das den Moslems in die Schuhe geschoben wird, genauso gefakt.“)
Das Verschwinden der Sparschweine der „Fortis“-Bank würde dann für Broder allerdings das Nicht-Verschwinden der Sparschweine anderer Banken wiederum aufheben. Popper würde bei dieser Argumentation zwar wohl im Grabe rotieren, aber man sollte vielleicht das Problem verdeutlichen und Broder einen Lösungsweg bieten:
HMB ist Ideologe. Wer Artikel von ihm liest, erwartet die Zemetierung seiner Ideologie, also erwartet man auch die selektive Wahrnehmung der Wirklichkeit. Gleichzeitig übernimmt er aber eine Doppelrolle zwischen Rechercheur und Kommentator. Diese Doppelrolle macht ihn genauso unglaubwürdig wie Karl-Eduard von Schnitzler unglaubwürdig war. Ein Bericht in Monitor war glaubwürdig, die Kommentierung des Berichtes wurde nicht mehr als glaubwürdig wahrgenommen.
Auch Broder würde mit Sicherheit glaubwürdiger, wenn er sich lediglich an einer der beiden Rollen versuchte.
am 4. März 2008 um 09:26
@Jörg, #14
1. Die Fortisbank wird nicht überall zitiert, sondern in Revolverblättchen, die ihrerseits zitiert werden.
2. Selbst wenn das Zitat wörtlich richtig wäre, ist der Kontent des Originals noch lange nicht klar.
3. Wenn irgendein Banker den Sinn des Wortes „multikulturell“ nicht verstanden hat, ist das nicht der Untergang des Abendlandes.
4. Broder wird schon 2005 mit seiner Sparschweingeschichte zitiert und konnte sie damals schon nicht dokumentieren. Im Gegenteil: Die Fortisbank ist erst seit kurzem im Gespräch. Möglicherweise ist hier Ursache und Wirkung vertauscht. Sprich: Die Bank zieht das Sparschwein aus dem Verkehr, weil Broder und andere Unheil prophezeihen!
5. Die beiden ersten Banken, denen man die Diskriminierung von Sparschweinen vorwarf, haben diesen Vorwurf umgehend aufgeklärt. Hier nachzulesen: http://www.abc.net.au/mediawatch/transcripts/s1494636.htm
6. Goebbels hätte Broder sofort engagiert. Er wußte nämlich auch schon, daß in guter Propaganda immer ein Körnchen Wahrheit enthalten ist.
am 4. März 2008 um 09:45
Hallo Karl,
Revolverblättchen? Naja.
Ich habe im Zusammenhang mit dieser Geschichte übrigens an verschiedenen Stellen (u.a. in der Prontausgabe des „Revolverblattes“ FAZ) gelesen, dass es in der Tat in den letzten Jahren mehrere solcher Fälle gegeben hat, wobei die Banken auf Anfrage immer dementiert haben, dass ein Zusammenhang mit der Rücksichtnahme auf muslimische Kunden existiert.
Aber das ist gar nicht der Punkt, in meinem Artikel geht es um etwas anderes, um das sich alle, die Broder bei der Sache ins Spiel bringen, immer herumdrücken.
Nimm doch einmal für einen Moment an, dass die Fortis-Bank tatsächlich das Sparschwein abgeschafft hat, weil es „den Anforderungen der mulikulturellen gesellschaft nicht genügt“. Mir geht es um die Frage, was daraus zu folgern wäre. Da kann man doch wohl mal einen Moment lang ganz gelassen drüber nachdenken?
am 4. März 2008 um 09:52
Ich habe mehrfach laut darüber nachgedacht ob da ein Zusammenhang besteht und wie er zu bewerten wäre. Du hast es überlesen, weil es nicht in Dein Konzept passt:
3. Wenn irgendein Banker den Sinn des Wortes „multikulturell“ nicht verstanden hat, ist das nicht der Untergang des Abendlandes.
Zur FAZ: 1. …, die ihrerseits zitiert werden.
am 4. März 2008 um 12:12
Aber das ist gar nicht der Punkt, in meinem Artikel geht es um etwas anderes, um das sich alle, die Broder bei der Sache ins Spiel bringen, immer herumdrücken.
Nimm doch einmal für einen Moment an, dass die Fortis-Bank tatsächlich das Sparschwein abgeschafft hat, weil es „den Anforderungen der mulikulturellen gesellschaft nicht genügt“. Mir geht es um die Frage, was daraus zu folgern wäre. Da kann man doch wohl mal einen Moment lang ganz gelassen drüber nachdenken?
Genau diese Frage habe ich doch gestellt und bisher weder von Dir eine Antwort bekommen, noch im Broder-Universum sinnvolle Punkte gefunden. Dass seine Lösungsvorschläge bisher eher peinlicher Natur waren, habe ich erwähnt.
am 4. März 2008 um 13:38
Also extra für Dich noch einmal, diesmal extradeutlich:
Wenn irgend ein saudummer Bankier auf die außergewöhnlich blöde Idee gekommen wäre, das Sparschwein abzuschaffen, weil es den Anforderungen der multikulturellen Gesellschaft nicht genügt, dann ist das so egal, als wenn in China ein Sack Reis platzt.
Banken orientieren sich nicht an Kultursymbolen, sondern an Umsatz und Ertrag. Selbst wenn alle Banken übereinstimmend zu der betriebswirtschaftlich sinnvollen Ansicht kämen, daß Werbegeschenke, die von einem wachsenden Anteil ihrer potentiellen Kunden als „unrein“ angesehen werden, kontraproduktiv sind, ist daraus kein Rückschluß auf den Untergang des Abendlands möglich.
Wenn Du aber zum Erhalt der deutschen Leidkultur beitragen willst, kannst Du Dich bei der Schutzgemeinschaft Deutsches Sparschwein engagieren:
Auf der Website der Schutzgemeinschaft hast Du auch die Möglichkeit, eine Grundgesetzänderung zum Schutze des Deutschen Sparschweins zu unterstützen:
http://www.sparschweinschutz.de/gesetz.htm
am 4. März 2008 um 23:07
@Jörg, @ Karl
1. Wehret den Anfängen ist an sich kein falscher Ansatz, aber bitte nicht hyperventilieren (tust Du ja nicht, Jörg, find’s spannend und interessant, was Du hier angestiftet hast)
2. Karl hat natürlich auch nicht unrecht, wenn er nur nicht gar so schweres Geschütz, imho, aufführe.
3.
heißt vielleicht auch nur: Wir haben Kundschaft aus aller europäischen Herren Länder. Mit ‚nem Sparschwein können die nicht alle so viel anfangen wie das traditionell bei uns der Fall war; wie überhaupt das Sparschwein aus der Mode geraten ist. Deshalb stellen wir das jetzt ein und sagen, statt langer Erklärungen, aus „multikulturellen Gründen …“
Beste Grüße
Vogel
am 17. November 2009 um 14:16
Oft wird auch konträr argumentiert, indem eine Tatsache, wenn sie nur weit genug verbreitet ist, als weniger problematisch eingestuft wird.
So berichtete mir ein Freund, der Arzt hätte bei ihm ein Herzproblem diagnostiziert, „allerdings hätten das sehr viele Menschen“. Er implizierte also, daß es gar nicht mehr so schlimm sei, dieses Herztproblem zu haben, weil es ja sehr verbreitet sei.
Auf das Sparschweinproblem, das ja nur ein Beispiel für viele parallel gelagerte Fälle ist, umgelegt, wird es einen Zeitpunkt geben, ab dem der Verlust der eigenen Identität nicht mehr als tragisch empfunden wird, weil dieses Problem zu einem Zustand der Allgemeinheit geworden ist.
(Das dürfte allerdings auch politisches Kalkül bestimmter Parteien und Gruppen sein)