Amy Winehouse und Norah Jones: Die Schokoladenmädchen kommen
Norah Jones war 24 Jahre alt, als sie 2003 acht Grammys gewann, unter anderem als „Best New Artist“. Dagegen ist das diesjährige Abschneiden von Amy Winehouse fast als schwach zu bezeichnen: sie gewann „nur“ 5 Grammys, natürlich auch als „Best New Artist“.
Beide sind in dem Jahr, in dem sie bei der Grammy-Verleihung so erfolgreich sind, 24 Jahre alt. Aber das ist nicht ihre einzige Gemeinsamkeit.
Sie sind „Soul-Sängerinnen“ und „Songwriterinnen“, das klingt nach Unabhängigkeit und Selbständigkeit, aber wenn man sie nebeneinander stellt, scheinen sie der gleichen Retorte entsprungen. Selbst die Zeit, die sie bis zu ihrem großen Erfolg brauchten, ist identisch.
Lange schwarze Haare, etwas unordentlich, runde dunkle Augen, volle Lippen, überhaupt alles dunkel, voll und rund, zwei Schokoladenmädchen. Ebenso die Stimme, voll und dunkel, etwas verrucht, etwas geheimnisvoll. Der Typ Frau, von dem Regisseure und Produzenten glauben, dass jeder Mann sie haben will, weil keiner sie haben kann.
Aber jede Verführung wird in ihrer Wiederholung langweilig. Das deutete sich schon bei Norah Jones an, der immer gleiche Tonfall, der immer gleiche Blick, nun, beim zweiten Aufguss der gleichen Story wird es offensichtlich: Da liegt eine Schablone im Schrank der Produzenten, und wenn mal wieder eine junge Frau hereinschaut, die so halbwegs dazu passt, wird sie zurechtgebogen, bis die Übereinstimmung perfekt ist. Der Typ „Soulsängerin und Songschreiberin“ ist dabei besonders begehrt, weil er, indem er Freiheit und Eigenständigkeit imitiert, das routinierte Verfahren verschleiert.
Norah Jones hat das bisher – soviel man weiß – ganz gut überstanden. Bei Amy Winehouse ist schlimmeres zu befürchten.
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