Jörg Friedrich


Pooth in Not

21. Februar 2008 Kategorie: Wirtschaft |

Franz-Josef aka Franjo Pooth musste für sein Unternehmen Maxfield im Januar einen Insolvenzantrag stellen. Das kann jedem Unternehmer passieren: Man schätzt Trends falsch ein, irrt sich in den Bedürfnissen der Kunden, strukturiert die Firma nicht optimal oder setzt auf die falschen Partner. Selbst der große Bill Gates soll einmal gesagt haben, man sei immer nur 18 Monate vom Scheitern entfernt, und wer weiß, vielleicht gilt das gerade im Moment auch wieder für Microsoft.

Die Insolvenz von Maxfield war deshalb auch kein Grund für eine besonders intensive Beschäftigung mit diesem Fall. Dass der Unternehmer mit der Werbeikone Verona Pooth, früher Feldbusch, verheiratet ist, macht ihn aus wirtschaftlicher Sicht ja nicht spannender. Meint man.

Die heutigen Meldungen werfen jedoch ein anderes Licht auf die Geschichte: 9 Mio. Euro Schulden hat sein Unternehmen bei der Stadtsparkasse Düsseldorf. Das ist wenig im Vergleich zu den Milliarden, die andere öffentliche Banken in letzter Zeit verbrannt haben. Wenn man aber bedenkt, dass sein Unternehmen ganze 12 Beschäftigte hat, fragt man sich schon, wie es einer schafft, je Mitarbeiter knapp eine Millionen Euro Schulden zu machen. Und wie geblendet Banker von der schillernden Gestalt (und vielleicht dann doch der schönen berühmten Frau) gewesen sein müssen, um solche Kredite an eine relativ kleine Firma herauszureichen. Viele Mittelständler, die lange zähe Verhandlungen um kleine Kredite mit ihren Banken führen, werden sich verdutzt die Augen reiben.

Mir persönlich sind die vorsichtigen Banker lieber, die nach nakten Tatsachen statt nach schönem Schein urteilen. Luftschlösser sind schnell gebaut – und auch schnell wieder verweht. Es gibt noch viele Mittelständler, die sind stolz darauf, noch gar keinen Kredit bei einer Bank genommen zu haben – abfällig nannte man das um das Jahr 2000 herum die „Old Economy“. Der Fall Pooth zeigt: Die New Economy hat sich zwar bereits überlebt, aber sieist noch nicht so tot, wie man gehofft hatte.


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5 Kommentare to “ Pooth in Not ”

  1. # 1 Michael Kostic schreibt:

    Hallo

    „Es gibt noch viele Mittelständler, die sind stolz darauf, noch gar keinen Kredit bei einer Bank genommen zu haben – abfällig nannte man das um das Jahr 2000 herum die „Old Economy“. Der Fall Pooth zeigt: Die New Economy hat sich zwar bereits überlebt, aber sie ist noch nicht so tot, wie man gehofft hatte.“

    Lass mal, mit dem Gedankengut gehörst Du noch immer zu den Dinosauriern in der Wirtschaft. Wir habe es längst aufgegeben Leuten zu erklären warum wir nicht mit solcherlei vor verauslagtem Kapital wirtschaften werden :-)

    Sag mir, wo die guten Kaufleute sind,
    Wo sind sie geblieben?
    Sag mir, wo die guten Kaufleute sind,
    Was ist gescheh‘n?
    Sag mir, wo die guten Kaufleute sind,
    Diplomkaufleute pflückten sie geschwind.
    Wann wird man je versteh‘n,
    Wann wird man je versteh‘n?
    Sag mir, wo die Diplomkaufleute sind
    die Gier nach Mehr nahm sie geschwind.
    Sag mir, wo die Ökonomen sind
    Zogen fort, der Krieg beginnt.
    Sag, wo die Schuldner sind
    über Gläubigern weht der Wind.
    Sag mir, wo die Schuldner sind
    pensionierte Altkaufleute weh‘n im Sommerwind

    Abgewandelter Liedtext von Joan Baez

    Gruß

  2. # 2 Jörg schreibt:

    :-) An dem Text könnte man noch ein bisschen feilen, aber die Idee ist gut. Aber war das nicht von Pete Seeger?

  3. # 3 Michael Kostic schreibt:

    Ich glaub’s mittlerweile auch. Bin da aber nicht soooo bewandert. Werd aber mal versuchen das heraus zu finden :-)

    Gruß

  4. # 4 Jörg schreibt:

    Das Lied hat eine wirklich spannende Geschichte, die bei Wikipedia aufgeschrieben wurde:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Sag_mir,_wo_die_Blumen_sind

  5. # 5 Vogel schreibt:

    Danke Euch beiden! Da hab‘ ich auch was Schönes gelernt!

    Beste Grüße
    Vogel

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