Lisa Ortgies – die Hoffnungsträgerin
Sie ist in fast allem das Gegenteil von Alice Schwarzer: Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie sieht gut aus, schminkt sich und geht zum Friseur. Selbst die Zeitschrift Emma musste lang suchen, bis sie eine Gemeinsamkeit zwischen der bisherigen und der zukünftigen Chefredakteurin entdeckte: Beide haben „eine Zeit lang in Paris gelebt“ kann man in einem auf der Emma-Homepage veröffentlichten dpa-Bericht lesen.
Dass Lisa Ortgies trotzdem irgendwann im Frühjahr Chefredakteurin von Emma wird, ist ein Hoffnungsschimmer am Horizont des Feminismus. Welche Frau wollte wie Alice Schwarzer sein? Aber viele junge Frauen wollen sein wie Lisa Ortgies: Selbstbewusst, eigenständig, schön, verheiratet mit einem erfolgreichen Mann und selbst ebenso erfolgreich, mit Kindern.
Lisa Ortgies glaubt nicht, dass der Kampf des Feminismus schon geschlagen ist, dass die Frauen schon da angekommen sind, wohin sie vor Jahrzehnten aufgebrochen sind. Im Spiegel-Online-Interview sagte sie gestern:
In Zukunft werden die Frauen die Machtfrage stellen müssen. Denn die Aufteilung der Familienarbeit ist nichts anderes als ein Machtkampf. Da geht es nicht nur um zwei, vier oder sechs Monate Elternzeit, sondern um ihre ganze Lebensplanung. Da geht es um Geld, um soziale Stellung, um Prestige.
Es hat sicherlich eine andere Wirkung, wenn Lisa Ortgies das sagt, als wenn solche Sätze von Alice Schwarzer kommen. Denn die junge TV-Moderatorin weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie da spricht. Das muss auch Alice Schwarzer klargeworden sein. Deshalb ist es ihr hoch anzurechnen, dass sie eine dynamische junge Mutter zu ihrer Nachfolgerin macht. Die Zeitschrift Emma hat vielleicht ihre beste Zeit noch vor sich.
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